Fusspflege
Damit alles rund läuft
Bei der Pflege stehen viele mit ihrem wichtigsten Transportmittel auf Kriegsfuss: Rund 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben Fussbeschwerden. Dabei können Kleinigkeiten Wunder bewirken.

(Bild: Archiv)
Nebenartikel
Artikel zum Thema
Kennen Sie das? Frisch geduscht, Haare gewaschen, Zähne geputzt und Klamotten okay: Man fühlt sich gepflegt bis hinters Ohr. Nur die Fussnägel hat man vergessen. Macht nichts – rein in den Schuh, Zähne zusammenbeissen. Jetzt geht es noch. Doch spätestens am Abend wird man schmerzlich gelernt haben: Ohne gesunde Füsse läuft nichts so richtig.
«Wenn die Füsse wehtun, fühlt man sich insgesamt schlecht», sagt Daniel Gehrer, Leiter der Fachschule für Fusspflege, Pédicure und Fussreflexzonenmassage, Pédi-Suisse, in Wädenswil. Wer seinen Füssen durch stundenlanges Gehen und Stehen auf harten Böden und durch das Tragen zu kleiner Schuhe zu viel zumutet, wird oft nicht nur mit Fussbeschwerden, sondern auch mit Rücken-, Gelenk- und Kopfschmerzen, Wadenkrämpfen und Durchblutungsstörungen gestraft.
270 Millionen Schritte im Leben
Rund 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer kämpfen mit Fussbeschwerden, jeder Zweite leidet hierzulande an Rückenschmerzen. Alarmierende Zahlen, bedenkt man, wie wichtig die Füsse sind: Immerhin läuft jeder im Leben viermal um die Erde. Das sind 160000 Kilometer, etwa 270 Millionen Schritte. Selbst der bequemste Büromensch setzt pro Tag etwa 10000 Mal einen Fuss vor den andern. Gedankt wird es den Füssen wenig.
Warum kümmern sich so viele so schlecht um ihre wichtigsten Transportmittel? «Die Füsse sind zu weit vom Kopf entfernt», lacht Fusspflegefachmann Gehrer und fügt hinzu: «Wenn es um Vorbeugung geht, denkt man an sie zuletzt. Erst wenn Schmerzen auftreten, geht man zur Fusspflege.» Oder zur Podologie. Bei der Fusspflege geht es vorwiegend um Kosmetisches und Wellness, bei der Podologie vor allem um medizinische Fussbehandlungen.
Jahrelang litt die 62-jährige Anna Wahnes unter einem verkrümmten kleinen Zeh und Schmerzen im linken Ballen. Die Schuhliebhaberin musste auf viele ihrer Favoriten verzichten. Vor kurzem ging sie erstmals zu einer Fusspflegerin. «Das Ergebnis ist unglaublich. Ich schwebe auf Wolke sieben», sagt Wahnes. Ein Fussbad, eine Nagelbehandlung und eine Fussreflexzonenmassage haben ein «kleines Wunder» vollbracht. «Ich kann Schuhe anziehen, die ich ewig nicht getragen habe», jubelt Wahnes und ärgert sich, «dass ich das nicht früher getan habe».
Druckstellen, Hühneraugen oder ein Hallux (Zehenfehlstellung) – da müssen Fachleute ran. Den Füssen etwas Gutes zu tun ist aber auch zu Hause möglich:
- Fussnägel nicht zu kurz und nicht in den Ecken rund schneiden. Nach dem Schneiden die Ecken mit einer Feile abrunden.
- Hornhaut einmal pro Woche mit einem Bimsstein wegrubbeln. Aber nicht zu oft oder zu fest, sonst beschleunigt man die Hornhautbildung. Leichte Hornhaut lässt sich mit einer Peelingsalbe entfernen. Täglich eine nährende Fusscreme benutzen.
- Hygiene ist das oberste Gebot, um Schweiss und Fusspilz vorzubeugen. Immer ein separates Fusshandtuch benutzen. An heissen Tagen öfter die Schuhe wechseln und verschwitzte Schuhe reinigen. Füsse immer gut abtrocknen.
- Fussbäder beleben, fördern die Durchblutung und desodorieren. Bei Schweissfüssen hilft ein wöchentliches Fussbad aus Salzkristallen, Lavendelöl und Salbei. In warmem Wasser auflösen, Füsse darin fünf Minuten baden.
- Fussgymnastik hält fit und beweglich. Die Füsse kreisen und die Zehen spreizen oder «Klavier spielen» lassen. Igelbälle oder Massageroller tun gut. Das Treten in einer Wanne mit Maiskörnern und das Ergreifen kleiner Gegenstände wie Korken mit den Zehen stärken die Muskulatur.
Doch alle Pflege nützt wenig, wenn es am richtigen Schuhwerk fehlt – eine der Hauptursachen für Beschwerden, warnen Orthopäden unisono. Wenn der Schuh drückt, weil er zu eng, spitz oder klein ist, sind Schwielen und Hühneraugen die Folge. Nägel wachsen ein, wenn sie zu lang sind oder der Schuh zu wenig Halt bietet. Hohe Absätze sind zwar chic, doch wenn sich das Gewicht zunehmend auf den Ballen verlagert, senkt sich das Quergewölbe im Vorfuss. Aus dem Senkfuss wird ein Spreizfuss, denn Zehen und Mittelfussknochen werden auseinander gedrückt. Ein solcher Senk-Spreiz-Fuss ist oft der Anfang von Schmerzen auf Schritt und Tritt. Und wo es schmerzt, nimmt man ungesunde Schonhaltungen ein.
Muss man also auf modisches Schuhwerk verzichten und mit Gesundheitssandalen vorlieb nehmen? Nicht unbedingt, aber man sollte beim Schuhkauf Folgendes bedenken: Füsse verändern sich mit dem Alter und der Beanspruchung, also gelegentlich die Schuhgrösse überprüfen; Füsse brauchen genügend Freiraum. Zudem sollten Seitenführung und Stossdämpfung der Schuhe zum Fuss passen und spitze Formen sowie Absätze, die höher sind als drei Zentimeter, vermieden werden.
Der Kompromiss für Modebewusste: für Ausgleich sorgen. Liebhaberinnen von Plateausohlen sollten viel Zehengymnastik betreiben, denn je dicker die Schuhsohlen sind, desto eher verkümmern die Fussmuskeln. High-Heel-Fans aufgepasst: Die besten Stücke nur wenige Stunden am Tag tragen und ansonsten viel barfuss laufen. Mal wieder barfuss über weichen Grund, Gras, kühle Erde, Kieselsteine und Sand zu gehen ist ohnehin die beste Fussmedizin. Die Fusssohle wird massiert, das ganze Bein ebenso wie Hüften, Becken, Gelenke werden beansprucht, und auch das Herz-Kreislauf-System kommt dann mal wieder richtig in Schwung.
Buchtipps
Christian Larsen:
«Gut zu Fuss ein Leben lang»; 2004, Fr. 31.40.
«Gesunde Füsse für Ihr Kind»; 2002, Fr. 26.20.
Beide MVH Medizinverlage Heidelberg
Wieland Kinz:
«Kinderfüsse – Kinderschuhe»; Eigenverlag, Fr. 15.80
© Beobachter Ausgabe 16 vom 05. Aug 2004 - Alle Rechte vorbehalten











Bluthochdruck
Sind Sie gefährdet? Finden Sie es heraus!