Ohrengeräusche
Alternativmediziner geben Rat
Unter Ohrengeräuschen leiden längst nicht nur ältere Menschen. Als Folge der exzessiven Partykultur brummt auch immer mehr Jugendlichen der Schädel. Mögliche Behandlungsformen sind Blut verdünnende Medikamente und Akupunktur.
Dr. Jürg Hess praktiziert seit 20 Jahren Komplementärmedizin, Urs Gruber ist Heilpraktiker und gibt Kurse in Naturheilkunde. Die beiden Experten von der Stiftung Paramed beantworten die Fragen, die von Leserinnen und Lesern an der Beobachter-Hotline zum Thema Kopf- und Ohrgeräusche gestellt wurden.
Frage: Ich habe seit drei Tagen ein Summen im linken Ohr, möchte deswegen aber nicht zum Arzt. Was könnte ich zu Hause dagegen tun?
Antwort: Bei unklaren und abrupt aufgetretenen Ohrengeräuschen, in der Fachsprache Tinnitus genannt, empfiehlt es sich, sofort den Arzt aufzusuchen. Nur so lassen sich die möglichen Folgen minimieren, die zum Beispiel eine mangelhafte Durchblutung des Innenohrs haben kann. Begleitend zu Blut verdünnenden Medikamenten kommen eine Akupunkturbehandlung und homöopathische Arzneimittel in Frage.
Frage: Mein Vater hat Tinnitus. Muss ich nun befürchten, dass auch ich einmal darunter leiden werde? Ist diese Krankheit überhaupt erblich, und wie kann ich ihr vorbeugen?
Antwort: Tinnitus ist grundsätzlich nicht als Erbkrankheit bekannt. Aus naturheilkundlicher Sicht gibt es jedoch Prägungen, die das Risiko eines Tinnitus erhöhen: Laute Geräusche, Infekte und offensichtlicher oder versteckter Stress können zu Ohrengeräuschen führen. Der Tinnitus ist in diesen Fällen also lediglich das Resultat eines Prozesses, der vorausgegangen ist.
Frage: Ein Arbeitskollege von mir hat gesagt, ich solle Ginkgo gegen meinen Tinnitus nehmen. Hilft das wirklich?
Antwort: Ginkgo biloba wird oft eingesetzt, um die Blutzirkulation im Gehirn zu verbessern. Ist das Gehirn nicht optimal versorgt, kann es zu Ohrengeräuschen, Schwindel, Kopfschmerzen, Gedächtnisschwäche und Störungen des Sprechvermögens kommen. Ginkgo darf durchaus über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen eingenommen werden, sofern sich keine Nebenwirkungen wie leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder allergische Hautreaktionen zeigen. Fragen Sie in einer Apotheke oder Drogerie, in welcher Form – Tinktur, Kapseln oder Dragees – Sie das Ginkgo-Präparat einnehmen sollen, damit das Risiko solcher Nebenwirkungen möglichst gering ist.
Frage: Ist der Tinnitus lediglich eine Frage des Alters?
Antwort: Bis vor kurzer Zeit musste man annehmen, dass der Tinnitus mit steigendem Alter gehäuft vorkommt. Die Situation scheint sich aber zu ändern. Zunehmend leiden auch Jugendliche oder junge Erwachsene unter Ohrengeräuschen. Überlastungen durch zu laute Musik oder Drogen wie Ecstasy können zu Verletzungen und Störungen führen, unter denen die Betroffenen im schlimmsten Fall ihr Leben lang leiden.
Frage: Ich habe manchmal ein Geräusch im Ohr, als ob ich Kirchenglocken läuten höre. Meinem Hausarzt habe ich das bisher nicht erzählt, sonst meint er noch, ich spinne. Sollte ich besser zu einem Naturheiler gehen?
Antwort: Wir sind überzeugt, dass die meisten Hausärzte – ob sie etwas von Naturheilkunde verstehen oder nicht – Ihr Ohrengeräusch ernst nehmen würden. Auch in der Naturheilkunde, besonders in der klassischen Homöopathie, kennt man das von Ihnen beschriebene Symptom sehr gut; damit würden Sie keinen Therapeuten erschrecken. Welcher Behandlungsmethode Sie den Vorzug geben wollen, ist Ihrer persönlichen Vorliebe überlassen. Wenn der Hausarzt nicht weiterweiss, könnte es sich aber lohnen, erst naturheilkundliche Methoden anzuwenden, bevor Sie zum Spezialisten gehen – ausser, der Hausarzt rät Ihnen ausdrücklich dazu.
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© Beobachter Ausgabe 9 vom 27. Apr 2001 - Alle Rechte vorbehalten












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