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Editorial

Der Computer programmiert uns

Text:
  • Matthias Pflume
Ausgabe:
5/10

«Smartphones und Online-Netzwerke lenken unsere Beziehungen in neue Bahnen.»

Ob es uns passt oder nicht: Apple verändert unser Leben. Der kalifornische Computerhersteller, dem es wie keinem anderen gelingt, einen quasireligiösen Kult um seine Produkte zu erzeugen, will Ende dieses Monats die Welt mit einem neuen digita­len Gerät beglücken, dem iPad. Dem berührungsempfindlichen Flachcomputer wird zugetraut, den entscheidenden Anstoss zu geben, um das Lesen zu revolutionieren – indem Zeitungen, Zeitschriften und Bücher künftig statt auf Papier gedruckt vor allem per Internet aufs Lesegerät geladen werden.

Wozu die Firma imstande ist, hat sie bereits bewiesen. Mit dem Internet-Musikladen iTunes Store versetzte Apple der Musik-CD und der gesamten Ton­trägerbranche einen schweren Schlag. Und mit seinem iPhone hat der Computerbauer den Handyherstellern gezeigt, wo es nun langgeht: per Telefon ins Internet. Mit weitreichenden Folgen für unseren Alltag, wie zum Beispiel der Boom der sogenannten Apps – Miniprogramme fürs Handy – zeigt. Für solche Entwicklungen ist Apple zwar nicht allein verantwortlich, doch tritt die Firma immer wieder als Schrittmacher auf, der neuen Technologien zum Durchbruch verhilft.

Neue Art des Denkens

«iPhone, also bin ich» – die Schlagzeile auf unserer Titelseite ist deshalb mehr als ein Kalauer. «Ich denke, also bin ich», lautete der berühmte Satz des französischen Philosophen René Descartes, der im 17. Jahrhundert den modernen Rationalismus begrün­dete und so dem Denken eine neue Richtung gab.

Im 21. Jahrhundert sind es dagegen sogenannte Smartphones wie das iPhone, Online-Netzwerke wie Facebook, Suchdienste wie Google, Internet-Lexika wie Wikipedia und vermutlich bald auch multimediale Lesegeräte, die unsere Gewohnheiten und unsere sozialen Beziehungen in neue Bahnen lenken. Um diese Veränderungen im Alltag, in der Mediennutzung, vor allem aber auch in unserem Denken geht es in der Titel­story von Balz Ruchti, Peter Johannes Meier und Helmut Stalder (siehe Artikel zum Thema).

Ausserdem würdigen wir in diesem Heft eine weitere, wenn auch viel kleinere Revolution: Vor zehn Jahren nahm die telefonische Hotline des Beobachters ihren Betrieb auf und löste die bis dahin übliche Beratung auf dem Postweg ab. Ratsuchende erhalten seither Antworten bereits nach Minuten. Für die Beraterinnen und Berater ist damit die Arbeit sehr anspruchsvoll geworden: Werden sie etwa plötzlich am Telefon mit einer menschlichen Tra­gödie konfrontiert, bleibt schliesslich keine Zeit, sich in
aller Ruhe die an­gemessene Antwort zurechtzulegen.

Wie das Beratungs­team solche und andere Herausforderungen meistert, beschreibt Markus Föhn (siehe Artikel zum Thema)

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