Smartphone So sparen smarte Surfer

Smartphone: So sparen smarte Surfer
Besser man informiert sich vorher über Handy-Tarife und geht dann zu einem Berater.

Clever ist, wer seinem Smartphone den optimalen Tarif verpasst. Das gelingt mit einem Prepaid-Angebot in der Regel am besten.

Smart, diese modernen Handys! Telefonieren und SMS verschicken ist für sie nur noch eine Nebensache. Mit ihnen kann man unterwegs im Internet surfen, E-Mails verschicken, die Kontakte in sozialen Netzwerken pflegen, die elek­tronische Agenda synchronisieren, Musik und Filme abspielen, den aktuellen Standort bestimmen oder besondere Momente in Bild und Ton festhalten. Möglich macht dies ein Touchscreen, ein berührungsempfindlicher grosser Bildschirm, über den der Allzweck-Mikrocomputer gesteuert wird. Clever – darum heissen sie auch nicht einfach Handys, sondern Smartphones.

Wirklich smart ist jedoch, wer den besten Tarif für sein Smartphone findet. Mehr als 200 verschiedene Preispläne gibt es bei den elf grössten Schweizer Anbietern: im Monatsabo, als vorausbezahltes Prepaid-Angebot sowie mit diversen Optionen. Die Auswahl überfordert viele – sie entscheiden sich für ein Flatrate-Monatsabo. Damit zahlen sie in der Regel viel zu viel, weil sie meinen, ein Smartphone lade andauernd gewaltige Datenmengen übers Mobilfunknetz herunter. Das stimmt jedoch nur für ausgesprochene Vielnutzer. «Die überwiegende Mehrheit der Smartphone-Nutzer kommt pro Monat nicht über einen Datendownload von 100 bis 120 Megabyte hinaus», sagt Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Internet-Vergleichsdienst Comparis.

Für ein solches Datenvolumen ist indes ein Prepaid-Tarif sehr viel günstiger als ein Monatsabo. Ein Beispiel: Wer pro Monat 30 Minuten mobil telefoniert, 50 SMS verschickt und beim Surfen 120 MB verbraucht, bezahlt mit dem Prepaid-Angebot von Lebara nur gut 20 Franken. Das günstigste Abo für diesen Fall bietet M-Budget (CHF 31.55), die anderen Anbieter sind noch teurer: Sunrise CHF 32.50 (mit Flex-S-Tarif), Swisscom CHF 38.60 (mit Liberty primo) und Orange gar 41 Franken (Comfort 15 mit Option Mobile Internet Max), also doppelt so viel. Noch viel teurer sind die Flatrate-Abos, die die grossen Anbieter den Kunden vorzugsweise aufschwatzen: Mit dem Orange-Me-Tarif würde der Musterkunde mindestens 45 Franken pro Monat bezahlen, mit Swisscom Liberty Medio mehr als 52 Franken, mit Sunrise Sunflat 1 rund 67 Franken. Zum neuen iPhone 4S empfiehlt Sunrise sogar den Sunflat-5-Tarif für sage und schreibe 125 Franken pro Monat.

Prepaid-Tarife bis 300 MB am günstigsten

Pro Jahr summiert sich das Sparpotential somit rasch auf mehrere hundert Franken. Dennoch entscheiden sich viele neue Käufer eines Smartphones für ein Flatrate-Abo: Weil sie auf der sicheren Seite sein wollen, weil sie sich keine Sorgen darüber machen mögen, ob ihr Monatslimit bereits erreicht ist. Zudem hat man sich von der Flatrate für Breitband-Internet zu Hause bereits an diese Abrechnungsmethode gewöhnt.

In der Tat ist es nicht leicht einzuschätzen, wie viel Datenverkehr das Surfen und Mailen sowie das Herunterladen von Apps verursacht. Als Faustregel gilt: 1 MB reicht für etwa zehn Webseiten oder 75 E-Mails (ohne Anhang). Ein Youtube-Video von wenigen Minuten braucht ungefähr drei MB. Wer täglich ein bisschen rumsurft und Mails versendet, dem reichen in der Regel 250 MB pro Monat. Nur wer Internet-Fernsehen oder -Radio nutzt, Videos oder ­Musik via Internet auf sein Smartphone herunterlädt oder via Skype telefoniert, braucht ein höheres Datenvolumen.

Prepaid-Tarife sind bis 300 MB pro Monat unschlagbar günstig. Wichtig ist, dass man eine Surf-Option abschliesst. Wie das genau geht, ist je nach Anbieter unterschiedlich, meist reicht eine SMS. 300 MB kosten bei OK (der Günstigmarke der Va­lora-Kioske) sieben Franken, bei CoopMobile CHF 9.90 und bei AldiMobile zehn Franken. Den günstigsten Tarif gibts bei Lebara: CHF 4.90, dabei sind aber nur 120 MB inbegriffen. OK hat ausserdem ein 1-GB-Paket für Vielsurfer für günstige 15 Franken im Angebot. Dazu kommen jeweils die normalen Kosten für Telefonate und SMS.

Bei all diesen Surf-Optionen wird der Betrag zu Beginn vom Prepaid-Guthaben abgezogen, dann hat man einen Monat Zeit, die Datenmenge zu nutzen, ein allfälliges Restguthaben verfällt. Benötigt man mehr als die gekaufte Datenmenge, wird es teuer: Lebara und CoopMobile belasten 10 Rappen pro zusätzliches MB, AldiMobile und OK sogar 10 Rappen pro zusätzliche 
20 KB, also 5 Franken pro MB. Bei Lebara erneuert sich die Option automatisch um einen Monat, wenn man sie nicht kündigt, bei AldiMobile und CoopMobile muss man sie jeden Monat neu aktivieren. Das klingt umständlicher, als es ist: eine SMS genügt.

