Navigationsgerät

Der digitale Fremdenführer

Text:
  • Andreas Grote
Bild:
  • Daniel Röttele
Ausgabe:
4/10

Wer als Tourist zu Fuss eine Stadt erkundet, muss heute nicht mehr Karten lesen können: Ein Navigationsgerät erledigt die Routenplanung viel bequemer. 

Die meisten Navigationsgeräte ­taugen nur fürs Auto. Wer zu Fuss in Paris oder Rom die Sehenswürdigkeiten erkunden will, ist mit ihnen schlecht bedient. Denn Auto-Navis ignorieren bei der Routenplanung Fussgängerwege komplett – seien das autofreie Zonen, Plätze oder Stadtparks. Auch Einbahnstrassen sind für sie ein Tabu, zumindest deren «falsche» Richtung.

Eine Fussgängerfunktion, wie sie Geräte von Navigon und Garmin bieten, schafft Abhilfe. Diese Navis sind kompakt, passen gut in die Tasche und liegen gut in der Hand. Alle Geräte haben eine Energie­spar­funktion: Das Display wird nach einigen Minuten automatisch abgedunkelt oder geht in den Stand-by-Modus. Anders als die reinen Autogeräte erhält das Fussgänger-Navi auch dann noch die GPS-Verbindung zu den ­Satelliten aufrecht. So kann es direkt nach dem erneuten Ein­schal­ten die ak­tuelle Position wieder anzeigen. Wird im Profil für die Routenberechnung «Fussgänger» gewählt, bezieht das Navi auch Strassen mit ein, die nicht befahren werden dürfen.

Viele Navis sind heute bereits ab Werk mit einer abgespeckten Fussgängernavigation ausgestattet. Wählt man die Option «Fussgänger», bedeutet das häufig, dass zumindest Einbahnstrassen in beide Richtungen als befahrbar freigegeben und mit in die Routenberechnung einbezogen werden. Bei manchen Navis dient diese Einstellung aber auch bloss dazu, bei der Berechnung der Reisedauer und Ankunftszeit das Tempo eines Fussgängers zugrunde zu legen. Klä­rung schafft ein Blick ins Navi-Handbuch.

Diese Funktionen sind speziell auf die Bedürfnisse von Fussgängern abgestimmt:

  • Energiesparfunktion mit bleibender Satelliten­verbindung
  • elektronischer ­Kompass
  • Parkplatzsuche, Rücklotsfunktion
  • Anzeige von Einkaufsmöglichkeiten, von Restaurants und Hotels
  • Informationen zum ­öffentlichen Verkehr
  • Stadtpläne ab SD-Speicherkarten

Mit eingebautem Kompass: Navigon

Navigon bietet Fussgängernavigation in den Modellreihen 14 und 24. Sie kosten nicht mehr als andere Mittelklasse-Navis und sind mit der regionalen oder mit der Europakarte ausgestattet. Die Serie 24 besitzt ausserdem einen elektronischen Kompass. Er dreht die Karte auf dem Navi-Display automatisch in die Blickrichtung des Betrachters. Das erleichtert die Orientierung sehr. Praktisch auch, wenn man mit dem Auto nicht in der Nähe eines Zielorts parken kann: Das Gerät lotst auf Knopfdruck zum nächsten Parkplatz, speichert den Standort und führt dann im Fussgängermodus zum eigentlichen Ziel – und auch wieder zum Auto zurück.

Mit öffentlichem Verkehr: Garmin

Bei Garmin beherrschen ins­gesamt vier Modelle die Fussgängernavigation. Das kleinste, das nüvi 1240, schien beim Test allerdings etwas langsam bei Routenberech­nung und Darstellung der Karte. Empfehlenswert: Für etwa 16 Franken sind zusätzlich CityXplorer-Karten zu haben. Sie liefern aktuelle regionale Informa­tionen zu Einkaufs­möglich­keiten, Restaurants, Hotels, Unterhaltung oder Parkmöglichkei­ten.

Bestimmte Modelle beziehen auch den öffentlichen Verkehr in die Routenberechnung ein. Das Gerät zeigt dann an, wo der Nutzer hingehen, welches Ver­kehrsmittel er nehmen kann und wie lange er bis zum Ziel benötigt. CityXplorer-Karten sind für über 60 Metropolen verfügbar, darunter Rom und Paris. Sie werden aus dem Internet geladen, auf eine MicroSD-Speicherkarte kopiert und ins Gerät eingeschoben.

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Aufrüstbar: Smartphones

Es muss aber nicht gleich ein neues Navi sein, damit man sich auf fremdem Terrain als Fussgänger besser orientieren kann. Moderne Smartphones sind mit einem zur Positionsbestimmung erforderlichen GPS-Empfänger ausgestattet. Einige, darunter das iPhone, bringen bereits vorinstalliert ein Kartenprogramm wie Google Maps mit, das sich auf Fussgängernavigation umstellen lässt.

Daneben gibt es für viele Handys und die meisten Smartphones eine Naviga­tionssoftware. Das Angebot ist mittlerweile gross, doch ausgereifte Lösungen mit Fussgängernavigation sind noch immer Mangelware. Für das iPhone sowie Symbian- und Android-Smartphones bietet Navigon seinen MobileNavigator an, der neben der Autonavigation auch einen richtigen Fussgängermodus enthält. Bedienung und Funktion sind ähnlich wie bei einem Navi. MobileNavigator unterstützt beim iPhone 3GS den elektronischen Kompass, so dass die Karte entsprechend der Blickrichtung automatisch mitgedreht wird.

Günstiger und trotzdem gut ist die Fussgängerhilfe mit der Navigationssoftware Skobbler. Sie läuft auf dem iPhone, auf Handys von Blackberry, LG, Nokia, Samsung und Sony Ericsson sowie auf Smartphones mit Android OS. Für das iPhone kostet die Software im iTunes Store elf Franken, für die anderen Handys ist sie kostenlos. Skobbler funktioniert daneben auch als normale Autonavigation. Nachteil: Die Software bringt im Gegensatz zu den teuren Lösungen von Navigon und Garmin kein Kartenmaterial mit. Stattdessen wird es ständig aus dem Internet nachgeladen. Skobbler ist daher nur mit einer Daten­flatrate auf dem Handy sinnvoll. Im Ausland verzichtet man wegen der teuren Daten­roaminggebühren besser auf die Nutzung. Ausserdem ist die Qualität der verwendeten Karten nicht mit jener von Navigon oder Garmin vergleichbar. Für den gelegentlichen Gebrauch eignet sich Skobbler aber sehr gut.

Karten aus aller Welt: Nokia

Besitzer von Nokia-Handys können auf den Dienst «Ovi-Karten» zurückgreifen. Dieser zeigt weltweit Karten an, die Navigation für Fussgänger und Auto ist dabei seit kurzem kostenlos. Auf neueren Modellen ist der Dienst bereits installiert, auf vielen älteren Geräten kann er per Download nachgerüstet werden. Die Karten können bereits vor dem Start vom Computer auf das Handy geladen werden, so dass unterwegs keine erneute Internetverbindung nötig ist. Ein Nachladen der Karten per Web ist aber ­jederzeit möglich.

Navigation für Fussgänger: Diese Möglichkeiten gibt es

Hardware-LösungenSoftware-Lösungen
Hersteller
Navigon
Garmin
Navigon
Skobbler
Nokia
Modell/
Software
Serien 14xx und 24xxnüvi 1240, 1350T, 1350Tpro, 1490TproMobile­-NavigatoriPhone, Handys von Blackberry, LG, Nokia, ­Samsung, Sony Ericsson sowie Smartphones mit Android OSOvi-Karten
Preis
135.- res. 210.- CHFab 175 CHFfür iPhone 99 CHF (Karten nur für CH/D/A), Sym­bian rund 110.- CHF (CH/D/A), Android rund 160.- CHF (Europa)für iPhone
im iTunes Store
11.- CHF, für andere Handys kostenlos
Nutzung
kostenlos
Besonder-
heiten
Modell 24xx mit elektro-nischem KompassCityXplorer-
Zusatzkarten für 16.- CHF erhältlich; sie
berücksichtigen
öffentliche
Verkehrsmittel bei der Routen-planung
Navigations-
software mit Fussgänger­-navigation für iPhone sowie Symbian- und Android-Smartphones
günstige und gute Lösung für Auto und Fussgänger, aber Karten müssen aus dem Internet nachgeladen werdennur für Nokia-Handys erhältlich; Karten können vom PC auf das Handy übertragen werden, aber auch mobil
via Internet
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© Beobachter Ausgabe 4 vom 17. Feb 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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