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Steuerfragen Beispiele aus der Praxis

Die Anfragen beim Beobachter-Beratungszentrum zum Thema Steuern zeigen, dass sich viele mit diesem Thema schwertun.

Kinderabzüge, Liegenschaften, Steuerdelikte: Die Antworten auf häufige Fragen zur Steuererklärung.

Warten Sie lieber nicht bis zum letzten Augenblick, um die Steuererklärung auszufüllen – vielleicht merken Sie erst dann, dass Ihnen ein wichtiger Bankbeleg fehlt, den Sie erst anfordern müssen. Oder Sie realisieren, dass Ihnen bei Ihrer Steuererklärung noch einige Punkte unklar sind.

Die Anfragen beim Beobachter-Beratungszentrum zum Thema Steuern zeigen, dass sich viele mit diesem Thema schwertun. Kein Wunder: Immerhin hat nicht nur der Bund ein Steuergesetz – zusätzlich haben die 26 Kantone jeweils eigene Regeln. Es ist daher auch unmöglich, alle Fragen zur Steuererklärung abschliessend zu beantworten. Nachstehend geben wir Ihnen jedoch die Antworten auf einige Fragen von allgemeinem Interesse, die beim Beratungszentrum eingingen.

Gemeinsame Steuererklärung

Mein künftiger Ehemann ist Ausländer, sein Lohn unterliegt der Quellensteuer. Ich bin Schweizerin. Wie wird er nach der Hochzeit besteuert? Frau G., Kanton Zürich

Ihr Ehemann wird von der Quellensteuer befreit und muss ab dem Folgemonat der Heirat eine eigene Steuererklärung ausfüllen. Ab dem Folgejahr werden Sie gemeinsam als Ehepaar besteuert.

Einkommenssteuer

Ich habe im Jahr 2013 im Schweizer Zahlenlotto eine sechsstellige Summe gewonnen. Davon wurden mir 35 Prozent Verrechnungssteuer abgezogen. Muss ich den Gewinn in der Steuererklärung nun deklarieren und somit nochmals versteuern? Herr H., Kanton Aargau

Der Lottogewinn muss im Wertschriftenverzeichnis bei den Werten mit Verrechnungssteuer deklariert werden. Er unterliegt der normalen Einkommenssteuer, die bereits abgezogene Verrechnungssteuer wird Ihnen zurückerstattet. Die Lottoeinsätze können Sie im Kanton Aargau ohne Nachweis bis maximal 1000 Franken vom Gewinn abziehen.

Ich habe eine Rentennachzahlung von IV und Suva über 105'000 Franken erhalten. Wie muss ich die versteuern? Herr R., Kanton Zürich

Solche Nachzahlungen gehören beim Punkt «Kapitalabfindungen für wiederkehrende Leistungen» in die Steuererklärung. Sie werden für die Satzbestimmung nur zu dem Wert angerechnet, der sich ergäbe, wenn anstelle der einmaligen Leistung eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet würde (sogenannter Rentensatz).

Ich lebe von der Fürsorge und wohne in einer kleinen Eigentumswohnung. Das Steueramt hat mir einen Liegenschaftsertrag aufgerechnet, für den ich Steuern bezahlen soll. Ist das korrekt? Herr Z., Kanton Thurgau

Als Wohnungsbesitzer wird Ihnen ein fiktiver Mietertrag (Eigenmietwert) berechnet, diesen müssen Sie als Einkommen versteuern.

Muss ich die auf E-Bay erzielten Verkaufserlöse versteuern? Frau S., Kanton Zürich

Die Eidgenössische Steuerverwaltung schreibt dazu: «Solange es sich bloss um den Verkauf von eigenem Hausrat, eines Sportgeräts oder auch des eigenen Privatfahrzeugs über eine Online-Börse handelt, bleiben solche Verkäufe steuerfrei.» Schliesslich konnten Sie die Anschaffung dieser Objekte auch nicht vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Und selbst gelegentliche Online-Verkäufe für Freunde und Bekannte, von denen Sie für den Dienst eine Kommission erhalten, sind steuerfrei, solange es sich um einen reinen Hobbybetrieb handelt.