Vorsicht bei langfristigen Verträgen

Die Vorteile dieser Prepaid-Angebote liegen auf der Hand: Man spart die Monatsgebühr und ist flexibel – wenn man eine Zeitlang nicht mit dem Handy ins Internet will, schliesst man für diese Periode einfach keine Surf-Option ab. Ist man mit dem Angebot nicht mehr zufrieden, wechselt man zum nächsten. Die Handynummer kann man normalerweise mitnehmen.

Für Wenigsurfer gibts noch günstigere Angebote, die pro Nutzungstag abgerechnet werden. Sunrise berechnet (mit dem Prepay-Tarif Go Dayflat) nur einen Franken pro Tag, Orange und CoopMobile zwei Franken, Swisscom vier Franken. Diese Angebote richten sich an Leute, die ihr Handy nur selten zum Surfen verwenden wollen. Es gibt allerdings einen Haken: Die Datengeschwindigkeit ist deutlich tiefer als bei den Monats-Optionen, weshalb sich die Tagespauschalen höchstens für Einsteiger eignen. Diese können so auf günstige Weise ausprobieren, ob sie das Surfen via Handy überhaupt brauchen.

Ein Prepaid-Angebot nutzen kann nur, wer sich nicht bereits vertraglich an einen Handynetzbetreiber gebunden hat. Viele Konsumenten kaufen ihr neues Smart­phone in einem Shop von Swisscom, Sunrise oder Orange. Zwar gibt es dort die neusten Handys schon für einen Franken, dafür muss man 12 oder 24 Monate lang ein Monatsabo bezahlen. Langfristig betrachtet ist das ein Fehler, denn die Anbieter schwatzen einem oft ein zu teures Flatrate-Abo auf, das neben dem Datendownload auch Telefonminuten und SMS enthält. «Bei solchen Kombiangeboten kostet oft schon die monatliche Grundgebühr, auf zwei Jahre gerechnet, mehr, als wenn man das Gerät ohne Abo im normalen Handel kaufen würde», sagt Oliver Zadori. Der ­Luzerner Informatiker hat Anfang dieses Jahres die Webseite Dschungelkompass.ch aufgeschaltet, die einfach und unabhängig berechnet, welches Tarifmodell für das ­eigene Nutzerprofil am günstigsten ist.

Auch wer in einem laufenden Vertrag steckt, sollte sich mit dem Thema befassen. Eine rechtzeitige Kündigung verhindert, dass der teure Vertrag einfach weiterläuft. So kann man immerhin in absehbarer Zeit von günstigeren Prepaid-Tarifen profitieren. Treue Kunden, die schon länger beim gleichen Anbieter sind, können oft schon während der laufenden Vertragsdauer sparen, indem sie zu einem günstigeren Preisplan des gleichen Anbieters wechseln. «Wenn dies alle Schweizer Handynutzer tun würden, könnten sie eine Milliarde Franken pro Jahr sparen», hat Comparis-Experte Ralf Beyeler ausgerechnet. Dass das zu kompliziert wäre, ist jedenfalls keine Ausrede: «Ein Anruf ans Callcenter genügt.» Die Anbieter seien zwar strenger geworden, beobachtet Beyeler, aber Hartnäckigkeit zahle sich für den Kunden aus.

Erst vergleichen, dann auswählen

1. Vergleichen
Auf www.comparis.ch kann man sehen, welche Tarife für welche standardisierten Nutzerprofile (Wenig-, Durchschnitts- oder Vielnutzer) in Frage kommen. Unter www.dschungelkompass.ch lässt sich ausrechnen, welcher Tarif für das persönliche Nutzerverhalten der günstigste ist. Eingeben muss man, wie viel man pro Monat telefoniert, wie viele SMS man verschickt und wie viele MB man zum Surfen benötigt.

2. Datenmenge
Wer wissen will, wie viele Daten er in der ­laufenden Abrechnungsperiode bereits ­heruntergeladen hat, kann dies abfragen:

  • Swisscom-Kunden schicken eine SMS 
mit dem Text STATUS an 444.
  • Sunrise-Kunden wählen *133# und die 
Anruftaste.
  • Orange-Kunden wählen sich auf der Webseite in den Menüpunkt «Mein Kontoverbrauch» ein.

3. Roaming
Vor einer Reise sollte man sein Smartphone so konfigurieren, dass im Ausland keine Daten übertragen werden. Dazu muss man das Datenroaming abschalten. Wer im Ausland sein Smartphone zum Surfen und Mailen nutzen will, sollte eine Roaming-Option bei seinem Anbieter abschliessen. Günstiger ist es, vor Ort eine Prepaid-SIM-Karte zu kaufen. Sie sind dann allerdings für diese Zeit nicht auf Ihrer Telefonnummer erreichbar. Zudem funktioniert dies nicht mit iPhones und anderen Handys mit einem SIM-Lock. Alternativ nutzen Sie kostenlose WLAN-Netze, zum Beispiel in Hotels oder Cafés.

Autor:
  • Martin Müller
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
16. Februar 2012, Beobachter 4/2012