Fitness: Die faulsten Ausreden der Sportmuffel
Leute, die sich vor regelmässiger Bewegung drücken, sind oft umso wendiger beim Erfinden von billigen Ausreden. Doch mit Scheinargumenten ist jetzt Schluss: Hier die Antworten auf die zwölf gängigsten Einwände gegen den Sport.
Wir sind heute zwar mobiler denn je, doch bewegen wollen sich viele Zeitgenossen nicht. Rund ein Drittel der Menschen in der Schweiz gilt als inaktiv, ein weiteres Drittel bewegt sich kaum – und nur ein Drittel ist ausreichend aktiv. Wobei «ausreichend» heisst: mindestens eine halbe Stunde Bewegung pro Tag, mit einer Intensität, die zügigem Gehen entspricht.
Bewegungsmangel ist ebenso schädlich für die Gesundheit wie Rauchen oder Fettleibigkeit. Umso nötiger sind also fundierte Argumente wider die gängigsten Ausreden der Bewegungsmuffel.
- «Sport ist etwas für ‹Schlafmützen›. Ich bin auch ohne Sport topfit.»
Noch! Der Körper nimmt späte Rache für Jugendsünden. Bewegungsmangel führt auf lange Sicht zu ernsthaften Krankheiten, die sich nur langsam entwickeln und entsprechend lang nicht bemerkt werden. Wer Sport treibt, verringert das Risiko, vorzeitig an Krebs oder Herzinfarkt zu sterben. Von regelmässiger Bewegung profitiert auch der Bewegungsapparat: Trainierte Menschen bleiben länger mobil und selbstständig. - «Ich habe keine Zeit für sportliche Aktivitäten. Man kann nicht gleichzeitig im Beruf und auf der Finnenbahn vorwärts kommen.»
Zeit ist heutzutage ein knappes Gut, und soziale Beziehungen sind ebenfalls wichtig für das Wohlbefinden und die Gesundheit. Aber man muss ja nicht gleich für den New-York-Marathon trainieren. Bewegung lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Wer mit dem Velo zur Arbeit fährt oder zügig marschiert, tut schon einiges für seine Gesundheit. Und in der Freizeit kann man mit der Familie oder Freunden Spaziergänge und Ausflüge unternehmen, statt sich vor den Fernsehapparat oder ins Restaurant zu setzen. - «Sport ist was für Leute, die sich bei der Arbeit ausruhen und abends zu viel Energie haben.»
Heute muss man sich an den wenigsten Arbeitsplätzen körperlich verausgaben. Natürlich sind auch sitzende Tätigkeiten ermüdend. Aber eher weil man körperlich zu wenig tut. Wer sich in der Freizeit regelmässig bewegt oder Sport treibt, fühlt sich danach erfrischt – und ist auch am Arbeitsplatz leistungsfähiger. - «Ich werde es im Sport sowieso nie zu etwas bringen. Warum sollte ich mich also quälen und mich auf dem Sportplatz oder im Verein lächerlich machen?»
Natürlich wird sich ein Plausch-Volleyballer nie in einer ehrgeizigen, wettkampforientierten Mannschaft wohl fühlen. Aber man steht ja auch nicht in der Küche, um Spitzenkoch zu werden, sondern weil man was zu essen braucht. Beim Sport geht es nicht um Leistungsziele, sondern darum, die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Deshalb sollte man sich nicht mit andern vergleichen, sondern den eigenen Gesundheitszustand als Ausgangspunkt nehmen. Sie werden schon bei erstaunlich geringem Aufwand und nach kurzer Zeit beträchtliche Fortschritte feststellen. - «Sport ist etwas für Dummköpfe. Sinnlos in der Gegend herumrennen ist für mich zu langweilig.»
Vor und nach dem Training findet sich immer Zeit und Gelegenheit für ein anregendes Gespräch mit Gleichgesinnten. Stadtrundgänge und Lehrpfade bieten – nebst Bewegung – auch viel Wissenswertes. Und Ausdauersportarten stärken die geistige Leistungsfähigkeit und können bestens zur Meditation genutzt werden. - «Ich kann meinen alten Knochen keine Bewegung mehr zumuten.»
