Akne
Pickeln zu Leibe rücken
Frauen über 30 erkranken oft an Spätakne. Moderne Therapien und Medikamente helfen – viel Geduld kann auch nicht schaden.

(Bild: Archiv)
Das ist ja zum Wahnsinnigwerden!» Entsetzt starrte Corinne Spörri in den Spiegel. Ihr Rücken, eine Kraterlandschaft: Pickel, Pusteln, Knoten. Als ob die unzähligen Mitesser auf Oberarmen, Hals und Décolleté nicht schlimm genug gewesen wären. Die Akne, die ihr seit dem 14. Lebensjahr die Treue hielt, war geradezu explodiert, als die damals 33-Jährige die Pille absetzte.
Anti-Pickel-Mittel, Solarium, Kosmetik, Pille – alles hatte sie probiert: «Aggressive Produkte, die mir mein Hausarzt verschrieb, machten es noch schlimmer», erinnert sich Corinne Spörri. Als Kosmetikerin litt sie besonders unter ihrem hartnäckigen Hautproblem. Mit Abdeckstiften und Creme-Make-ups versuchte sie, die Akne zu vertuschen. «Das klappte nur bis zu einem gewissen Grad.»
Das stärkste Medikament nützte
Nach 19 Jahren Akne war die Belastungsgrenze der Greifenseerin erreicht. Sie warf ihre Bedenken über Bord und begann eine Therapie mit Roacuttan, einem der stärksten Medikamente gegen Akne. Seit drei Jahren schluckt Corinne Spörri, 36, nun Tabletten. Befürchtete Nebenwirkungen stellten sich kaum ein. Regelmässig liess sie ihre Haut von speziell ausgebildeten Kosmetikerinnen reinigen und pflegen. Schon nach wenigen Monaten hatte sich ihre Akne deutlich reduziert.
Corinne Spörri leidet unter Spätakne, auch persistierende Akne oder Akne tarda genannt – jener Form, die sich bis ins Erwachsenenalter hinziehen kann. Bei manchen Patientinnen taucht sie sogar erst im Alter zwischen 25 und 40 Jahren auf. Die Akne ist längst keine typische Pubertätskrankheit mehr. Experten schätzen, dass sich von rund 600000 Aknepatientinnen und -patienten in der Schweiz 15 bis 20 Prozent als Erwachsene mit der belastenden Pickelflut quälen.
Unbedingt einen Facharzt aufsuchen
Akne entsteht, wenn Talgdrüsen zu viel Fett produzieren und die Ausgänge der Drüsen verstopfen. Verantwortlich für diese Talgproduktion sind zu viele männliche Hormone, die der Organismus hervorbringt, wenn der Körper hormonellen Veränderungen unterliegt. Das gilt für beide Geschlechter. Vorteil der Männer: Nach der Pubertät bleibt ihr Hormonhaushalt meist im Gleichgewicht. Nicht so jener der Frauen: Monatszyklus, Menopause – die Hormone spielen permanent verrückt.
Warum nimmt aber die Zahl der Spätaknepatientinnen seit zehn Jahren zu? «Frauen wechseln öfter die Pille. Zudem stehen sie stärker unter Stress. Das setzt Adrenalin frei, das die Wirkung der männlichen Hormone verstärkt», erklärt der Zürcher Dermatologe Harald Gerny.
Spätakne ist keine Bagatelle, der Gang zum Facharzt umso wichtiger. «Zu 95 Prozent bekommen wir Akne heute erscheinungsfrei hin», sagt Spezialist Gerny. Das gilt vor allem für Patientinnen, die nicht vor den rasch wirkenden, aber häufig mit starken psychischen und fruchtschädigenden Nebenwirkungen behafteten Substanzen wie Isotretinoin (Roacuttan) oder Hormonpräparaten zurückschrecken. Und bereit sind, sich einer zeit- und kostenintensiven Therapie zu unterziehen.
«Eine innere Behandlung sollte nie ohne eine äussere, medizinisch-kosmetische Behandlung stattfinden», sagt Günter Burg, Direktor der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich. Ausserdem sollten organische Ursachen, die den Hormonhaushalt stören könnten, ausgeschlossen werden.
Wem schon kleine Fortschritte helfen und wer nur für die Schönheit den Körper nicht so belasten will, dem bleiben Alternativen, zum Beispiel der Gang zu spezialisierten Kosmetikerinnen. Bei leichteren Fällen kann ein wöchentliches reinigendes Gesichtsdampfbad mit Ringelblumen, Stiefmütterchen, Kamille und Zinnkraut oder eine Lehmmaske Linderung bringen.
Generell gilt: Beratung tut Not, denn die Akne tarda wird anders therapiert als die Pubertätsakne, weil die Haut reifer ist, empfindlicher auf aggressive Wirkstoffe reagiert und mehr Feuchtigkeit benötigt. Ansonsten braucht es vor allem Geduld und Selbstdisziplin: Nicht jeder Spiegel, in den man blickt, muss schliesslich ein Vergrösserungsspiegel sein.
Adresse
Die Schweizerische Gesellschaft für medizinische Kosmetik kann geschulte Kosmetikerinnen empfehlen: Telefon 01 260 22 84
Links zum Artikel
© Beobachter Ausgabe 7 vom 01. Apr 2004 - Alle Rechte vorbehalten
