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Achtung, Google-Falle

Text:
  • Matieu Klee
Bild:
  • Matthias Wäckerlin
Ausgabe:
23/10

Wer mit Google geschäftet, riskiert den hundertfachen Preis zu bezahlen. Und das nur wegen eines einzigen Satzzeichens.

Von Googles Software ausgetrickst: Geschäftsinhaber Walter Häfelfinger (rechts) und der stellvertretende Mobilcom-Leiter Nicolas Augsburger

Nicolas Augsburger hätte nie gedacht, dass ausgerechnet der Internet-Riese Google seine Kunden in eine Falle laufen lassen würde. Der stellvertretende Leiter des Mobilcom-Ladens in Liestal wollte nur ein paar Inserate schalten, wie dies Tausende anderer Klein- und Mittelbetriebe tagtäglich tun. Er buchte Werbung für 25 Franken pro Tag – glaubte er.

Wer bei Google wirbt, entscheidet sich für Suchwörter, ein Handyverkäufer wie Augsburger zum Beispiel für den Begriff «Mobiltelefon». Sucht dann jemand nach genau diesem Begriff, erscheint das Inserat neben den Suchergebnissen. Bezahlen muss der Inserent erst, wenn ein Inserat auch tatsächlich angeklickt wird. Das Ganze nennt sich «Adwords». Damit die Kosten nicht explodieren, wählen Google-Kunden ein Tagesbudget. Ist dieses ausgeschöpft, erscheint das Inserat nicht mehr.

Augsburger entschied sich also für ein Tagesbudget von 25 Franken und gab fein säuberlich den Betrag von «25.00» Franken ein. Was er nicht merken konnte: Google hatte seinen Punkt zwischen Franken und Rappen ignoriert und aus 25.00 Franken 2500 gemacht. Eine Fehlermeldung, das Format sei ungültig, wie sonst im Internet Standard, blieb aus. Google hatte einzig in Klammern einen Beispielbetrag angegeben. Und bei diesem waren Franken und Rappen mit einem Komma statt einem Punkt getrennt: Der Punkt als Trennzeichen kostete ihn also das Hundertfache des Tagesbudgets, das er ursprünglich einsetzen wollte.

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Fehler sind programmiert

Augsburger reklamierte bei Google. Doch die Firma liess nicht mit sich reden. Man riet ihm, er solle sich schriftlich beim Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien, melden und das Problem schildern. «Google ist dermassen dominant, dass wir zu keiner Konkurrenz gehen können. Und genau das weiss Google», sagt Augsburger.

Der Beobachter wollte es genau wissen, startete einen Testlauf und stiess dabei auf ein abenteuerliches Geschäftsmodell. Das Trennzeichen zwischen Franken und Rappen ist bei Google einmal ein Komma, ein anderes Mal ein Punkt – offenbar völlig zufällig. Eine richtiggehende Kundenfalle, denn Tippfehler sind so programmiert. Zumal in der Schweiz ein Komma als Trennzeichen zwischen Franken und Rappen völlig unüblich ist.

Auf Anfrage des Beobachters erklärt Google-Sprecher Matthias Meyer: «Wir sind daran, die Angelegenheit zu untersuchen.»

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© Beobachter Ausgabe 23 vom 10. Nov 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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