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Fernsehen

Die Zukunft hat schon begonnen

Text:
  • Gian Signorell
Ausgabe:
4/07

Brandneue Technologien, weltweite Vernetzung: Das Pantoffelkino zieht die Siebenmeilenstiefel an.

Schärfer, mobiler, vielfältiger, individueller - so sieht das neue Fernsehen aus. Möglich ist diese Angebotsverbesserung dank dem Wechsel von der analogen auf die digitale Übertragung des TV-Signals. So lässt sich pro Zeiteinheit viel mehr Information transportieren. Zwar senden die meisten Kabelbetreiber die Signale noch zugleich analog und digital - die analoge Technik aber ist ein Auslaufmodell, auf das die Kabelanbieter mittelfristig verzichten werden.

Das Gleiche gilt für die Verbreitung von analogen Signalen über Antenne. Die meisten terrestrischen Anlagen, darunter die grossen wie jene auf dem Säntis oder auf dem zürcherischen Üetliberg, senden seit vergangenem Jahr digital. Fernsehempfang per Satellit oder über das Internet ist immer digital.

Wird ein Fernsehgerät von einem digitalen Signal gespeist, erhöht sich die Bildqualität. Ein nochmals deutlich besseres Bild bringt die HD-Technik, für die eine digitale Signalübertragung Voraussetzung ist. Das Kürzel HD steht für «high definition», also hochauflösendes Fernsehen: Pro Flächeneinheit werden mehr Bildpunkte übertragen. Die Farben erscheinen dadurch natürlicher und brillanter, das Bild besticht durch Detailreichtum und Schärfentiefe. Hochauflösendes Fernsehen wird nur im neuen Bildformat 16:9 ausgestrahlt.


HD ist in Europa bereits Realität: Vorreiter sind Pay-TV-Anbieter wie zum Beispiel der französische Canal+ oder der deutsche Premiere. Zurzeit werden in Europa rund 20 Fernsehprogramme teilweise in HD-Qualität ausgestrahlt - davon rund 15 als Pay-TV, die übrigen als Free-TV, darunter Sat 1, Pro7 und Kabel 1. Das Schweizer Fernsehen sieht für das nächste Jahr erste Sendungen in HD vor, ab 2010 folgt die schrittweise Umstellung aller Programme auf die neue Technologie. Für die gesamte Übergangsphase ist ein Parallelbetrieb von herkömmlicher Sendetechnik und HD vorgesehen.

Flachbildschirme, wahlweise mit Plasma- oder LCD-Technologie, werden auch für die kommenden Jahre Standard bleiben. Eine gänzlich neue Bildschirmtechnik ist laut den Produktmanagern der grossen Unterhaltungselektronik-Konzerne wie Panasonic, Sony oder Pioneer nicht zu erwarten.

Lästige Werbung rausfiltern

Viel zu reden gibt die so genannte OLED-Technologie. OLED steht für «organische Leuchtdiode». Aufgrund ihrer Beschaffenheit ist die Verwendung auf sehr dünnen und biegsamen Materialien wie etwa einer Folie denkbar. Der zusammenrollbare Bildschirm würde damit Realität. Derzeit aber finden OLEDs nur in sehr kleinen Displays Verwendung. Grössere Bildschirme lassen sich noch nicht mit vertretbaren Kosten herstellen. Dies dürfte in den kommenden Jahren auch so bleiben.

 

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Digitale Festplattenrekorder werden immer höhere Speicherkapazitäten aufweisen und komplette Fernsehprogramme über Tage aufzeichnen können - ein Autonomiegewinn für die Zuschauer. Sie werden selbst entscheiden können, wann sie welche Sendung sehen möchten.

In den USA macht derzeit TiVo Furore: ein digitaler Festplattenrekorder mit Internetzugang. Die Rekorder haben Zugriff auf die Festplatten aller anderen online geschalteten TiVo-Geräte und bieten damit eine enorme Auswahl an Filmen, Shows oder Infosendungen. Eine weitere Eigenschaft von TiVo dürfte die bisherigen Finanzierungsmodelle der TV-Sender komplett über den Haufen werfen: Der Festplattenrekorder filtert beim Aufzeichnen lästige Werbung heraus - so wird reklamefreier Fernsehgenuss möglich. Den TV-Anstalten aber drohen schmerzhafte Einbussen bei den Werbegeldern.

Gratis im Internet fernsehen

Das Internet wird als Fernsehübertragungskanal in Form von IPTV an Bedeutung zunehmen. Die Swisscom wurde nach der Lancierung von Bluewin-TV von Anfragen überrollt: In den ersten zwei Monaten bestellten rund 20'000 Kunden das neue Angebot aus dem Internet.

Fernsehen kann man aber auch direkt am Computer. Zattoo heisst das kostenlos im Internet verfügbare Programm, mit dem der Empfang von mehr als 40 Kanälen, darunter SF 1, 2 und SF Info, ARD und ZDF, ORF 1 und 2, möglich ist. Zattoo läuft auch auf einem Laptop. Damit wird Fernsehen mobil und überall dort möglich, wo eine Verbindung ins Internet hergestellt werden kann: bei der Arbeit, in der Kneipe oder auch im Nebenzimmer der Wohnung, falls der Fernseher besetzt sein sollte.

Joost, ausgesprochen wie das englische Wort für betrunken, «juiced», heisst ein weiteres Gratis-Internet-TV-Angebot. Joost ist allerdings noch in der Testphase und nur für ausgewählte Nutzer zugänglich. Es verbindet die Heimcomputer zu einem Netzwerk. Der Clou dabei: Je mehr Computer am Netz sind, desto besser wird die Bildqualität. Hinter dem Projekt stehen Niklas Zennström und Janus Friis.

Internetkundige dürften bei diesen Namen hellhörig werden. Die kostenlose Tauschbörse Kazaa mischte das Musikgeschäft gehörig auf, das Gratistool Skype lehrte die Telefongesellschaften das Fürchten - beide Male lauteten die Namen der Erfinder: Zennström und Friis.

© Beobachter Ausgabe 4 vom 14. Feb 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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