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Prix Courage 2007
Der Sieger heisst Paolo Dibartolo
Er eilte spontan einer Frau zu Hilfe, die von einem Messerstecher attackiert wurde. Paolo Dibartolo, 1,65 Meter gross, bewahrte das Opfer vor schweren Verletzungen. Für seinen Mut erhielt er den Jurypreis des Prix Courage.

Jurypreisträger Paolo Dibartolo
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Das französische Wort «Courage» heisst auf Deutsch Mut. Mut hat, wer sich dorthin stellt, wo Gefahr droht, wer etwas tut, wovon die Vernunft abrät. Wenn wir das Wort «Courage» im Deutschen als Fremdwort brauchen, hängen wir es gern an das Wort «Zivil» an.Wer Zivilcourage hat, scheut das offene Wort nicht, beharrt auch gegenüber Höhergestellten und Autoritäten auf dem als richtig Erkannten, und ist bereit, dafür Vieles in Kauf zu nehmen, bis zu einem Stellenverlust oder einem Gerichtsverfahren.
Sie alle, liebe Kandidatinnen und Kandidaten, haben etwas getan, das mit diesen Begriffen beschrieben werden kann.
Sie alle haben sich in Situationen gefunden, die Ihnen Mut und Zivilcourage abverlangt haben, und Sie haben so gehandelt, wie wir hoffen, dass auch wir handeln würden, wenn es dazu käme.
Ob wir es wirklich täten, wissen wir nicht, denn die Prüfung ist uns erspart geblieben. Sie haben sie, alle auf ihre Art, bestanden.
Deshalb hat Sie die Redaktion des Beobachters für den Prix Courage nominiert, und ich bitte Sie, schon diese Nomination als Auszeichnung anzuschauen, als Zeichen des Respekts und der Wertschätzung Ihres Tuns.
Denn die Jury kann nur einen Preis vergeben, und sie hat beschlossen, ihn dieses Jahr Herrn Paolo Dibartolo zu überreichen.
Herr Dibartolo, Sie haben in einem Moment, in dem es 1000 Gründe gegeben hätte, wegzuschauen und sich zu verstecken, den Mut gehabt, zu handeln und sind einem Gewalttäter entschlossen entgegengetreten. So haben Sie einem Menschen das Leben gerettet und einen andern davor bewahrt, zum Mörder zu werden. Dafür verleiht Ihnen die Jury den Prix Courage 2007. Wir danken Ihnen und gratulieren Ihnen zu dieser Auszeichnung.
Laudatio von Franz Hohler, Jurypräsident
Interview mit Paolo Dibartolo
Beobachter: Sie sind der Gewinner des diesjährigen Jurypreises des Prix Courage. Wie fühlen Sie sich?
Paolo Dibartolo: Ganz normal. Und stolz bin ich natürlich.
Beobachter: Hat es Sie überrascht, dass Sie gewonnen haben?
Dibartolo: Nein, erstaunlicherweise nicht. Im Verlauf des Abends hatte ich plötzlich das Gefühl, ich könnte gewinnen.
Beobachter: Warum?
Dibartolo: Das ist meine Intuition. Bei Wettbewerben ist es genau dasselbe: Ich spüre, wenn ich gewonnen habe.
Beobachter: Was werden Sie mit dem Preisgeld von 25'000 Franken machen?
Dibartolo: Jetzt gehe ich zwei Wochen in die Ferien nach Sizilien. Ich möchte eine gute Zeit erleben. Was ich mit dem Rest des Geldes mache, weiss ich noch nicht.
Beobachter: Wenn Sie heute eine ähnliche Situation erlebten - würden Sie sich auch diesmal dem Messerstecher in den Weg stellen?
Paolo Dibartolo: Ich würde das noch zwanzig Mal machen. Ohne zu überlegen.
Beobachter: Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld, als Sie für den Prix Courage 2007 nominiert wurden?
Dibartolo: Mein ältester Sohn war sehr stolz. Meine Frau auch, aber sie kann es nicht so gut zeigen. Viele Freunde und Bekannte haben mich angerufen und mir gratuliert. Sogar eine alte Schulfreundin meiner Frau, die sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hatte, hat sich bei uns gemeldet.
Beobachter: Haben Leute Sie für Ihre Tat auch kritisiert, weil Sie sich damit selbst in grosse Gefahr gebracht haben?
Dibartolo: Mein jüngster Sohn hat mich gescholten. Ich sei verrückt, wie könne ich nur so etwas machen. Er fand es dumm von mir, dass ich eingeschritten bin. Weil es eben auch anders hätte ausgehen können.
Beobachter: Was meinen Sie, ist Zivilcourage in unserem Land eine Ausnahme?
Dibartolo: Es gibt zu wenig mutige Menschen in der Schweiz. Meist schauen sie zu, wenn etwas passiert, aber sie greifen nicht ein. Viele haben Angst, oder sie wollen sich nicht einmischen. Die meisten sind Angsthasen.
Beobachter: Haben Sie auch etwas von der Frau gehört, die Sie durch Ihr Einschreiten vor Schlimmerem bewahrt haben?
Dibartolo: Bisher habe ich die Frau leider nicht treffen können. Immer kam ihr etwas dazwischen. Ich verstehe das auch nicht. Aber jetzt, nach der Nomination, war ihr Vater bei mir. Er hat mich umarmt und gesagt: «Du bist der Schutzengel meiner Tochter.»
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 26. Sep 2007 - Alle Rechte vorbehalten






