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Übernehmen Sie die Regie!

Text:
  • Iwon Blum
Bild:
  • JVC
Ausgabe:
14/07

Der erste Geburtstag, der erste Schritt, die ersten Ferien am Meer: Wenn Sie wichtige Momente im Leben Ihrer Kleinen richtig in Szene setzen wollen, sind Grundkenntnisse im Videodreh wichtiger als technischer Schnickschnack.

(Bild: JVC)

Erschrecken Sie Werbeslogans über Megapixel, Digitalzoom oder High Definition so sehr, dass Ihr Filmschaffen schon vor dem Kauf einer Videokamera endet? Lassen Sie sich von technischen Extras nicht verwirren: «Bei der Wahl einer Kamera kann man letztlich das Portemonnaie entscheiden lassen», sagt Videokursleiter und Computerexperte Jürg Wolfer. «Ich empfehle Systeme mit Kassette, da bekommen Sie die beste Bildqualität. Aber auf dem Schweizer Markt wird eigentlich kein Ramsch angeboten, das ist doch beruhigend zu wissen» (siehe «Welche Kamera passt zu Ihnen?»).

Wichtiger als eine Top-Ausrüstung ist ein gewisses Basiswissen über das Filmen - denn «die guten oder schlechten Bilder macht nicht die Kamera, sondern Sie», sagt der deutsche Videojournalist und Buchautor Felix Schützler.

Drehbuch

Vor dem Dreh sollte man einen ungefähren Plan haben, was man aufzeichnen möchte. Ein solches Rohdrehbuch bringt nicht nur Struktur, sondern hilft, entscheidende Szenen nicht zu vergessen: etwa das Kofferpacken, Momentaufnahmen von der Reise, das Ortsschild et cetera. «Sind solche Momente verpasst, kann man sie meist nicht nachholen», sagt Videoprofi Jürg Wolfer.

Kameraführung

Verwackelte Bilder machen die Zuschauer schwindlig. Achten Sie beim Dreh darauf, dass Sie bequem und gerade stehen, am besten lehnen Sie sich irgendwo an. Noch besser sei jedoch, sich ein Stativ anzuschaffen, rät Wolfer. Kameraschwenks sollten immer ruhig von einer Seite zur anderen gemacht werden - unter keinen Umständen hin und her wirbeln, als wäre Ihnen das Motiv weggelaufen.

Einstellung

Wechseln Sie ab und zu die Entfernung zum gedrehten Objekt. Gehen Sie weiter weg (eine sogenannte Totale), erhält der Zuschauer einen Ortsüberblick. Gehen Sie aber auch nah heran, so zeigen Sie dem Zuschauer, welches Detail gerade wichtig ist. Drehen Sie zum Beispiel erst eine Totale des Strandes, zeigen dann Ihre Kinder beim Bau einer Sandburg und anschliessend das lachende Gesicht Ihrer Tochter in einer Nahaufnahme. «Wenn Sie sich einen Hollywoodfilm anschauen, können Sie sehen, wie dort die Bilder gewählt wurden, um etwas auszudrücken», rät Felix Schützler. Schauen Sie ruhig bei den Grossen ab.

Zoom

«Wenn ich mich trauen würde, würde ich sagen: Zoomen ist verboten. Es entspricht nicht dem Menschen, der zoomt auch nicht», sagt Wolfer. Felix Schützler warnt zudem vor Werbeslogans wie «Jetzt mit bis zu 800x Digitalzoom»: Ein solcher Digitalzoom blase das Bild einfach auf, das Ergebnis sind unscharfe, grobe Bildpunkte. Schützlers Tipp: Statt zu zoomen, zeigen Sie das Motiv, zum Beispiel einen Baum, im Überblick, stoppen die Aufnahme, gehen ganz nah ran und filmen Details, zum Beispiel ein Blatt, über das ein Käfer krabbelt.

Perspektiven

Wenn Sie Menschen oder Haustiere filmen, gehen Sie auf Augenhöhe - wenn Sie zum Beispiel Ihre Katze von oben herab filmen, «kann man das Büsi einfach nicht ernst nehmen», so Wolfer. Ebenso verhält es sich bei Kindern. Wechseln Sie bei Aufnahmen von der Umgebung jedoch hin und wieder zwischen Vogel- und Froschperspektive oder nehmen Sie eine Situation auf Hüfthöhe auf - das macht die Sache interessanter.

