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Koni Rohner zu Jugendbanden

«Seine Gang ist ihm megawichtig»

Text:
  • Koni Rohner
Bild:
  • Sanna Lindberg
Ausgabe:
25/05

Ich bin 16 und habe mich in einen coolen Jungen aus derselben Strasse verliebt. Ich möchte ihn als Freund, aber er findet seine Gang megawichtig. Mir ist das eher unheimlich, denn er erzählt leider nichts Genaues. Melanie S.

Am besten teilen Sie ihm Ihre Befürchtungen offen mit. Das motiviert ihn vielleicht, genauer zu sagen, was für eine Gang das ist. Sollte es sich um eine Jugendbande handeln, die andere erpresst oder verprügelt, sollten Sie ihm vielleicht sogar ein Ultimatum stellen: «Entweder die Gang oder ich!» Falls Sie diesen Weg wählen, müssen Sie aber sicher sein, dass Sie auch konsequent handeln werden.

Natürlich gibt es auch harmlose Gruppierungen. In letzter Zeit sorgen aber leider immer wieder gewalttätige Gangs für Schlagzeilen: Neonazis und Diebesbanden, randalierende Fussballfans oder Gruppierungen, die Jugendliche bedrohen, verprügeln und erpressen.

Gewalttaten durch Jugendliche haben zugenommen


Der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl ist zwar der Meinung, verfeindete Banden hätte es schon immer gegeben. Und auch Grosseltern erzählen von einstigen Zusammenstössen zwischen der Jugend rivalisierender Dörfer oder Quartiere. Die Statistik zeigt allerdings, dass Gewalttaten durch Jugendliche in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen haben. Es sieht so aus, als hätten früher Rituale und eine gewisse Tabuisierung von Waffen die Jugendgewalt in Schranken gehalten. Heute tragen viele Jugendliche unter anderem Messer oder Schlagringe, die sie in der Hitze des Gefechts dann eben auch einsetzen.

Banden sind dabei gefährlicher als einzelne gewaltbereite Jugendliche, weil das individuelle Verantwortungsgefühl im Kollektiv schwindet, sich Mitläufer stark fühlen und die Ausübung von Gewalt das Prestige innerhalb einer Gruppe oft erhöht. Psychologisch gesehen besonders gefährdet sind unsichere Jugendliche, die von den Eltern vernachlässigt werden, von ihnen Gewalt erfahren und sich in schwierigen sozialen und beruflichen Situationen befinden.

Prävention hat also hier anzusetzen. Die Erziehung muss Selbstsicherheit, Verantwortungsbewusstsein und Mitmenschlichkeit stärken – die Gesellschaft allen jungen Leuten berufliche Chancen und Perspektiven ermöglichen. Vor allem auch schlechten Schülern. Die Eltern, die Schule und auch die Wirtschaft sind hier stark gefordert.

Buchtipp


Allan Guggenbühl: «Die unheimliche Faszination der Gewalt. Denkanstösse zum Umgang mit Aggression und Brutalität unter Kindern»; Verlag Schweizer Spiegel, 1993, 172 Seiten, 24 Franken

© Beobachter Ausgabe 25 vom 08. Dez 2005 - Alle Rechte vorbehalten

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