Anders sieht es aus, wenn Sie aus dem Online-Handel einen eigentlichen Erwerb machen möchten, egal ob teilzeitlich oder vollberuflich. Wenn Sie also systematisch Ware zusammensuchen und sie als sogenannter Powerseller über eine Internetplattform wie E-Bay, Ricardo oder sonst eine Online-Börse regelmässig und mit Gewinnabsicht weiterverkaufen, handelt es sich um einen selbständigen Erwerb. Und darauf sind Einkommenssteuer und Sozialversicherungsbeiträge fällig. Immerhin dürfen Sie dann im Gegenzug als Selbständigerwerbende auch Ihren Aufwand (Anschaffungskosten der Waren, Lagerhaltung, Transport, Auktionsgebühren und so weiter) vom Ertrag in Abzug bringen. Wichtig ist, dass Sie sämtliche Belege geordnet aufbewahren, um Ihren Aufwand gegenüber der Steuerbehörde gegebenenfalls auch beweisen zu können.

Mit einem Freund zusammen erwirtschafte ich jährlich über 15'000 Franken mit PC-Support und dem Designen von Homepages. Wie müssen wir dieses zusätzliche Einkommen versteuern? Herr B., Kanton Appenzell Ausserrhoden

Sie müssen eine Aufstellung Ihrer Einkünfte und Ausgaben aus dem Nebenerwerb machen und diese Aufstellung Ihrer Steuererklärung beilegen. Die genauen Vorschriften und welche Aufwendungen Sie von den Einnahmen abziehen können, können Sie detailliert in der Wegleitung zu Ihrer Steuererklärung nachlesen.

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Abzug Unterhaltszahlungen

Ich zahle meiner Exfrau freiwillig einen höheren Unterhalt, als in der Trennungsvereinbarung abgemacht worden ist. Ich kann alle geleisteten Zahlungen belegen, trotzdem hat das Steueramt die höheren Abzüge gestrichen und meine Einsprache abgelehnt. Was kann ich tun? Herr S., Kanton Bern

Sie können auch die freiwillig geleisteten Zahlungen abziehen. Sie müssen diese jedoch vollumfänglich nachweisen können, und Ihre Exfrau muss sie mit den übrigen Einkünften versteuern. Besprechen Sie das zuerst telefonisch mit dem zuständigen Steuerkommissär, bevor Sie einen kostenpflichtigen Rekurs einreichen.

Abzug Krankheitskosten

Ich hatte letztes Jahr Auslagen von über 20'000 Franken für eine Operation, für die ich selbst aufkommen muss. Ich habe die Rechnung für den Eingriff bis Mitte Dezember letzten Jahres jedoch noch nicht erhalten. Welches Datum ist für den Abzug in der Steuererklärung überhaupt massgebend: Operation, Rechnung oder Zahlung? Herr A., Kanton Aargau

Sie können wählen zwischen Rechnungs- oder Zahlungsdatum. Haben Sie sich einmal entschieden, welche Variante Sie bevorzugen, müssen Sie sich auch künftig daran halten.

Ich habe die Kosten für meine Augen-Laseroperation abgezogen. Das Steueramt hat den Abzug gestrichen. Nach meiner Einsprache verlangt nun die Behörde eine ärztliche Verordnung für die Operation. Ich habe die Korrektur in Absprache mit meinem Arzt machen lassen. Was kann ich tun? Herr F., Kanton Bern

Sie können die Kosten bei den Krankheitskosten nur abziehen, wenn die Operation ärztlich verordnet wurde. Sie müssen deshalb das verlangte Dokument noch einreichen, sonst kommen Sie mir Ihrer Einsprache nicht durch.

Abzug Lebenshaltungskosten

Ich habe mich von meiner Ehefrau getrennt. Nun haben wir zwei Wohnungsmieten und viel höhere Lebenshaltungskosten zu verkraften. Können wir dafür einen Steuerabzug geltend machen? Herr J., Kanton Bern

Nein. Normale Lebenshaltungskosten (Miete, Einkäufe und so weiter) sind unabhängig von der jeweiligen persönlichen Lebenssituation nie steuerlich abzugsfähige Ausgaben.

Abzug Liegenschaftsunterhalt

Unwetter haben im vergangenen Jahr unsere Liegenschaft arg in Mitleidenschaft gezogen. Den Selbstbehalt der Gebäudeversicherung und einige selbstbezahlte Sanierungsarbeiten habe ich zusätzlich zum Pauschalabzug geltend gemacht. Das hat das Steueramt jedoch nicht akzeptiert. Können Sie mir sagen, warum? Herr R., Kanton Luzern

Sie können entweder effektive Auslagen oder einen Pauschalabzug geltend machen, jedoch nicht beides. Dabei können Sie in jeder Steuerperiode neu wählen, welchen von beiden Abzügen Sie geltend machen wollen. Im Kanton Luzern ist die jährliche Wahlmöglichkeit erst seit einem Urteil des Bundesgerichts im Jahr 2012 möglich.