Ton

«Den Originalton kann man meist nicht brauchen - da sind vor allem Wind, Fingergetappse des Filmenden und sein Husten zu hören», erklärt Jürg Wolfer. Ein externes Mikrophon beziehungsweise eine Nachbearbeitung des Tons sind kein unnötiger Luxus.

Bearbeitung

Wer seinem Publikum einen kurzweiligen Filmabend bescheren möchte, dem empfiehlt Jürg Wolfer einen Basiskurs in Videobearbeitung. Filmschnittprogramme seien immerhin etwa 20-mal komplexer als ein Textbearbeitungsprogramm. «Rohmaterial anschauen zu müssen ist eine Zumutung», lautet das schonungslose Urteil des Experten. Die Zuschauer sollen schliesslich am Ende des Films nicht erleichtert aufatmen, sondern sagen: «Was, schon vorbei? Schade!»

Welche Kamera passt zu Ihnen?

Eine einfache Frage hilft beim Kauf eines Camcorders: Was brauche ich? Die folgende Übersicht kann Ihnen helfen:

System: Mini-DV (DV steht für Digital Video)
Aufnahmemedium: Kassette
Bildqualität: gut
Bearbeitung: Das Bildmaterial kann gut am PC bearbeitet werden.
Kosten: günstig
Besonderes: Das Bild­material muss zur Bearbeitung in Echtzeit auf den PC eingelesen werden.
Eignung: Für Leute mit Ansprüchen an ihre Werke, die am PC nachbearbeitet werden.


System: DVD
Aufnahmemedium: DVD
Bildqualität: mässig
Bearbeitung: Einige Kameras erlauben eine grobe Schnittbearbeitung im Gerät, für die Bearbeitung am PC ist dieses System nicht gut geeignet.
Kosten: teuer
Eignung: Für Leute, die ein einfaches Videosystem wünschen, das sie leicht und schnell nach dem Dreh abspielen können, ohne das Bildmaterial zu bearbeiten.


System: SD-Speicher­karten (SD steht für Secure Digital)
Aufnahmemedium:
wieder beschreibbare Karte
Bildqualität: mässig
Bearbeitung: Für den PC gibt es Kartenleser, die das Bildmaterial direkt und schnell einlesen.
Kosten: noch teuer
Besonderes: Oft sehr kleine Geräte, die jedoch eine ruhige Kameraführung erschweren.
Eignung: Wenn Sie allzeit bereit sein wollen.


System: HDD-Festplatten-Camcorder (HDD steht für Hard Disk Drive)
Aufnahmemedium: Festplatte
Bildqualität: mässig
Bearbeitung: Für die Bearbeitung am PC nicht gut geeignet.
Kosten: günstig
Besonderes: Auf eine 30-Gigabyte-Festplatte passen zirka sieben Stunden Film in der höchsten Qualitätsstufe. Eignung: Für Vielfilmer und lange Drehs ohne Pausen.
Eignung: Für Vielfilmer und lange Drehs ohne Pausen.


Spezielle Entscheidung: HD (High Definition, hochauflösend)
Aufnahmemedium:

  • HDV: Kassette
  • AVCHD: DVD, Speicherkarte, Festplatte
  • Full HD: Festplatte
Bildqualität: Hervorragend - sofern man HD-fähige Geräte hat
Bearbeitung: Nur bei den Kassetten gut möglich.
Kosten: noch teuer
Eignung: Für Leute, die für professionelle Aufnahmen entsprechend investieren wollen.

 

Achtung Akku! Das Wichtigste beim Kamerakauf ist die Energieversorgung: Meist wird nur ein kleiner Akku mitgeliefert; Videoexperte Jürg Wolfer empfiehlt zusätzlich zwei separate grosse Akkus und ein externes Ladegerät, damit der Filmspass nicht abrupt endet.

 

Buchtipp

Felix Schützler: «Digitale Videoschule. Exklusive Tricks eines TV-Journalisten»; Franzis-Verlag, 2007, Fr. 42.50; Schützler hat für die Beobachter-Leserinnen und -Leser zehn Videotricks zusammengestellt, die Sie unter www.selbstgedrehte-videos.de/aktion gratis herunterladen können (PDF).

Kurse

Jürg Wolfer gibt Video-Kurse bei der Migros-Klubschule; Infos: www.klubschule.ch.

Auch seine Firma Wolfermedia bietet Firmen und Privaten Videokurse, -produktionen und Beratung beim Computerkauf an; www.wolfermedia.ch.

© Beobachter Ausgabe 14 vom 04. Jul 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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