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Prix Courage

Signor Lebensretter

Text:
  • Gian Signorell
Ausgabe:
8/08

Selbst im Ausland wurde man auf Prix-Courage-Preisträger Paolo Dibartolo aufmerksam.

«Andere haben es viel besser gemacht», sagte Paolo Dibartolo bei der Preisverleihung im letzten Herbst mit einem verschmitzten Lächeln - und hatte mit diesem Spruch definitiv die Sympathien des ganzen Saals auf seiner Seite. Eben hatte er aus den Händen von Jurypräsident Franz Hohler den mit 25'000 Franken dotierten Prix Courage in Empfang genommen, den der Beobacher jedes Jahr für besonders mutige Taten verleiht. Seinen Mut hatte der eher schmächtig gebaute 76-Jährige an seinem Wohnort in Effretikon eindrücklich unter Beweis gestellt.

«Wir sassen in der Küche, als wir Hilfeschreie hörten», erzählt Dibartolo. Draussen bot sich ihm ein schreckliches Bild. Eine 35-jährige Frau stand, mit mehreren Stichverletzungen verwundet, auf dem Trottoir. Der ganze Boden war voller Blut. Neben der verletzten Frau, mit einem Messer in der Hand, gestikulierend und schreiend: ihr Exmann.

Dibartolo setzte ohne Zögern seine Gesundheit, sein Leben aufs Spiel, als er zum Angreifer, der ihn um einen Kopf überragte, mit ruhiger Stimme sagte: «Hören Sie auf und werfen Sie das Messer weg.» Der Messerstecher, beeindruckt von Dibartolos sicherem Auftreten, gehorchte und liess sich von der anrückenden Polizei widerstandslos festnehmen.

Das Preisgeld hat er verteilt

Das Echo auf den Preis war gewaltig. «Ich wurde im Zug und im Tram von wildfremden Menschen angesprochen, die mir gratulieren wollten.» Die «Neue Zürcher Zeitung» widmete dem Preisträger ein Porträt unter dem Titel «Coiffeur, Kunstmaler und Lebensretter». Denn Dibartolo betreibt im Zürcher Niederdorf einen Coiffeursalon und nebenbei malt er, in Öl.

Und was hat er mit dem Prix-Courage-Preisgeld gemacht? «Einen Brunch», sagt Dibartolo verschmitzt, seine Familie, Freunde und Bekannte seien dabei gewesen, auch Journalisten. Selbst der Chef der Kriminalpolizei habe sich den Besuch nicht nehmen lassen. Einen Batzen bekommen haben auch Dibartolos Enkel - und auch der Sohn des Messerstecheropfers ging nicht leer aus.

Dibartolos Ruhm schaffte es sogar über die Landesgrenzen hinaus. Der SWR, der Südwestrundfunk, wollte ihn in die Diskussionssendung «Nachtcafé» einladen. Die Teilnahme scheiterte dann an den nicht ganz perfekten Hochdeutschkenntnissen des gebürtigen Sizilianers.

Dafür erreichte Paolo Dibartolo ein Anruf aus seiner Heimat. Am Telefon war Domenico Nigro, der Bürgermeister von Palazzola bei Syrakus: «Der Sindaco hatte aus dem Internet von meinem Preis erfahren und wollte mir gratulieren. Ausserdem wollte er eine Ausgabe des Beobachters haben. Ich habe sie ihm natürlich sofort geschickt», lacht Dibartolo. Zurzeit gönnt sich der mutige Coiffeur einige Tage Ferien in seinem Heimatland. Dann aber will er wieder in seinem geliebten Salon im Zürcher Niederdorf stehen, zum Malen und zum Haareschneiden.

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© Beobachter Ausgabe 8 vom 16. Apr 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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    Prix Courage


    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

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