Editorial
Politische Demenz
«Es genügt nicht mehr, in einer Panikreaktion ein Altersheim zu bauen, das dann niemand bewohnen will.»

Artikel zum Thema
Schweizer Politik kann ganz schön speditiv sein: Eifrig wird die Sozialgesetzgebung verschärft. Und in der Fiskalpolitik veranstalten Kantone und Gemeinden einen eigentlichen Wettlauf mit Steuersenkungsprogrammen für Grossverdiener.
Gemächlicher gehen die Gemeinden zum Beispiel die Betreuung der Betagten an. Dabei handelt es sich hier um den wohl ursprünglichsten Zweck einer Gemeinschaft: Die Gemeinden stehen in der Versorgungspflicht für betagte Bürgerinnen und Bürger - und nehmen diese meist mittels Altersheimen wahr.
Nur wenige Probleme unserer Gesellschaft wachsen derart organisch, kommen mit so langer Vorwarnzeit. Umso erstaunlicher ist, dass die Gemeinden hier in Verzug sind: Es genügt nicht mehr, in einer Panikreaktion ein Altersheim zu bauen, das dann niemand bewohnen will. Wir liefern den Gemeinden gern Beispiele, wie sie ihre Aufgaben kreativer lösen können (siehe Artikel zum Thema «Wohnen im Alter: Die Babyboomer müssen schauen, wo sie bleiben»).
Wenigstens eine positive Seite hat die Passivität der Gemeinden: Die betroffene ältere Generation ergreift oft selber die Initiative. Daraus entstehen bedürfnisgerechte Projekte. Doch ohne öffentliche Gelder lassen sich diese meist nicht realisieren. Mindestens daran sollten die Gemeinden denken - vor der nächsten Steuersenkung.
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© Beobachter Ausgabe 25 vom 05. Dez 2007 - Alle Rechte vorbehalten

