Facebook Ich weiss, welche Fotos Du «likest»

Wenn sich Facebook-Nutzer nicht ausreichend schützen, sind plötzlich alle Bilder von der gestrigen Party auffindbar. (Symbolbild)

Facebook weiss mehr über mich als meine besten Freunde: Wir zeigen, wie einfach es ist, private Daten abzufragen – und wie Sie sich dagegen schützen.

Fast 3,5 Millionen Schweizer sind auf Facebook aktiv – ein Grossteil davon regelmässig. Dabei landet jeder einzelne Mausklick, jeder Kommentar und jedes «Gefällt mir» in der Datenbank von Facebook. Das Geschäftsmodell von Facebook ist für User auf den ersten Blick attraktiv: Statt mit Geld bezahlen sie den Zugang zur Seite mit der Übergabe ihrer Daten an den Konzern. Letzteres klingt zunächst harmlos, birgt aber Risiken.

Ein Klick – und der Chef sieht alles

All diese Informationen, die scheinbar den Facebook-Freunden vorbehalten sind, lassen sich mit etwas Know-how problemlos finden. Es gibt Recherche-Tools, mit denen sich die Standard-Datenschutzeinstellungen auf Facebook umgehen lassen. Eines davon bietet die Seite inteltechniques.com. Dort lassen sich sämtliche Aktivitäten eines Users recherchieren, wenn man die jeweilige Facebook-ID-Nummer kennt. Verblüffend: Die Suche liefert Ergebnisse unabhängig davon, ob man mit dieser Person befreundet ist oder nicht.

Wenn die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook lax sind (und das sind sie bei vielen Nutzern), drohen fiese Überraschungen: So kann zum Beispiel der zukünftige Chef nach dem Vorstellungsgespräch nachschauen, welche Bilder der Kandidat geliked hat oder welche Lokale er in seinem bisherigen Leben besucht hat. Zudem haben verbale Entgleisungen auf Facebook schon so manche vielversprechende Karriere abrupt beendet.

Auch können Ferienfotos, die man eigentlich nur mit Freunden bei Facebook teilen wollte, Einbrechern in Kombination mit Vor- und Nachnamen sowie Wohnort Aufschluss geben über aktuell leerstehende Wohnungen, die sie dann ungestört ausräumen können.

Ergebnis einer solchen Facebook-Recherche:

Ich habe auf inteltechniques.com danach gesucht, welche Fanseiten ich selbst geliked habe – ich war auf Facebook nicht eingeloggt und galt daher als «fremde Person». Alle insgesamt 253 Seiten lassen sich anzeigen, das ist ein Ausschnitt davon:

So passen Sie Ihre Einstellungen an

Dieselbe Suche funktioniert auch mit Fotos, Kommentaren, Ortsangaben oder Eventeinladungen. Es sei denn, die Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook sind angepasst. Diese sind extrem umfangreich und detailliert – aber auch entsprechend kompliziert. Es ist leider nicht möglich, das komplette Profil mit einem Klick auf «privat» zu stellen. Stattdessen müssen Fotos, Gefällt-mir-Angaben oder Videos jeweils einzeln angepasst werden. Es lohnt sich, einige Zeit zu investieren, damit man sich anschliessend wieder unbeschwert auf Facebook bewegen kann.

Der wichtigste Ort, um Ihre Aktivitäten zu überprüfen und Berechtigungen einzustellen, ist das AktivitätenprotokollSo finden Sie es: Sie besuchen Ihre eigene Profilseite und klicken oben rechts auf «Aktivitätenprotokoll». Anschliessend sehen Sie chronologisch aufgelistet, was Sie bislang auf Facebook getrieben haben. An den Symbolen rechts erkennen Sie, ob die jeweilige Information nur für Sie, nur für Freunde oder für alle sichtbar eingestellt ist. Bei allen sensiblen Aktivitäten mit dem Globus-Symbol sollten Sie anschliessend die Einstellungen anpassen – das geht, indem Sie auf den grau eingefärbten Stift klicken.

 

Wichtig sind auch die «Privatsphäre-Einstellungen»: Diese können Sie im Hauptmenü oben rechts aufrufen. Darin können Sie bestimmen, wer Ihre Inhalte (Bilder, Kommentare, Videos...) sehen kann. Achtung: Diese Einstellung betrifft nur Ihre eigenen Inhalte. Wenn jemand anders ein Foto von Ihnen hochlädt oder wenn Sie ein Foto einer anderen Person liken, dann ist diese Information trotzdem auffindbar – es sei denn, der Urheber hat seine Einstellungen ebenfalls angepasst.

Autor:
  • Reto Stauffacher
Bild:
  • Thinkstock Kollektion

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