Franchise
Höher oder noch höher?
Vom nächsten Jahr an sind Franchisen von bis zu 2500 Franken möglich. Welche Höhe ist für Sie die richtige? Können Sie allenfalls Prämien sparen?

Nebenartikel
Artikel zum Thema
Faites vos jeux!», heisst es beim Roulette. Gleiches lässt sich mit Blick auf die Krankenkassenprämien 2005 sagen: Neu können die Versicherten den Mindesteinsatz von 300 Franken auf 500, 1000, 1500, 2000 oder 2500 Franken erhöhen. Wer aufs Maximum setzt, spart bestenfalls 1760 Prämienfranken – und hofft, dass ihm die eigene Gesundheit keinen Strich durch die Rechnung macht.
Gesundheitsminister Pascal Couchepin reibt sich einmal mehr die Hände. Dank den neuen Wahlfranchisen steigen die Prämien nächstes Jahr im Schnitt «nur» 3,7 Prozent. Schon dieses Jahr lag die Rate mit 4,3 Prozent weit unter jenen 9,7 Prozent, die Couchepins Vorgängerin Ruth Dreifuss zum Schluss ihrer Amtszeit bekannt geben musste.
Doch die tieferen Prämienaufschläge sind nicht die Folge tieferer Kosten in der Grundversicherung. Im Gegenteil: Diese wuchsen 2003 sogar stärker als in Dreifuss’ letztem Amtsjahr. Couchepin bedient sich lieber direkt im Portemonnaie der Versicherten, statt das Kostenwachstum gänzlich über die Prämien abzudecken oder wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen. So liess er letztes Jahr die Erhöhung der Grundfranchise für Erwachsene von 230 auf 300 Franken zu und legte den maximalen jährlichen Selbstbehalt auf 700 statt 600 Franken fest. Schliesslich begrenzte er gleich noch die Höchstrabatte für die Wahlfranchisen.
Immer mehr aus der eigenen Tasche
Als Folge solcher «Umlageverfahren» wächst die direkte Kostenbeteiligung der Versicherten noch stärker als der monatliche Versicherungsbeitrag: Erhöhten sich die Prämien seit Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes um die Hälfte, sind es bei den Direktzahlungen knapp 60 Prozent. Im laufenden Jahr wird jede versicherte Person im Schnitt knapp 400 Franken aus der eigenen Tasche an die Kosten der Grundversicherung beisteuern; das ist fast ein Sechstel.
In diesem Stil dürfte es weitergehen: In der jüngsten Herbstsession segnete der Ständerat Couchepins Vorschlag ab, den Selbstbehalt der Patienten von 10 auf 20 Prozent zu heben (die Maximalbelastung soll bei 700 Franken im Jahr bleiben). Der Gesundheitsminister wertet dies als «soziale» Massnahme, um die Eigenverantwortung der Versicherten zu stärken. Der Anstieg der Prämien könne so um rund 2,5 Prozentpunkte gedämpft werden.
Umso genauer sollten die Versicherten prüfen, welche Franchise sie wählen. Zumal im Jahr 2005 fast alles neu ist; einzig die Grundfranchisen – 300 Franken für Erwachsene, keine für Kinder – sowie die Wahlfranchise von 1500 Franken bleiben gleich (siehe Nebenartikel zum Thema «Wahlfranchisen: Ein prüfender Blick lohnt sich»). Hinzu kommen zwei Bestimmungen, die darauf abzielen, dass Personen mit erhöhter Franchise in jedem Fall einen Solidaritätsbeitrag leisten:
- Der Prämienrabatt darf höchstens 80 Prozent des zusätzlich übernommenen Risikos betragen. Das heisst: Wer die Franchise von 300 Franken aufs Maximum von 2500 Franken erhöht, spart nicht mehr als 1760 Franken.
- Die reduzierte Prämie darf nicht tiefer sein als die Hälfte der Grundprämie (mit Unfalldeckung) beim gleichen Versicherer.
Da fällt es selbst Fachleuten nicht leicht, den Durchblick zu schaffen. «Generelle Empfehlungen wie ‹Wählen Sie grundsätzlich die höchste Franchisestufe› sind nicht möglich», sagt Richard Eisler, Geschäftsführer des Internet-Vergleichsdienstes Comparis. Klar sei einzig, dass man nicht nur auf den Rabatt schauen sollte. Eisler belegt dies mit folgendem Beispiel: Die Intras verlangt im Kanton Appenzell Innerrhoden bei maximaler Franchise von 2500 Franken eine Monatsprämie von 90 Franken (ohne Unfalldeckung). Wer die 1500er-Franchise wählt, zahlt lediglich einen Franken mehr im Monat. Das heisst: Für die letzten 1000 Franken Eigenverantwortung wird man nur mit 12 Franken belohnt.
Aus diesem Grund plädiert Richard Eisler dafür, «den Rabatt immer im Verhältnis zum finanziellen Risiko zu sehen, das man zusätzlich übernimmt. Dabei fällt auf, dass die 500er-Franchise für Erwachsene praktisch nie eine wirklich gute Wahl darstellt.»
Weitere Infos
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© Beobachter Ausgabe 21 vom 14. Okt 2004 - Alle Rechte vorbehalten











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