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Liegenschaften

Ich habe als Anlageobjekt in einem anderen Kanton eine Liegenschaft gekauft, die ich vermiete. Nun bekomme ich vom Steueramt dieses Kantons eine Steuerrechnung. Ist das korrekt? Herr B., Kanton Zürich

Ja, denn Sie sind beschränkt steuerpflichtig in diesem Kanton, und zwar für die Mieteinnahmen und den Vermögenswert Ihrer Liegenschaft.

Wir haben letztes Jahr eine neue Heizung eingebaut und diverse Renovationen machen lassen. Diese Kosten übersteigen den Eigenmietwert. Können wir die Kosten vollumfänglich abziehen? Herr G., Kanton Zürich

Ja, Sie können alle werterhaltenden Renovationskosten abziehen, auch wenn sie den Eigenmietwert übersteigen.

Ich habe eine Liegenschaft in meinem Privatbesitz. Die Hälfte dieser Liegenschaft ist fremdvermietet, die andere Hälfte belege ich selbst mit meiner Einzelfirma. Nun hat mir das Steueramt den Pauschalabzug für den Unterhalt des Gebäudes gestrichen. Ist das korrekt? Frau F., Kanton Luzern

Ja. Sofern mehr als 20 Prozent der Liegenschaft geschäftlich genutzt werden, können Sie nur die effektiven Kosten geltend machen, nicht aber den Pauschalabzug.

Steuerdelikte

Mein Schwiegervater verfügt über 30'000 Franken Schwarzgeld. Gibt es eigentlich einen Freibetrag, den man gar nicht versteuern muss? Herr L., Kanton Schaffhausen

Nein, es gibt keine Freibeträge. Sämtliche Einkünfte und Vermögen müssen deklariert werden. Ihr Schwiegervater begeht Steuerhinterziehung und kann das Problem durch eine Selbstanzeige beim Steueramt korrigieren. Seit Anfang 2010 ist es möglich, einmalig eine straflose Selbstanzeige einzureichen. Ihr Schwiegervater müsste deshalb Nachsteuern und Verzugszinsen zahlen, aber keine Busse.

Ich habe diverse Bankkonten im Steuerformular nicht deklariert, da mir ein Bekannter sagte, Konten ohne Verrechnungssteuerabzug auf den Zinsen seien steuerfrei. Stimmt das überhaupt? Frau K., Kanton Schaffhausen

Nein, das ist falsch, Sie begehen Steuerhinterziehung. Es sind alle Zinseinnahmen mit und ohne Verrechnungssteuerabzug als Einkommen zu deklarieren. Mit einer Selbstanzeige beim Steueramt können Sie das korrigieren.

Ich habe die verschiedenen Konten meiner Kinder nicht angegeben, da sie noch zur Schule gehen. Und überhaupt: Es ist ja nicht mein Geld. Wie kann ich die Verrechnungssteuer zurückfordern? Herr H., Kanton St. Gallen

Als Inhaber der elterlichen Sorge müssen Sie die Zinsen und das Guthaben der Kinderkonten in Ihrer Steuererklärung deklarieren. Nur so erhalten Sie die abgezogenen Verrechnungssteuern zurück. Sie begehen Steuerhinterziehung.

Unsere Anlagefonds haben ab dem Jahr 2000 massiv an Wert verloren. Wir vermuteten, alles zu verlieren, und haben sie nicht mehr deklariert. Als sich die Fonds doch erholt hatten, haben wir sie verkauft und das Geld für einen Hauskauf eingesetzt. Nun müssen wir das plötzlich viel höhere Vermögen begründen. Das Steueramt verlangt Auskünfte zu unseren Einnahmen und Ausgaben. Was sollen wir tun? Frau L., Kanton Bern

Sie haben eine Steuerhinterziehung begangen. Sie müssen die geforderten Begründungen oder Belege vollumfänglich einreichen und die Schwarzgelder offenlegen. Zu den Nachsteuern werden Sie Verzugszinsen und eine Busse zahlen müssen, denn eine straflose Selbstanzeige ist nur möglich, wenn das Steueramt noch keine Kenntnis von der Steuerhinterziehung hat. Wenn das Steueramt aber merkt, dass die Angaben nicht stimmen und Nachforschungen anstellt, ist es zu spät für eine straflose Selbstanzeige.

Text:
  • Marcel Weigele
Bild:
  • Thinkstock Kollektion