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Firmengründung

Alles auf eine Karte

Text:
  • Hansjürg Reber
Bild:
  • Simone Broder
Ausgabe:
13/06

Eine gute Geschäftsidee, aber kein Kapital? «Da zapf ich doch einfach meine Pensionskasse an», denkt sich mancher. Aber Achtung: Die Risiken dabei sind nicht zu unterschätzen.

Neuanfang mit 58: Hansruedi Galliker aus Schafisheim AG will seine langjährige Erfahrung in den Bereichen Marketing, Verkauf und Produkte-Management künftig im Alleingang zum Tragen bringen. «Ich baue eine Beratungsfirma für kleinere und mittlere Unternehmen auf», sagt er. Zur Finanzierung seines Vorhabens steht für den Firmengründer ein weit verbreitetes Rezept im Vordergrund: Er plant, einen Teil seines Guthabens bei der Pensionskasse (PK) zu beziehen. «Ist das kompliziert?», will er vom Beratungszentrum des Beobachters wissen. Und: «Gibt es Fallstricke?»

Bei einem Konkurs ist das Geld weg



Ein PK-Vorbezug ist im Grunde eine simple Angelegenheit. Damit Hansruedi Galliker Zugriff auf sein Guthaben hat, muss er seiner Pensionskasse die Anerkennung der Selbstständigkeit durch die AHV-Ausgleichskasse vorlegen. Firmengründer tun gut daran, sich frühzeitig um diesen Nachweis zu bemühen - denn dieser wird allenfalls nicht erteilt, solange es an Aufträgen fehlt oder wenn die Geschäftsräume noch nicht existieren.

Die Anerkennung der Selbstständigkeit ist finanztechnisch der erste und entscheidende Schritt zur eigenen Firma - ohne sie verweigert die Pensionskasse die Auszahlung des Guthabens, und eine anderweitige Finanzierung wird erforderlich. Geld aus der zweiten Säule können übrigens - wie im Fall von Hansruedi Galliker - nur Inhaber einer Einzelfirma sowie Kollektiv- und Kommanditgesellschafter bar beziehen. Bei der Gründung einer AG oder einer GmbH müsste die Pensionskasse des bisherigen Arbeitgebers das Guthaben in eine Vorsorgeeinrichtung überweisen.

Ein Vorbezug des Pensionskassenkapitals hat neben der raschen Verfügbarkeit der finanziellen Mittel auch gewichtige Nachteile (siehe Nebenartikel «PK-Vorbezug: Für und Wider»). Entwickelt sich nämlich eine Geschäftsidee nicht als Renner und muss allenfalls sogar Konkurs angemeldet werden, ist das eingeschossene Geld in aller Regel verloren. Denn das vorbezogene Kapital ist pfändbar; auch Verlustscheine aus allfälligen früheren Konkursen können wieder geltend gemacht werden. Notar Stefan Rohner vom Grundbuch- und Konkursamt Niederglatt ZH: «Es ist teils verantwortungslos, mit welch schmaler Finanzdecke Menschen ihr eigenes Unternehmen gründen.» Vorbezogene PK-Guthaben reduzieren zudem die Vorsorge für Alter, Tod und Invalidität. Da Firmengründer zu Beginn die ganze Energie auf die Unternehmensführung legen müssen, vernachlässigen sie oft die Vorsorgefrage.

Wer aufgrund solcher Überlegungen zum Schluss kommt, dass die Nachteile eines PK-Vorbezugs überwiegen, hat die Möglichkeiten der Eigen- und der Fremdfinanzierung. Zur Eigenfinanzierung gehören neben dem PK-Vorbezug Sparguthaben - dazu zählen auch Gelder der Säule 3a -, Wertschriften, Versicherungspolicen oder Sacheinlagen. Bei einer Fremdfinanzierung mit einem Bankkredit oder einem privaten Darlehen lohnt es sich, einen Berater für die Unternehmensgründung beizuziehen; neben der Finanzierungsfrage kann dieser auch Fragen zu Steuern, Buchhaltung, Vorsorge sowie Erb- und Arbeitsrecht beantworten. Mitglieder der Schweizerischen Treuhandkammer sind die geeigneten Partner (siehe «Links zum Artikel»).

Vorsicht zahlt sich aus



Hansruedi Galliker ist überzeugt, mit einem Teilbezug aus der Pensionskasse auf dem richtigen Weg zu sein. Die Anerkennung der AHV-Ausgleichskasse als Selbstständigerwerbender hat er bereits erhalten; die Finanzierung seines Geschäfts ist damit gesichert. Er hat die Pensionskasse zudem angewiesen, sein gespartes Kapital in den obligatorischen und den überobligatorischen Teil zu splitten. Galliker zu diesem vorsorgetechnischen Vorteil: «Ich kann mit dem nicht benötigten Kapital meine Alters-, Invaliden- und Hinterlassenenvorsorge trotz PK-Vorbezug gewährleisten.» Eine elegante und weitsichtige Lösung.


Buchtipp



Norbert Winistörfer: «Ich mache mich selbständig. Von der Geschäftsidee zur erfolgreichen Firmengründung»; auch erhältlich mit CD-ROM, Beobachter-Buchverlag, 464 Seiten, 10., aktualisierte Auflage, 2005, 48 Franken

© Beobachter Ausgabe 13 vom 21. Jun 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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