• Anzeige:

  • Anzeige:

Allergien: Spürsinn testen

Text:
  • Urs Zanoni
Ausgabe:
5/03

Den Auslöser einer Allergie zu finden erfordert detektivisches Gespür. Doch gezielte Tests erleichtern die Suche.

Sie müssen nicht so hartnäckig sein wie Hercule Poirot oder Miss Marple, um zu erfahren, worauf Sie allergisch reagieren. Doch detektivisches Gespür ist schon gefragt: Über 20000 Substanzen sind bekannt, die Beschwerden wie Heuschnupfen, Asthma, oder Neurodermitis auslösen können. Die Palette reicht von Leder bis Nickel, von Gräserpollen bis Formaldehyd. Etwa jeder sechste Erwachsene und jedes fünfte Kind ist betroffen.

Einst galt der Frühling als Hauptsaison für Allergien. Inzwischen sind allergische Reaktionen zur Ganzjahresbelastung geworden: Ständige Hektik und übermässige Körperpflege sind ebenso allergiefördernd wie die zunehmende Schadstoffbelastung. Doch erst wer weiss, auf welche Stoffe der Körper reagiert, kann die Auslöser meiden – die wichtigste Voraussetzung, um Allergien zu verhindern.

Am Anfang der Suche steht das Gespräch mit dem Hausarzt oder einem Allergologen: Welchen Einfluss könnten Lebensstil und Essgewohnheiten haben? Gibt es andere Allergiker in der Familie? Werden Medikamente genommen?

Drei mögliche Methoden

Aufgrund dieses Gesprächs ergibt sich meist eine «heisse Spur». Diese verfolgt der Arzt mit einer Reihe von Tests:

  • Hauttests bilden die erste Stufe. Meist kommt der so genannte Pricktest zum Einsatz: Verschiedene Allergenlösungen werden auf die Haut gegeben und mit einer Nadel durchstochen («geprickt»). Nach etwa 20 Minuten weiss man, ob man auf das jeweilige Allergen reagiert. Hauttests sind billig (etwa Fr. 2.50 pro Substanz) und haben den Vorteil, dass das Resultat sichtbar ist. Anderseits kann die Suche langwierig sein. Kleine Kinder können schnell die Motivation verlieren.

  • Bluttests (In-vitro-Tests) kommen zum Einsatz, wenn Hauttests nicht möglich sind oder keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Dabei wird der Testperson Blut entnommen und analysiert. Bluttests sind teurer als Hauttests (etwa 35 Franken pro Substanz), und die Aussagekraft ist oft geringer. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn Ärzte, Naturheiler oder Labors Bluttests empfehlen.

  • Provokationstests schliessen an Haut- und Bluttests an, die keine klare Aussage zulassen. Oder sie sollen klären, ob der Patient nach einer Behandlung die allergieauslösende Substanz wieder verträgt.

Dabei wird der Testperson das vermutete Allergen direkt verabreicht. Provokationstests sind teuer und aufwändig; sie dürfen nur unter ärztlicher Anleitung und Aufsicht durchgeführt werden.

Anders als bei Hercule Poirot und Miss Marple kann die Suche nach dem «Täter» erfolglos bleiben. Denn es gibt kein Testverfahren, das absolut verlässlich ist. Im Gegenteil, wie Arthur Helbling, Allergologe am Inselspital in Bern, erläutert: «Zeigt eine Person keine Reaktion auf herkömmliche Allergene wie Pollen, Milben oder Tierhaare, kann eine Allergie praktisch ausgeschlossen werden. Reagiert die Person hingegen, muss nicht immer eine Allergie vorliegen.» Deshalb ist es wichtig, die Tests bei einem erfahrenen Spezialisten durchzuführen – es braucht nicht Hercule Poirot oder Miss Marple zu sein.

Weitere Infos

Schweizerisches Zentrum für Allergie

Haut und Asthma

Postfach 378

3000 Bern

Infoline 031 359 90 50 (Montag bis Freitag, 9 bis 11 Uhr)

www.ahaswiss.ch

Buchtipp

Sarah Renold:

«Nein, aber fein!

Wenn Kinder von Allergie betroffen sind.»

Verlag Pro Juventute, 2001, Fr. 22.80

© Beobachter Ausgabe 5 vom 07. Mär 2003 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh