Medikamente: Gesetzlich verordnetes Sparen
Anfang Juni entscheidet der Nationalrat über die Abgabepflicht von preisgünstigen Arzneimitteln. Ärzte und die Pharmaindustrie laufen Sturm gegen dieses Gesetz.
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Geht es nach dem Ständerat, dürfen Ärzte und Apotheker künftig keine teuren Medikamente mehr verschreiben. Sie müssten auf «preisgünstigere Arzneimittel» ausweichen was meistens Generika sind. Diese Nachahmerprodukte sind im Schnitt zwischen 25 und 30 Prozent billiger. Laut Berechnungen der Arzneimittelhersteller liessen sich mit dieser Gesetzesänderung jährlich 115 Millionen Franken einsparen.
Bereits heute gilt für Apotheker das Substitutionsrecht. Das heisst, sie können ihren Kunden günstigere Generika anbieten, wenn der Arzt nicht explizit das Originalmedikament verschreibt. Diese Praxis funktioniere allerdings nicht, findet CVP-Ständerat Eugen David. Um Kosten zu sparen, plädiert er für eine Stärkung des Generikabereichs. «Ein Arzt soll aus dem breiten Angebot an Medikamenten ein preisgünstiges auswählen können», sagt er.
Ärzte bangen um ihr Einkommen
Für David, den Verwaltungsratspräsidenten der Helsana, ist es wichtig, «dass so in der Grundversicherung Einsparungen erzielt werden, ohne dass Qualitätseinbussen in Betracht gezogen werden müssen». Anders sehen es die Ärzte, die gegen den Ständeratsbeschluss mobil machen. Das ist nicht erstaunlich: Die Mediziner, die selber Medikamente abgeben, erzielen damit rund ein Drittel ihres Einkommens. Max Giger, Arzt und Verantwortlicher für das Ressort Heilmittel im Zentralvorstand FMH, bringt noch ein weiteres Argument ins Spiel: Würde die Abgabe von billigeren Medikamenten zur Pflicht, dann «bräche das Chaos aus».
Weil die Medikamentenpreise nämlich von Monat zu Monat variieren, so Giger, «verlöre der chronisch kranke Patient den Überblick und müsste während einer Therapie mehrmals das Medikament wechseln». Ausserdem sei es schwierig, einen älteren Menschen zu überzeugen, auf ein nicht gewohntes Medikament zu wechseln.
Ähnlich tönt es auch bei den Pharmafirmen. «Ein solcher Beschluss käme einer Zwangsverordnung gleich und würde die Therapiefreiheit des Arztes massiv einschränken», kritisiert Dieter Grauer, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Gesellschaft für chemische Industrie.
Diese Aufregung ist schwer nachzuvollziehen: Im vergangenen Jahr erzielten die Generika einen Marktanteil von nur gerade 2,8 Prozent. Zudem sind nur ungefähr ein Drittel der Originalmedikamente als Generika erhältlich.
In FDP-Nationalrat Felix Gutzwiller hat die Pharmaindustrie eine gewichtige Stimme. Und die Lobbyarbeit gegen die Gesetzesänderung scheint Früchte zu tragen. So gibt sich Dieter Grauer von der Gesellschaft für chemische Industrie in einer Rundmail «zuversichtlich» im Hinblick auf die bevorstehende Debatte: «Wie uns Nationalrat Felix Gutzwiller soeben berichtete, waren unsere Bestrebungen erfolgreich», schreibt er zum pharmafreundlichen Beschluss der nationalrätlichen Gesundheitskommission.
Der Nationalrat behandelt das Geschäft Anfang Juni. Wie immer er sich allerdings entscheidet die Industrie hat bereits vorgesorgt.
Novartis ist gut vorbereitet
Novartis, die weltweite Nummer zwei unter den Generikaherstellern, hat sich mit einer Tochterfirma im solothurnischen Schönenwerd niedergelassen. Dort soll die Generikaproduktion unter dem alten Firmennamen Sandoz vorangetrieben werden. Letztes Jahr wurden in der Schweiz für rund 175 Millionen Franken Generika verkauft, der Umsatz soll in diesem Jahr um zehn Prozent wachsen.
© Beobachter Ausgabe 10 vom 16. Mai 2003 - Alle Rechte vorbehalten











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