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Allergien: Wohnen kann Ihre Gesundheit gefährden

Text:
  • Urs Zanoni
Ausgabe:
11/02

Die schlechte Nachricht: Praktisch in jedem Wohnraum hat es Gegenstände oder Materialien, die Allergien begünstigen können. Die gute Nachricht: Die meisten davon lassen sich mit relativ kleinem Aufwand beseitigen.

Wenn im Sommer die Ozonwerte steigen, schlagen wir sofort Alarm. Wie aber steht es mit dem gesunden Klima in den Innenräumen, wo wir uns an 20 der 24 Stunden im Tag aufhalten?

Dieses ist, man mag es kaum glauben, gleich dutzendfach schlechter als die Luft im Freien. Denn Baustoffe, Möbel und Einrichtungsgegenstände geben über Jahre, oft sogar über Jahrzehnte Schadstoffe ab. Und Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze und Pollen belasten das Klima mit Reizstoffen. Die Folge sind Allergien, Asthma, Kopfschmerzen, Depressionen bis hin zu dauerhaften Schädigungen des Nervensystems.

Besonders förderlich wirkt das belastete Raumklima auf Allergien: «Heute leben in der Schweiz mehrere hundert tausend Personen, bei denen die Verursacher von Allergien nicht draussen, sondern in den eigenen vier Wänden stekken», meldet die Schweizerische Interessengemeinschaft für Baubiologie. Die Zahl der Allergiker und Allergikerinnen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – und das nicht allein, weil es immer bessere diagnostische Methoden gibt. Fachleute schätzen, dass jede siebte erwachsene Person und jedes sechste Kind betroffen sind.

Neben Wohngiften wie Formaldehyd sind es vor allem biologische Stoffe, die das menschliche Immunsystem übermässig stark beanspruchen, zum Beispiel Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze und Pollen. Es kommt in diesen Fällen zu einer Überreaktion auf solche Stoffe, weil das Immunsystem sie fälschlicherweise für schädlich hält. Die häufigsten Folgen zeigen sich in Nase und Augen (Schnupfen, Niesreiz, Jucken, Tränen, Schwellung, Entzündung), an der Haut (Juckreiz, Rötung, Ekzeme, Quaddeln, Schwellung, Neurodermitis) sowie bei der Atmung (Husten, Atemnot, Schwellung, Asthma).

Die wichtigsten biologischen Allergene sind, im Unterschied zu den Wohngiften, gut identifizierbar:

  • Tierhaare:
    Wollpullover und -decken, Ziegenhaarteppiche oder Rosshaarmatratzen können ebenso allergisch wirken wie die Haare von Haustieren. Säuglinge sollten deshalb nicht auf Lammfell gebettet werden. Daunenbettdecken und -kissen bieten sowohl Nahrung als auch Brutstätte für Hausstaubmilben.


  • Hausstaubmilben:
    Sie sind, da nur einen Fünftel Millimeter gross, von Auge kaum wahrnehmbar. Und doch sind sie (fast) überall: Hausstaubmilben leben hauptsächlich von menschlichen und tierischen Hautschuppen und Haaren, Pollen, Schimmelpilzen, Bakterien, pflanzlichen Fasern, Wolle und Federn. Das heisst: Hausstaubmilben sind völlig «natürliche» Mitbewohner und nicht die Folge von mangelhafter Hygiene. Sie entwickeln sich am besten in warmer und feuchter Umgebung.


  • Schimmelpilze:
    Es gibt mehr als 250000 verschiedene Arten, die wir als winzig kleine Sporen einatmen. Sie können direkt zu allergischen Reaktionen führen oder indirekt, indem sie den Hausstaubmilben als Nährstoff dienen. Schimmelpilze gedeihen besonders gut bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 75 Prozent und einer Temperatur von 20 bis 30 Grad.


