Netbooks

Die Invasion der Notebook-Zwerge

Text:
  • Markus Koch
Ausgabe:
19/08

Handlich, leicht und erstaunlich billig: Der Hersteller Asus hat mit dem Eee PC eine neue Gerätekategorie geschaffen - die Netbooks. Sie sind zwar keine ausgewachsenen Laptops, aber ideale Werkzeuge für den digitalen Lifestyle.

Menschen, die vor Geschäften campieren, endlose Warteschlangen vor Ladenlokalen, lange Lieferfristen und freudetrunkene Käufer - nein, die Rede ist für einmal nicht von Apples iPhone, für das sich die Lifestyle-Elite rund um den Globus anstellt wie Alkoholiker am Freibiertresen. Ähnliche Szenen haben auch die Markteinführung eines kleinen Notebooks begleitet: des Eee PC von Asus.

Die drei E stehen für «einfaches Lernen, einfaches Arbeiten, einfaches Spielen» und prangen auf dem etwa ein Kilo leichten Mini-Notebook von der Grösse eines A5-Blattes. Ähnliche Geräte haben vor Asus zwar schon andere gebaut, sie waren aber im Hochpreissegment angesiedelt und kamen nie aus ihren Nischen heraus.

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Der kleinste Eee PC hingegen kostet unter 400 Franken, der grosse knapp 600. So günstig gab es PC-Mobilität noch nie - und die Konsumenten scheinen darauf gewartet zu haben: Im ersten halben Jahr nach der Markteinführung verkaufte Asus eine Million der trendigen Geräte und scheuchte damit andere Hersteller auf, die in Windeseile eigene billige Mini-Notebooks bauen und teils bereits verkaufen (siehe nachfolgende Box «Das Original und die Kopien»).

Richtige Notebooks wollen eine mobile Alternative für einen Desktop-PC sein, nicht so die Notebook-Zwerge. Ihr Platz ist in Schulen, Parks, Unis oder Cafés - halt überall dort, wo man sein teures, schweres Notebook nicht hinschleppen möchte, aber trotzdem online sein will.

Schmalbrüstig, aber zweckmässig

Über WLAN-Hotspots, ein Handy oder UMTS-Stick verbinden sich die Mini-Notebooks mit dem Internet und sollen in erster Linie zum Surfen, Mails abrufen, Chatten und Arbeiten mit Online-Programmen wie Google Docs, Facebook und Youtube genutzt werden können. Mit «Netbook», einer Mischung von Internet und Notebook, hat man darum schnell einen Namen für die neue Geräteklasse gefunden.

Im Vergleich zu einem Laptop sind Netbooks - bedingt durch die Bauart und den tiefen Preis - schmalbrüstig ausgerüstet. Die Displays messen in den aktuellen Modellen nur neun oder zehn Zoll in der Diagonalen. Gerade genug, um die meisten Webseiten darzustellen. Die Tastatur ist so winzig, dass nur schmale Finger damit längere Texte schreiben wollen. Der integrierte Speicherplatz fasst bei manchen Modellen nebst den Programmen kaum private Daten, und der Prozessor ist schlicht zu lahm fürs rechenintensive Bearbeiten von Videos oder gar 3D-Spielen.

Aber all das sollen und wollen die trendbewussten Käufer ja auch gar nicht. Netbooks sind Werkzeuge des digitalen Lifestyles: kleiner, leichter, billiger als ein Notebook, aber funktionaler und einfacher zu bedienen als ein fummeliges Smartphone - kurzum: gerade richtig für Leute, die immer online sein und networken wollen. Und wer unbedingt muss, kann damit auch arbeiten.

Das Original und die Kopien

Das Original: Asus Eee PC

Als Netbook-Prototyp setzen die Eee PC die Massstäbe. Die zweite Modellgeneration Eee PC 900 hat die Kinderkrankheiten des Vorgängers 4G weitgehend überwunden, die Geräte der 901-Serie können dank schneller Intel-Atom-CPU, grösserem Display und Bluetooth sogar produktiv genutzt werden. Zudem werden sie nun mit Windows XP statt Linux ausgeliefert. Weitere Modelle folgen im Herbst und im Frühjahr.
Preise: von 350 Franken (4G), 450 Franken (900) bis 600 Franken (901)

Das Arbeitstier: MSI Wind U100/Medion Akoya Mini E1210

Das von MSI gefertigte Akoya tauchte erstmals in Aldi-Märkten auf - und war im Nu ausverkauft. Derzeit ist es als MSI Wind U100 bei einigen Discountern und fast baugleich als Akoya Mini E1210 bei Medion im Angebot. Als MSI Wind bietet es unter den aktuellen Netbooks mit 1,3-Megapixel-Webcam, Bluetooth, 80-Gigabyte-Festplatte, Intel-Atom-CPU, 10-Zoll-Display, grosser Tastatur und Windows XP die beste Ausstattung.
Preise: ab 650 Franken

Der Schnellstarter: Acer Aspire One

Das Aspire One A110L wurde auch schon als «der bessere Eee PC» bezeichnet. Tatsächlich ist es schneller, dank 9-Zoll-Bildschirm praktischer und mit glänzenden Oberflächen edler als das Ur-Netbook von Asus. Leistungsmässig steht es fast auf Augenhöhe mit dem Eee PC 901, bietet aber keine Festplatte. Die will Acer in kommenden Modellen einbauen. Das Netbook startet sekundenschnell und läuft unter Windows XP.
Preise: ab 500 Franken

Die Billigsten: One A-Series

Die Mini Notebook-Serie A100 von One ist eine Kopie des Eee PC 4G mit 7-Zoll-Display, wenig Speicher und in dieser Art schwer bedienbarem Linux-System. Die magere Ausstattung wird mit dem Tiefstpreis der Gerätekategorie abgegolten. Teurere Varianten bieten eine Webcam, mehr Speicher und/oder Windows XP, die Geräte der Serie A400 sogar 10-Zoll-Displays und Festplatten. Der VIA-Prozessor nimmt es sehr gemütlich.
Preise: von 320 Franken (A100) bis 560 Franken (A450)

© Beobachter Ausgabe 19 vom 17. Sep 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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