Versicherungsmodelle
Gehen Sie den Ärzten ins Netz!
Die Prämien für die obligatorische Grundversicherung schlagen kaum auf. Trotzdem lohnt es sich, den Versicherungsschutz unter die Lupe zu nehmen. Denn es gibt Wege, die Prämien zu senken und erst noch mehr Qualität zu erhalten. Möglich machen es Ärztenetze.

(Bild: Agentur Gettyimages)
Nebenartikel
Werfen Sie bitte 250 Franken aus dem Fenster! «Sicher nicht», werden Sie antworten - und tun es wahrscheinlich doch. Denn nur eine von sechs Personen in der Schweiz nutzt bei der obligatorischen Krankenversicherung ein Spezialmodell und profitiert von einem Prämienrabatt zwischen 6 und 25 Prozent. Im schweizerischen Mittel sind das 250 bis 950 Franken - Jahr für Jahr.
Dabei sind die Einschränkungen minim, die man mit einem solchen Modell in Kauf nimmt: Die versicherte Person verpflichtet sich einzig, immer den gleichen «Eingang» ins Gesundheitswesen zu nehmen. Dies kann der Hausarzt sein, eine HMO-Gruppenpraxis oder ein medizinisches Callcenter, das man telefonisch kontaktiert. Ausgenommen von dieser Pflicht sind Notfälle. Sonderregelungen gibt es meist für den Besuch eines Frauen-, Kinder- oder Augenarztes.
Die Überlegung hinter diesen Modellen: Der Hausarzt hat die Funktion eines «Gesundheitsmanagers». Er nimmt eine erste Beurteilung vor, behandelt und weist - falls nötig - den weiteren Weg durchs Gesundheitswesen. Dank dieser gezielten Steuerung (Managed Care) sind die Massnahmen besser aufeinander abgestimmt, das Risiko von Unnötigem und Doppelspurigkeiten wird kleiner. Dadurch sinken die Kosten und steigt die Behandlungsqualität - für beides gibt es inzwischen zahlreiche Belege. Beim System mit einem medizinischen Callcenter geht es primär darum, die Patienten an den richtigen Ort zu lotsen: zum Arzt, in die Apotheke, ins Spital - oder ihnen einfach zu sagen: «Abwarten und Tee trinken.»
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Beschleunigt wird die Entwicklung durch die Politik. Das Parlament wird demnächst beschliessen, solche Spezialmodelle zu fördern. Zur Diskussion steht unter anderem ein abgestufter Selbstbehalt: Wer ein Managed-Care-Modell wählt, zahlt zehn Prozent aus der eigenen Tasche an die Behandlungen, in der normalen Grundversicherung sind es 20 Prozent. Ein vergleichbares Anreizmodell, 2006 bei den Medikamenten eingeführt, zeigte rasch und markant Wirkung: Für Nachahmerpräparate (Generika) beträgt der Selbstbehalt zehn Prozent, für die entsprechenden Originale 20 Prozent.
Austausch unter den Ärzten
Am weitesten fortgeschritten ist die gesteuerte Versorgung in sogenannten Ärztenetzen. Rund 70 davon gibt es heute in der Schweiz mit 4'300 Medizinern und gut 600'000 Versicherten, wie die jährliche Erhebung des Vereins Forum Managed Care (FMC) zeigt. Die Idee dahinter: Die Ärzte tauschen sich regelmässig aus, besprechen heikle Fälle, diskutieren mögliche Fehlerquellen bei Behandlungen. «Auf diese Weise profitieren die Versicherten vom Wissen und von den Erfahrungen einer ganzen Gruppe von Ärzten - und nicht nur von einem einzelnen Arzt», sagt Peter Berchtold, Präsident des FMC, und nennt als Beispiel die Überweisungen: «Das Netz hat einen Überblick über die Qualität und die Kosten von Spezialisten und Spitälern - die Entscheidungen erfolgen viel bewusster und gezielter.»
Roman Buff, Hausarzt in Arbon, ist seit 1996 einem Netzwerk angeschlossen und gehört damit zu den Pionieren. Was hat er davon? «Der regelmässige Austausch führt eindeutig zu mehr Kompetenz.» Ausserdem hätten sie als Netz eine bessere Position gegenüber den Krankenkassen. Und was haben die Patienten davon? Buff nennt als Erstes die Qualitätszirkel und bezeichnet sie als «Herz des Netzes». Hier treffen sich die Ärzte regelmässig und besprechen zum Beispiel komplexere Fälle. Ebenso regelmässig werden externe Fachleute beigezogen, um das Zusammenspiel über die hausärztliche Tätigkeit hinaus zu verbessern.
Ältere Menschen profitieren
Während die Ärzte ihre Patienten und die Behandlungsqualität im Auge haben, stellen Krankenkassen den Prämienrabatt in den Vordergrund - und ziehen damit die Falschen an: junge Gesunde, bei denen es kaum etwas zu steuern und kaum Kosten zu sparen gibt. Zudem bieten einige Versicherer Hausarztmodelle an, die den Ärzten gar nicht passen: Die Kasse erstellt nach eigenem Gutdünken eine Ärzteliste, aus der die Patienten im Krankheitsfall wählen können (in der Tabelle im Nebenartikel «Managed Care: Wer bietet was an?» mit «Hausarzt (Ärzteliste)» bezeichnet). Oft wissen die Ärzte aber nicht einmal, ob sie auf dieser Liste sind; auch haben die meisten keinen Vertrag mit diesen Kassen ausgehandelt. Grundlage jedes richtigen Hausarztmodells sind jedoch Verträge zwischen dem Ärztenetz und den einzelnen Kassen mit verpflichtenden Abmachungen zur Zusammenarbeit.
Für die Versicherten bedeutet das: Bevorzugen Sie echte Hausarzt- oder HMO-Modelle. Fragen Sie also Ihren Hausarzt, ob er einem Netz angeschlossen ist und mit welchen Kassen dieses einen Vertrag hat. Denn je verbindlicher die Vereinbarung ist, desto höher ist der Prämienrabatt. Klären sollten Sie ausserdem, welche Wahlmöglichkeiten bei der Überweisung zu einem Spezialarzt oder in ein Spital bestehen.
Wichtig auch: Ein Wechsel ist vor allem für ältere Menschen prüfenswert, die bereits Beschwerden oder Krankheiten aufweisen. Sie können am meisten vom Wissen und von den Erfahrungen profitieren, die in einem Netz versammelt sind - und das erst noch zu günstigeren Prämien.
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© Beobachter Ausgabe 21 vom 10. Okt 2007 - Alle Rechte vorbehalten






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