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AIDS

Von Kondom bis Femidom

Text:
  • Walter Noser
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
20/06

Für viele hat Aids seinen Schrecken verloren. Unter Jugendlichen kursieren Falschinformationen, die tödlich sein können. Wie gut wissen Sie über Aids Bescheid? Testen Sie Ihre Kenntnisse.

Als Charles Clerc vor bald 20 Jahren in der «Tagesschau» ein Kondom auspackte und der Nation erklärte, wie, wann und weshalb ein solches anzuwenden ist, vermochte er noch zu provozieren. Pariser konnte man noch nicht im Supermarkt kaufen, und Begriffe wie Anal- oder Oralsex trieben so manchem die Schamröte ins Gesicht. Dank tabuloser Aufklärung und Informationskampagnen weiss heute jedes Kind, wie man sich mit HIV ansteckt und dass es «ohne Dings kein Bums» geben darf - sollte man zumindest meinen. Doch der Alltag von Aufklärungsfachleuten zeigt ein anderes Bild: «15 Prozent der Jugendlichen glauben, dass sie gegen Aids geimpft sind», sagt Thomas Steffen, Leiter der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention des Gesundheitsdepartements Basel.

Gefahr beim Ferienflirt


Sorge bereitet Reto Jeger von der Zürcher Aids-Hilfe die Tatsache, dass die Safer-Sex-Regeln oft missachtet werden, obwohl sie hinlänglich bekannt sind - beispielsweise beim Ferienflirt oder beim käuflichen Sex. Sozialarbeiterin Andrea Beck von «Isla Victoria», einer Zürcher Anlaufstelle für Prostituierte, bestätigt: «Es gibt viele Freier, die Sex ohne Gummi wollen und bereit sind, dafür mehr zu bezahlen.» Allein im Jahr 2005 wurden in der Schweiz 716 neue positive Testresultate gemeldet. Mehr als 28’600 positive HIV-Testresultate wurden hierzulande bislang insgesamt gemeldet - 5’621 Menschen sind an den Folgen von Aids gestorben. Seit 1990 domininiert der heterosexuelle Ansteckungsweg.

Aids hat für viele seinen Schrecken verloren: «Vielleicht weil man kaum noch Bilder von ausgemergelten Aidskranken sieht und die Krankheit keine unmittelbare Todesbedrohung mehr darstellt», vermutet Reto Jeger. Schnell einmal werden deshalb Präventionsregeln missachtet respektive verdrängt. Und wenns dann wirklich mal zur Sache kommt, muss man sich fragen: Wie war das noch einmal - etwa mit dem Femidom oder dem Lusttropfen? Testen Sie Ihren Wissensstand (auch mehrere Antworten können richtig sein).

1. Worauf ist bei Gleitmitteln zu achten?

  • a) Es dürfen nur wasserlösliche Gleitmittel verwendet werden, wie sie in Apotheken, Drogerien oder Supermärkten gekauft werden können.
  • b) Es sollten natürliche Produkte sein wie Vaseline, Butter und Öle.
  • c) Verwenden Sie Kondome aus Schafsdarm, denn die machen Gleitmittel überflüssig.

2. Was ist ein Femidom?
  • a) Das Femidom wurde speziell für den Analverkehr entwickelt.
  • b) Das Femidom ist ein 17 Zentimeter langes Vaginal-Säckchen, das wie das Kondom Infektionen mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten verhindert.
  • c) Femidom heisst ein HIV-abstossendes Gel für die Frau.

3. Wo bestehen – ausser beim ungeschützten Geschlechtsverkehr – nach wie vor -Risiken einer HIV-Infektion?
  • a) Neue Forschungen belegen, dass HIV auch durch Insektenstiche übertragen werden kann.
  • b) Eine Übertragung von der HIV-positiven Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen ist möglich.
  • c) Wer intravenös Drogen konsumiert, kann sich durch Spritzen- oder Nadeltausch anstecken.

4. Lässt sich eine Infektion rückgängig machen?
  • a) Nein.
  • b) Nach einer Risikosituation sollte innerhalb von 72 Stunden die HIV-Postexpositions-Prophylaxe durchgeführt werden, die das HI-Virus sicher vernichtet.
  • c) Ja, mit einer medikamentösen Kombinationstherapie.

5. Können beim Oralverkehr über den Lust-tropfen HI-Viren übertragen werden?
  • a) Nach heutigem Wissensstand stellt der Lusttropfen bei oralem Verkehr kein Risiko dar.
  • b) Der Lusttropfen weist eine hohe Anzahl Viren auf.
  • c) Männer, die beim Liebesspiel Lusttropfen produzieren, sollten diese Anomalie medikamentös behandeln.

6. Was kostet ein HIV-Test?
  • a) Tests sind ab 300 Franken erhältlich. Günstiger sind Home-Tests, die man übers Internet bestellen kann und die genauso gut sind wie ein Test im Labor, im Spital oder beim Arzt.
  • b) 30 bis 80 Franken.
  • c) Nichts. Die Krankenkasse übernimmt die Testkosten, sofern man seinen Namen angibt.

7. Wer ist besonders gefährdet, sich anzustecken?
  • a) Wer auf gesunde Ernährung achtet und Sport treibt, hat bei einmaligem ungeschütztem Geschlechtsverkehr nichts zu befürchten.
  • b) Auch wenn über 60 Prozent der infizier-ten Menschen südlich der Sahara leben, ist jeder gefährdet, der sich beim Sex nicht schützt.
  • c) Neuste Studien zeigen, dass sich Raucher und Raucherinnen dreimal häufiger infizieren, weil sie weniger Abwehrkräfte haben.


Adresse:

Aids-Hilfe Schweiz
Konradstrasse 20
8005 Zürich
Telefon 044 447 11 11
E-Mail: aids@aids.ch
Internet: www.aids.ch

© Beobachter Ausgabe 20 vom 27. Sep 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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