  • Pollen:
    Sie verteilen sich hauptsächlich durch die Luft. Da sie sehr klein sind, können sie praktisch überall hin gelangen und sind von Auge kaum wahrnehmbar. Erst sie in grossen Mengen sind sie als weisser oder gelblicher Staub sichtbar, zum Beispiel auf Autos oder Möbeln.

Leicht einzusehen, dass die biologischen Allergene in jedem Wohnraum anzutreffen sind. Sarah Renold, Allergieberaterin in Suhr AG, hat für den Beobachter die wichtigsten Quellen identifiziert und Vorschläge zusammengestellt, wie sie zu neutralisieren sind: «Da eine umfassende Sanierung der Wohnung beträchtliche Kosten verursachen kann, ist es sinnvoll, Schritt für Schritt vorzugehen.»

Als wichtigste Massnahme gilt die Sanierung von Bett und Schlafzimmer:

  • Rund 90 Prozent der gesamten Belastung einer Wohnung durch Hausstaubmilben konzentrieren sich im Bett (vor allem in Matratze und Kopfkissen).


  • Hausstaubmilben entwickeln sich am besten bei 22 bis 25 Grad Zimmertemperatur und bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 55 Prozent – also ideal im Bett!


  • Eine Bettsanierung macht allerdings nur Sinn, wenn alle Betten des gleichen Zimmers saniert werden.


  • Decken und Kissen aus tierischem Material sollten aus dem Bett (und dem Schlafzimmer) entfernt werden. Auch Teppiche mit Tierhaaranteil, Tierfelle, Haustiere, Topfpflanzen oder alte Stoffmöbel gehören nicht in die Schlaf- und Kinderzimmer.

Die zweite vordringliche Massnahme ist das richtige Lüften der Wohnung: Das bundesdeutsche Gesundheitsamt hat 3000 Wohnungen untersucht, deren Bewohner auffallend häufig über Allergien, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, brennende Augen oder trockene Schleimhäute klagten. Das wichtigste Resultat: In 60 Prozent der Fälle war «unzureichendes Lüften» der Hauptgrund.

Meist besteht das Problem darin, dass die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Vier Personen, die in einer 90 Quadratmeter grossen Wohnung leben, «produzieren» durch Kochen, Duschen und Schwitzen rund zehn Liter Wasser pro Tag. Mit richtigem Lüften liesse sich die Feuchtigkeit auf 50 und weniger Prozent senken. Doch viele Leute scheuen sich, die Fenster regelmässig zu öffnen, da sie einen Energieverlust befürchten. Ausserdem werden die Gebäude durch bessere Fenster und Wärmedämmung immer luftdichter, wodurch die Feuchtigkeit im Innern steigt.

Was heisst nun richtig lüften?

  • In den warmen Jahreszeiten können Fenster dauernd in Kippstellung belassen werden. Im Winter hingegen würde so übermässig Heizwärme verloren gehen.


  • Es empfiehlt sich, während oder gleich nach Tätigkeiten, die die Luft übermässig belasten (Kochen, Duschen, Putzen, Malen, Rauchen), gründlich zu lüften. Machen Sie dazu drei bis fünf Minuten kräftig Durchzug, indem Sie das Fenster und die gegenüberliegende Tür ganz öffnen.


  • Um die Wohnung den Tag über richtig zu lüften, gilt Folgendes: zwei- bis dreimal pro Tag während drei bis fünf Minuten kräftig Durchzug machen. Oder zwei- bis dreimal pro Tag während zehn bis 15 Minuten das Fenster ganz öffnen und die Tür schliessen. In Neubauten mit stark dichtenden Fenstern kann es auch häufiger sein.


  • Beschlagene Fenster und Spiegel deuten auf zu hohe Luftfeuchtigkeit hin. Das heisst: öfter lüften. Die ideale Luftfeuchtigkeit beträgt höchstens 50 Prozent.

© Beobachter Ausgabe 11 vom 31. Mai 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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