Sport
Früh übt sich das Seniorendasein
Wer mit Mitte 60 aus dem Arbeitsprozess scheidet, versteht sich als Seniorin oder Senior. Beim Alterssport setzt der Bund die Seniorenlimite erheblich tiefer an – mit wenig Erfolg.

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Der Seniorensport beginnt mit 45 Jahren.» In seinem Basislehrmittel «Seniorensport Schweiz» vertritt das Bundesamt für Sport (Baspo) diese überraschende These. 45 sei das «ideale Alter, um unsere wichtigste Zielgruppe, die Inaktiven, zum Sporttreiben zu bewegen». Sport gehöre zur biologischen Altersvorsorge; diese müsse früh beginnen, um im Alter Früchte zu tragen.
Zu den Früchten gehört beispielsweise die Selbstständigkeit bis ins hohe Alter. Nelli Schorro, zuständig für Sport bei der Pro Senectute des Kantons Zürich, hat klare Ziele: «Unter anderem sollen die Senioren so lange als möglich in ihren Wohnungen bleiben können.»
Zwei Drittel treiben zu wenig Sport
Das wünscht sich wohl jeder – doch eine Minderheit bereitet sich mit Sport auf ein gesundes Alter vor: Mit 45 Jahren ist gemäss Andres Schneider vom Baspo ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer sportlich total inaktiv, ein Drittel treibt zu wenig Sport, und nur das letzte Drittel ist körperlich genügend fit. Schneider: «Wir stellen massive Einbussen fest bei Kraft, Beweglichkeit und Koordination sowie eine Schwächung des Herz-Kreislauf-Systems – das beeinträchtigt die Handlungsfähigkeit im Alltag.» Eine entscheidende Rolle weist er der Kraft zu – sie verhindert im Alter Stürze und damit Verletzungen.
Sämtliche Anstrengungen, die Generation 45 plus für den sogenannten Seniorensport zu motivieren, schlugen bisher fehl. Das Observatorium Sport und Bewegung Schweiz, eine vom Baspo finanzierte und von einer Privatfirma betriebene Institution, fand heraus: An total 11’400 Seniorensportkursen nahmen 2004 rund 300’000 Alterssportler teil, doch nur zehn Prozent stammten aus dem Segment 55 und jünger. Wen wunderts? Der Begriff Seniorensport klingt nicht nach angesagtem Lifestyle. Hanspeter Stamm vom Observatorium etwa sagt: «Ich bin jetzt 45 Jahre alt – ich treibe doch keinen Seniorensport.»
Der grösste Anbieter für Seniorensport ist die Pro Senectute; und sie darf gar keine Teilnehmer unter 60 akzeptieren, weil sie ansonsten ihre Subventionen verlieren würde. In allen Regionen bietet sie eine ganze Palette von In- und Outdoor-Sportarten an. Dabei geht es nicht nur um die körperliche Ertüchtigung, sondern auch ums gemeinsame Vergnügen. «Es macht mehr Spass, in der Gruppe zu fahren; wir kennen uns alle», sagt etwa eine Seniorin in Aarau, die wöchentlich an einer Radtour der Pro Senectute teilnimmt.
Bei der Pro Senectute leiten Laien die Sportlektionen und -veranstaltungen. Sie werden in Kurzkursen gemäss den Baspo-Richtlinien ausgebildet. Die Migros-Klubschule – die grösste kommerzielle Sportanbieterin in der Schweiz – arbeitet ausschliesslich mit ausgebildeten Trainern.
Andres Schneider vom Baspo allerdings erachtet die Laien-Kursbetreuung als durchaus genügend – nur Hobbysportler, die körperlich beeinträchtigt seien, müssten Kurse bei Profis in Betracht ziehen. Eine steigende Anzahl Sportvereine, die auch Alterssport anbieten, arbeitet ohnehin schon mit professionellen Trainern, jedoch aus einem anderen Grund: Die Bereitschaft, ehrenamtlich Sportlektionen zu erteilen, sinkt stetig – bei Jung und Alt.
Die beliebtesten Sportarten
In dieser Tabelle ist nur der organisierte Sport dargestellt. Die Zahl der Wanderer und der Velofahrer dürfte deutlich höher sein als hier erfasst.
| Turnen/Gymnastik | 57,6 % |
| Walking | 8,8 % |
| Aquafitness | 7,6 % |
| Wandern | 6,1 % |
| Tanz/Volkstanz | 4,1 % |
| Tennis/Badminton | 4,0 % |
| Velofahren | 3,5 % |
| weitere | 8,3 % |
Quelle: Observatorium Sport und Bewegung Schweiz
© Beobachter Ausgabe 19 vom 13. Sep 2006 - Alle Rechte vorbehalten











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