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Online-Shopping Der Trick mit der deutschen Adresse

Online-Shops verlangen oft überhöhte Euro-Wechselkurse. Mit einer Lieferadresse jenseits der Grenze lässt sich das ganz legal umgehen – und je nachdem viel Geld sparen.

Grenzenloses Einkaufen dank Internet? Denkste. Zahlreiche Shops wie etwa der Kleiderriese H&M beliefern Schweizer Kunden gar nicht. Andere bestrafen hiesige Konsumenten mit überhöhten Preisen. So zum Beispiel Esprit: Der schicke graue Cardigan-Pullover aus Angora-Kaschmir kostet bei Esprit Deutschland 69.95 Euro, in der Schweiz aber 135.90 Franken. Wer direkt beim deutschen Online-Shop von Esprit mit einer Schweizer Adresse bestellen will, erhält eine Fehlermeldung und den Hinweis, es beim Schweizer Online-Shop zu versuchen.

Schweizer Konsumenten können sich mit einem simplen Trick dagegen wehren: mit einer Lieferadresse in Deutschland. Kioske und andere kleine Firmen sowie Privatpersonen nehmen an Standorten unmittelbar hinter der Grenze Pakete entgegen und informieren den eigentlichen Empfänger in der Schweiz. Dieser holt die Ware eigenhändig ab und bezahlt für diese Dienstleistung eine von Gewicht und Massen abhängige Taxe (siehe «Übersicht»).

Das lohnt sich. So kostet der Esprit-Pulli inklusive der Taxe der Paketannahmestelle Lotto-Burg in Weil am Rhein umgerechnet 96 Franken – satte 30 Prozent weniger, als wenn man ihn in der Schweiz kaufte. Kommt dann noch ein Rabatt-Gutschein hinzu, den man zum Beispiel über das Shopping-Portal Liefertraum.ch einlösen kann, wird der Pulli noch günstiger.

Das ist absolut legal. Und solange die Sachen nicht mehr als 300 Franken wert sind, ist der Import gratis. Erst bei einem Wert von über 300 Franken muss man die Ware am Grenzübergang verzollen und Mehrwertsteuer bezahlen. Das ist aber in jedem Fall günstiger, als sich die Ware auf dem Postweg schicken zu lassen, weil dann – zusätzlich zu Zoll und Mehrwertsteuer – Gebühren für die Zollabwicklung erhoben werden. Zusammen übersteigen diese Kosten rasch einmal den eigentlichen Warenwert. Wenn die Ware per Post über die Grenze kommt, werden zudem schon ab einem Warenwert von 66 Franken (Bücher: 208 Franken) Zoll und/oder Mehrwertsteuer erhoben.

Der Nachteil: Man muss Zeit in die Reise nach Weil am Rhein oder Waldshut investieren und auch die Fahrtkosten berücksichtigen. Sinnvoll ist das Vorgehen deshalb hauptsächlich für Leute, die in Grenznähe wohnen, gratis reisen können (dank Generalabonnement) oder die Reise mit einem Ausflug und einem Einkaufsbummel verbinden wollen – etwa nach Konstanz, wo gleich mehrere Lieferadressen-Anbieter um Kundschaft buhlen.

Vor allem wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, sollte vorgängig prüfen, wo genau sich die Abholstelle befindet und wie gut sie erreichbar ist.

 

Aber auch für Leute, die in Interlaken wohnen, 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, gibt es eine Lösung. Anbieter wie etwa Paketdiscount.ch nehmen das Paket in Deutschland entgegen, chauffieren es über die Grenze und schicken es per Schweizer Post an den Besteller weiter. Je nach Grösse des Pakets kostet diese Dienstleistung zwischen 14 und 40 Franken, plus Zollgebühren und Mehrwertsteuer. Im Fall des Esprit-Cardigans lohnt sich das allemal. Der Pulli wird zwar 14 Franken teurer, als wenn man ihn in Weil am Rhein abholt, aber ist immer noch mehr als 25 Franken billiger als bei Esprit Schweiz.

Exakt das Gleiche wie Paketdiscount.ch machen auch die Dienstleistungsfirmen www.bongous.com, www.myus.com, www.shipito.com oder www.viabox.com, aber nicht in Deutschland, sondern in den USA. Das ist praktisch, wenn Sie bei einem US-Händler bestellen wollen, der offiziell nicht in die Schweiz liefert. Wegen der hohen Kosten lohnt sich das aber nur bei Bestellungen für ein paar hundert Franken.

Übersicht: Hier werden Ihre Pakete gelagert

Anbieter

InternetadresseStandortePreise
Deutsche Lieferadressewww.deutsche-lieferadresse.com17 StandortePreisliste (nach Standort)
Euroretour Konstanz
(einmalige Anmeldegebühr: 5 Franken)
www.euroretour.chKonstanz, Laufenburg, Weil am Rhein, WaldshutPreisliste (nach Standort)
Grenzpaketwww.grenzpaket.chdiverse Standorte von Bad Säckingen bis Weil am RheinPreisliste
LAS-Burgwww.las-burg.deWeil am RheinPreisliste
Lieferadresse Konstanzwww.lieferadresse-konstanz.deKonstanzPreisliste
Liefertraumwww.liefertraum.ch10 StandortePreisliste

So kommen Sie zu einer Lieferadresse


  • Sie registrieren sich bei einem Anbieter (eine Auswahl finden Sie in der obigen Liste) und erhalten die exakte Lieferadresse mitgeteilt.

  • Beim Bestellen bei einem deutschen Online-Shop (oder bei Käufen auf Online-Auktionsplattformen) geben Sie diese Lieferadresse an.

  • Wenn die Ware eintrifft, werden Sie vom Anbieter der Lieferadresse per Mail oder SMS informiert. Innert 14 Tagen müssen Sie das Paket vor Ort abholen und dabei auch die kleine Taxe des Lieferadressen-Anbieters bar oder im Voraus per Überweisung bezahlen. Wenn Sie die Ware verspätet abholen, verlangen die meisten einen Zuschlag.

  • Wenn Sie die Ware selber über die Grenze bringen, beachten Sie die Einfuhrvorschriften: im Grundsatz zollfrei bis zu einem Warenwert von 300 Franken, aber Ausnahmen beispielsweise für Fleisch und Alkohol: Infos auf www.ezv.admin.ch.

  • Fragen Sie den Verkäufer, ob er Ihnen das Formular ausfüllt, das Sie am deutschen Zoll abstempeln lassen können, um zusätzlich die deutsche Mehrwertsteuer rückzufordern. Sie sind dabei aber auf die Kulanz des Händlers angewiesen, denn offiziell liefert er ja an Ihre deutsche Lieferadresse.

  • In Frankreich und Österreich brauchen Sie keine solchen Lieferadressen: Sie können sich Pakete postlagernd an eine Poststelle schicken lassen.

Merkblatt

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie im Versandhandel bestellen, finden Sie hier zusammengefasst: Merkblatt Versandhandel (PDF, 102 kb)

Text:
  • Martin Müller
Bild:
  • Thinkstock Kollektion