Nachlese
Wer zog die Brotbremse?
Im Teilchenbeschleuniger des Cern in Genf wird mit kleinsten Partikeln gearbeitet. Doch vor kurzem legten ein paar Brösmeli die milliardenteure Anlage lahm. Ein Zufall?
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Brotreste und ein paar Federn – das fanden Mitarbeiter des Cern in einem Transformatorenkasten nach einem Kurzschluss am Teilchenbeschleuniger. Offenbar hatte sich ein Vogel in die Anlage verirrt und die Brösmeli fallen lassen. Eine kleine Ursache mit grosser Wirkung: Im Cern-Beschleuniger werden kleinste Teilchen beinahe mit Lichtgeschwindigkeit zur Kollision gebracht. Riesige Magnete halten die sogenannten Hadronen dabei auf ihrer Bahn. Das funktioniert allerdings nur bei einer Temperatur von minus 271 Grad – knapp über dem absoluten Nullpunkt. Durch den Kurzschluss fiel die entsprechende Kühlanlage aus.
Die Folge: Panne und dreitägiger Stillstand. Für die Forscher nichts Neues, denn in 13 Monaten war die Anlage gerade mal eine Woche in Betrieb. Bereits im September 2008 musste die Maschine abgeschaltet werden; damals hatten sich zwei der riesigen Elektromagneten überhitzt. Diesen November hätte der Betrieb endlich wieder aufgenommen werden sollen. Die Brosamen verzögerten den Start nochmals um eine Woche. Nun läuft die Maschine wieder, doch in Anbetracht der Vorfälle fragt man sich: alles nur Zufall – oder Sabotage?
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Ein Vögelchen mit göttlicher Macht
Denn wer Teilchen beschleunigt, macht sich nicht nur Freunde. Da wäre etwa der amerikanische Physiker Walter L. Wagner, der 2008 beim Bezirksgericht Honolulu auf Hawaii eine Klage gegen das Forschungszentrum einreichte. Er glaubt, dass durch die Experimente mit den Elementarteilchen schwarze Löcher entstehen, welche die gesamte Erde verschlingen werden. Wo war er denn am Tag der Brösmeli-Panne?
Vielleicht steckt aber auch ein terroristischer Akt dahinter: Kurz vor der Brotattacke wurde am Cern ein Physiker verhaftet. Dem Algerier wird vorgeworfen, in Kontakt mit dem nordafrikanischen Flügel der al-Qaida gestanden zu haben. Flügel, Vogel – der Zusammenhang ist offensichtlich.
Oder kam der Sabotageakt etwa von ganz oben? Schliesslich versuchen die Forscher mit Hilfe des Teilchenbeschleunigers das Rätsel um die Entstehung des Universums zu lüften. Der EDU-Politiker Christian Waber wertet den Zwischenfall als Gotteszeichen. «Das von Gott geschaffene Vögelchen ist mächtiger als das Cern», liess er sich zitieren. Wie auch immer, eins scheint gewiss: Gott will sich ganz offensichtlich nicht in die Karten schauen lassen.
Am Cern selbst tut man solche Vermutungen als Spinnereien ab. Dass ein Federvieh mit Brotkrümeln eine 3,9 Milliarden Euro teure Anlage lahmlegt, betrachten die Wissenschaftler als «einen recht alltäglichen Vorfall». Die scheinen sich gewohnt zu sein, einen Vogel zu haben.
© Beobachter Ausgabe 25 vom 09. Dez 2009 - Alle Rechte vorbehalten





