Editorial
Gefühlte und reale Not
Vier Franken für eine Tasse Kaffee? «Schlicht eine Frechheit», echauffierte sich eine Leserin. Wenn Alltagsgüter teurer werden, haben wir schnell Angst, uns immer weniger leisten zu können. Aber stimmt das?

Artikel zum Thema
Dominique Hinden und Martin Müller erklären in unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Teuerung: Nur keine Panik!»), wie man die «gefühlte Inflation» berechnet und welche Rolle die Fussball-Nati dabei spielt. Sie zeigen, dass die Mehrheit kaum leidet, wenn Lebensmittel etwas teurer werden. Etwa Kaffee: Die Kapseln von Nespresso und Konsorten boomen. Dass sie einiges teurer kommen als herkömmlicher Kaffee, interessiert oft nicht die Bohne. So arm scheinen wir halt doch nicht zu sein.
Beim Thema Börsenkrise kann ebenfalls etwas Gelassenheit nicht schaden. Mögen abstürzende Aktienkurse auch Sorgen wecken - Panik ist ein schlechter Ratgeber. Beobachter-Experte Marcel Weigele beantwortet Fragen, die sich Laien nach dem Crash stellen (siehe Artikel zum Thema «Börsencrash: Was heisst denn das für uns?»).
Was es hingegen bedeutet, wenn Angst nicht dem Wohlstand, sondern dem nackten Leben gilt, hat Andrea Haefely in Kenia erfahren (siehe Artikel zum Thema «Humanitäre Hilfe: Gefangen zwischen den Fronten»). Sie besuchte ein Spital unter Schweizer Leitung, sah Menschen auf der Flucht und einen mordenden Mob. Man fragt sich: Worüber eigentlich regen wir uns hierzulande auf?
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© Beobachter Ausgabe 3 vom 06. Feb 2008 - Alle Rechte vorbehalten

