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Schwangerschaft
Die doppelte Last des Rauchens
«Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit», steht auf der Zigarettenschachtel. Wenn ein Kind im Bauch heranwächst, schadet der Zigarettenkonsum zwei Menschen. Trotzdem können viele Frauen auch während der Schwangerschaft nicht auf Nikotin verzichten.

Brigitte Klötzli war überzeugt, es nicht zu schaffen: «Deshalb nahm ich mir gar nicht erst vor, das Rauchen ganz einzustellen – obwohl ich es gern getan hätte.» Ihr Mann Thomas Hug (Bild r.) aber nahm die Schwangerschaft zum Anlass, mit dem Qualmen aufzuhören. «Ich wollte kein Raucher-Vater werden.» Doch der Primarlehrer aus Derendingen SO hielt nicht lange durch.
Seine Frau dagegen rauchte während der ganzen Schwangerschaft nicht. «Ich konnte nicht. Sobald ich eine Zigarette ansteckte, wurde mir übel», erzählt die 32-jährige Kindergärtnerin. Kaum aber war Tochter Zoé (Bild l.) geboren, konnte sie wieder. «Als ich im Geburtshaus ein Päckchen Zigaretten auf einem Tisch liegen sah, griff ich zu.» Bei der zweiten Schwangerschaft war es gleich: Die Raucherin konnte neun Monate lang problemlos auf Zigaretten verzichten. Heute rauchen beide je rund ein Päckchen pro Tag, mit Rücksicht auf die sechsjährige Zoé und den dreijährigen Pablo aber nur ausserhalb des Hauses.
Rauchstopp besser spät als nie
In der Schwangerschaft haben viele Mühe, das Rauchen aufzugeben. Rund jede sechste Schwangere, so zeigte vor zehn Jahren eine Schweizer Studie zur Entwicklung von Atemwegserkrankungen bei Kindern, konnte das Qualmen nicht lassen. Heute dürfte die Zahl weit höher sein: «Nur die Hälfte der Raucherinnen hört auf, wenn sie schwanger sind», weiss Renate Huch, Professorin an der Klinik für Geburtshilfe der Universität Zürich.
Dabei sind die Folgen des Zigarettenkonsums während der Schwangerschaft für das ungeborene Kind massiv: Weil die rauchende Schwangere ihrem Kind Sauerstoff und Nahrung entzieht, wird das Wachstum und das Gewicht des Fötus negativ beeinflusst. Seine Startbedingungen ins Leben sind beeinträchtigt – mit vielfältigen Nachteilen für seine Entwicklung.
Schwangere sollten das Rauchen bleiben lassen, betont Renate Huch. Der Ausstieg lohne sich in jeder Phase der Schwangerschaft: «Selbst im achten Monat macht es noch Sinn aufzuhören.» Das Argument, das werdende Kind leide unter dem plötzlichen Nikotinentzug, erachtet Huch als Ausrede. «Jede Zigarette, die nicht geraucht wird, fördert die Entwicklung des Kindes.» Wer es nicht schaffe, den Konsum ganz einzuschränken, solle ihn so weit wie möglich reduzieren.
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Rauchfrei wohnen mit Kindern
Genau dies machte Beatrix Winter: Statt fast zwei Schachteln wie bis anhin rauchte sie nur noch sechs Zigaretten pro Tag. «Daran habe ich mich die ganzen neun Monate und auch während der Stillzeit gehalten.» Angst, mit ihrem Zigarettenkonsum die Entwicklung ihres Sohnes zu behindern, verspürte sie nie. «Ich hatte während der ganzen Schwangerschaft ein gutes Gefühl.» Sohn Jason wog bei der Geburt 3550 Gramm und war 50 Zentimeter gross. Kaum war er da, erklärten Harald und Beatrix Winter die ganze Wohnung zur rauchfreien Zone. «Wir wollen Jason nicht unnötig mit Schadstoffen belasten.»
Diese Haltung ist nicht selbstverständlich. Die Zürcher Kinderärztin Silke Schmitt staunt immer wieder, wie egoistisch rauchende Eltern sind. Von den Kindern, die sie wegen Ohrenentzündung, Bronchitis, Asthma oder anderen Atemwegsbeschwerden behandelt, wächst mehr als die Hälfte in einer Raucherfamilie auf. Das heisst: Mindestens ein Elternteil raucht in der Wohnung. «Und von uns Ärzten erwarten die Eltern dann, dass wir das hustende Kind möglichst schnell kurieren», sagt Silke Schmitt. «Es ist halt bequemer, dem Kind Antibiotika verabreichen zu lassen, als den eigenen Lebensstil zu ändern.»
Die Risiken
Geringere Fruchtbarkeit:
Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu empfangen, ist bei rauchenden Paaren mehr als 30 Prozent kleiner. Die Schadstoffe beeinträchtigen die Eizellenreifung und die Spermienproduktion.
Frühgeburt:
Raucht eine Schwangere zehn Zigaretten pro Tag, erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt um 70 Prozent.
Entwicklungsstörungen:
Babys von Raucherinnen kommen oft zu klein und zu leicht zur Welt. Je mehr die Frau während der Schwangerschaft raucht, umso weniger wiegt später das Neugeborene. Babys starker Raucherinnen sind bei der Geburt oft runzlig und grau.
Plötzlicher Kindstod:
Bei einer Schwangeren, die bis zu neun Zigaretten pro Tag raucht, ist die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Kindstodes fünfmal höher als bei Nichtraucherinnen.
Allergien und Asthma:
Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchten, oder Kinder, die später Zigarettenrauch ausgesetzt sind, haben häufiger Allergien. Das Asthmarisiko liegt 30 Prozent höher.
Krebsrisiko:
Krebs erregende Substanzen im Tabakrauch sind im Blut ungeborener Kinder nachweisbar – auch wenn die Mutter Passivraucherin ist. Die Plazenta ist keine Barriere gegen solche Schadstoffe.
Unterstützung beim Rauchstopp
Die einzig richtige Anleitung, um sich das Rauchen abzugewöhnen, gibt es nicht. Jede ausstiegswillige Person sucht ihren eigenen Weg. Einige verzichten von heute auf morgen auf Zigaretten, andere schwören auf Akupunktur, Hypnose oder Nikotinpräparate. Hier ein paar Tipps, die den Ausstieg erleichtern:
- Bei Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit:
Entspannungsübungen machen, für genügend Schlaf sorgen, an die frische Luft gehen.
- Bei starkem Bedürfnis nach Nikotin:
Warten Sie ab. Das Verlangen klingt nach kurzer Zeit ab. Bis dahin ein Glas Wasser trinken, einen Apfel essen, ein Bonbon oder einen Kaugummi nehmen, Zähne putzen oder spazieren gehen.
- Bei Schlafschwierigkeiten:
Abends keinen Kaffee trinken, vor dem Schlafen ein Glas Wasser oder warme Milch trinken, genügend Bewegung am Tag.
- Bei gesteigertem Appetit:
Kalorienarme Lebensmittel bevorzugen, mehr Früchte und Gemüse essen.
Links
Auf diesen Websites finden Sie weitere Tipps und Informationen zum Thema Rauchen und Schwangerschaft:
- www.rauchenschadet.ch
- www.stop-tabac.ch
- www.netdoktor.at/Kinder/
nikotin_schwangerschaft.shtml - www.eumom.com/ch (auch anderes zu Schwangerschaft und Geburt)
- www.letitbe.ch (nationale Rauchstopp-Kampagne)
© Beobachter Ausgabe 4 vom 22. Feb 2002 - Alle Rechte vorbehalten




