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Hormonersatztherapie

Riskante Empfehlungen

Text:
  • Christoph Schilling
Bild:
  • Jupiterimages
Ausgabe:
16/08

Die Pharmafirma Bayer wirbt auf Webseiten hiesiger Frauenärzte für die umstrittene Hormontherapie gegen Wechseljahrbeschwerden - ohne sich als Urheberin des Textes zu erkennen zu geben.

(Bild: Jupiterimages)

Dr. Stefan Frank heisst der TV-Arzt, «dem die Frauen vertrauen». Bei Ärzten im realen Leben scheint das schwieriger. Denn Schweizer Gynäkologinnen und Gynäkologen können sich beim Netzwerk gyndoc.ch der Pharmafirma Bayer ihre Website kostenlos einrichten lassen. Daran wäre nichts Unanständiges, aber: Die Pharmafirma liefert gleich Textbausteine mit, wo sie gegen Wechseljahrbeschwerden unverblümt für die Hormonersatztherapie wirbt. Bayer verkauft solche Präparate.

Die Therapie wird als Mittel erster Wahl propagiert. «Allgemein kann man sagen, dass die Hormonbehandlung gut verträglich ist.» Nur nebenbei wird darauf hingewiesen, dass das Brustkrebsrisiko bei langjähriger Einnahme «leicht ansteigt». Das ist untertrieben, denn die Hormonersatzabgabe ist höchst umstritten. «Die Bilanz dieser Therapie ist vernichtend», urteilt etwa Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber der unabhängigen Zeitschrift «Pharma-Kritik», «der Schaden ist grösser als der Nutzen.» Das Brustkrebsrisiko steige bei längerer Einnahme «signifikant». Eine US-Teilstudie wurde vor einigen Jahren abgebrochen, als sich zeigte, dass Hormonpillen das Risiko für Brustkrebs erhöhen.

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Bayer ist der Ansicht, auf Risiken werde in dem Text genügend hingewiesen. Den Nutzen und das Risiko muss jede Patientin selber abwägen. Dafür wäre es aber hilfreich, wenn sie erfahren würde, dass die Firma Bayer hinter dem Text auf den Frauenarzt-Websites steckt. In diesem Punkt verspricht Bayer zu handeln: Im Sinne der Transparenz werde der Firmenname «in nächster Zeit» auf den Homepages ersichtlich sein. Damit die Frauen ihrem Arzt wieder vertrauen können.

© Beobachter Ausgabe 16 vom 06. Aug 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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