Koni Rohner zu Ermutigung
«Müssen die Eltern immer helfen?»
Frage: Unser Viertklässler macht seine Hausaufgaben nur, wenn wir ihm dabei helfen. Ich bin sicher, dass er es auch allein könnte, aber wenn wir nicht dahinter sind, trödelt er nur herum. Kann es denn der Sinn der Sache sein, dass die Eltern immer dabei sein müssen? Anna F.

(Bild: Archiv)
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Nein, sicher nicht. Hausaufgaben sind dazu da, die Schüler zum selbstständigen Arbeiten und zur Übernahme eines Stücks Eigenverantwortung für ihr Lernen zu erziehen. Deshalb müssen auch Umfang und Schwierigkeit den Fähigkeiten der Schüler angepasst sein. Wenn es nur mit der Hilfe der Eltern geht, stimmt etwas nicht. In Ihrem Fall sehe ich zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder ist das Verhalten Ihres Sohnes ein Trick, um Ihre Zuwendung zu bekommen, oder es fehlt ihm am nötigen Selbstbewusstsein, um seine Aufgaben allein anzupacken.
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Daraus ergibt sich ein Teufelskreis der Entmutigung. Gut gemeinte Bemerkungen wie «Das kannst du mit links» helfen aber nicht. Wirksames Ermutigen ist nämlich eine Kunst: Verständnis für die Schwierigkeiten, Vertrauen und Geduld bilden die Basis. Statt Ratschläge zu geben, müssen Selbstbewusstsein und Vertrauen in die Leistungsfähigkeit gefördert werden.
In einem Bild anschaulich ausgedrückt: Es geht darum, der entmutigten Person für das anstehende Projekt einen Raum zu öffnen. Es wäre allerdings falsch, die Person hineinzustossen oder den Raum sogar für sie zu möblieren. Auch Ihr Sohn muss spüren, dass Sie überzeugt davon sind, dass er das allein schafft. Ermutigen ist zentraler Bestandteil einer guten Erziehung - und es gibt auch entmutigte Erwachsene, die dankbar dafür sind.
Buchtipp
Jürg Frick: «Die Kraft der Ermutigung»; Huber-Verlag, 2006, 374 Seiten, CHF 39.90© Beobachter Ausgabe 2 vom 17. Jan 2007 - Alle Rechte vorbehalten











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