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Editorial

Familienpolitik ist Wohnbaupolitik

Text:
  • Andres Büchi
Ausgabe:
24/09

Die Stiftung SOS Beobachter ist, 27 Jahre nach ihrer Gründung, nötiger denn je.

Man kann die Krise dafür verantwortlich machen, man kann auf die steigenden Gesundheitskosten schimpfen, man kann die wachsenden Ansprüche kritisieren. Tatsache ist: Wer eine Familie hat und einen normal bezahlten Job, für den wirds Ende Monat zunehmend enger. Ein Zahnarztbesuch, ein Ersatz des defekten Kühlschranks, und schon ist das Budget aus dem Lot.

Noch nie seit der Gründung der Stiftung SOS Beobachter vor 27 Jahren haben uns so viele Hilferufe erreicht wie in diesem Jahr. Ende 2009 werden es über 3600 Gesuche sein, die detailliert geprüft werden mussten. In über 2000 Fällen einer unverschuldeten Notlage konnte SOS Beobachter dank Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, helfen. Mehr als drei Millionen Franken spenden Sie pro Jahr. Jeder einzelne Franken davon kommt direkt Menschen in Not zugute.

Wie schnell auch Familien in Schräglage geraten können, die durchaus umsichtig mit ihren Mitteln umgehen, belegt unsere Titelstory ab Seite 20. Dabei zeigt sich eine beunruhigende Tendenz, der die Politik in der Schweiz bis heute ratlos gegenübersteht: Neben stets steigenden Gesundheitskosten werden insbesondere die Wohnkosten immer mehr zum Problem für Familien. Teils geht bereits die Hälfte des Monatsbudgets für die Miete drauf.

Günstiger Wohnraum wird seit Jahren überall im Land luxussaniert und teurer vermietet. Selbst Genossenschaften brechen ältere Liegenschaften reihenweise ab und bauen stattdessen grössere, aber eben teurere Wohnungen.

Ein ungebremster Zuwanderungsdruck und die höchste Geburtenrate in der Schweiz seit 36 Jahren sorgen dafür, dass sich die Situation weiter verschärfen wird. Die sogenannte Gentrification, die Aufwertung einer Gegend, drängt Durchschnittsverdiener zunehmend an den Rand, wo die Wohnungen zwar vielleicht noch günstiger sind, dafür aber höhere Kosten für den Weg zur Arbeit anfallen.

Der Trend ist sozialpolitisch gefährlich. Auch wenn die Wirtschaft sich stabilisiert, muss unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren mit deutlich steigenden Sozialkosten fertig werden, weil die Zahl der AHV-Rentner und Pflegebedürftigen steigt. Der oft gehörte Ruf nach stärkeren steuerlichen Entlastungen für Familien und der Ausrichtung von Ergänzungsleistungen kann das Problem nicht grundsätzlich entschärfen.

Dringend nötig ist deshalb eine politische Debatte über zwei zentrale Fragen: Wie können Staat und Gemeinden günstigen Wohnraum insbesondere für Familien und Pensionierte wirksam fördern? Und wie bremsen wir den Zuwanderungsdruck und dessen Folgen für den Immobilienmarkt auf ein verträgliches Mass?

Diese Fragen gehören dick markiert in die Agenda jeder politischen Partei.

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© Beobachter Ausgabe 24 vom 26. Nov 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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