Dass selbst aktive Senioren in bester Form keine Chance gegen 20-Jährige haben, versteht sich von selbst. Es ist aber wissenschaftlich belegt, dass ältere Menschen durch regelmässige körperliche Aktivitäten ihre Leistungsfähigkeit, Beweglichkeit und Unabhängigkeit erhalten oder verbessern können. Und vor allem: Es ist nie zu spät, damit zu beginnen. - «Sport ist Mord: Was nützt mir ein gesunder Kreislauf, wenn ich mir durch Sportunfälle die Knochen und Gelenke ruiniere?»
Natürlich sind Sportverletzungen relativ häufig. Aber diese Verletzungen sind in aller Regel weniger folgenschwer als zum Beispiel Verkehrsunfälle. Die Heilungskosten betragen gut 200 Millionen Franken im Jahr – das ist etwa ein halbes Prozent der jährlichen Gesamtaufwendungen im Schweizer Gesundheitswesen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich sorgfältig vorbereiten und risikoarme Sportarten wie Jogging oder Walking wählen. Die meisten Unfälle ereignen sich durch Übermut und Übereifer – etwa an Grümpel- oder Plauschturnieren. - «Körperliche Aktivität ist unsolidarisch. Gesunde Menschen leben länger und belasten deshalb das Gesundheitswesen.»
Aktive Menschen leben tatsächlich länger. Aber Sie sind auch länger unabhängig und weniger pflegebedürftig als inaktive. Eine Detailanalyse der Schweizer Gesundheitsbefragung zeigt, dass inaktive Menschen in allen Altersschichten mehr zum Arzt gehen, längere Spitalaufenthalte und mehr Arbeitsausfälle aufweisen als aktive. - «Zum nächsten Fitnesscenter oder Sportplatz ist es mir viel zu weit. Da schone ich meine Kräfte lieber.»
Für Bewegung und Sport braucht man keine Infrastruktur. Bewegungsmöglichkeiten gibt es überall – zum Beispiel auf dem Arbeitsweg, beim Einkaufen, im Park, am See, im Wald oder auf dem Vita-Parcours. Wer trotzdem den Sportplatz bevorzugt, fährt am besten mit dem Velo dorthin oder joggt die Strecke. Dann ist man bereits aufgewärmt und hat das halbe Programm schon absolviert. - «Mir stinkt dieser ganze Gesundheitsterror: nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, weniger Fett essen. Wo bleibt da die Lebenslust?»
Bedenken Sie: Mit regelmässiger Bewegung können Sie einen Dominoeffekt auslösen. Untersuchungen zeigen eindeutig: Wer körperlich aktiv ist, hat weniger Übergewicht und ernährt sich bewusster. Zudem hellt Bewegung die Stimmung auf und wirkt antidepressiv. Da kommt die Lebenslust keinesfalls zu kurz. - «Ich habe Rückenschmerzen, und bei der kleinsten Bewegung wird mir schwindlig. Ich bin einfach zu ungesund für Sport.»
Das gibt es praktisch nicht. Mit gezieltem Krafttraining kann man in vielen Fällen Rückenschmerzen dauerhaft loswerden. Und bei regelmässiger Bewegung verschwindet ziemlich sicher auch das Schwindelgefühl. Lassen Sie sich aber gründlich untersuchen, bevor Sie mit dem Training beginnen. Und steigern Sie die Intensität und die Dauer der Aktivitäten nur langsam. So kann sich der Körper den Belastungen anpassen, und Sie fühlen sich nicht erschöpft. - «Ich habe zu wenig Geld für teure Sportklamotten – und die Abonnementsgebühren für das Fitnesscenter sind mir zu hoch.»
Kein Problem, regelmässige Bewegung kostet nichts. Wenn Sie zur Arbeit laufen oder mit dem Velo fahren, sparen Sie sogar Benzin oder Fahrgeld. Auf der Finnenbahn können Sie zur Not sogar barfuss joggen. Abonnementskosten für das Fitnesscenter gehen natürlich ins Geld. Aber viele Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten, wenn das Fitnesscenter bestimmte Qualitätskriterien erfüllt.
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© Beobachter Ausgabe 9 vom 27. Apr 2001 - Alle Rechte vorbehalten











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