Winterkrankheiten

Oma ist der beste Doktor

Text:
  • Christof Dejung
Ausgabe:
1/06

Was schon die Grossmutter wusste, sagen auch Fachleute: Hausmittel und Bettruhe sind bei Grippe & Co. oft wirksamer als die chemische Keule.

Winterzeit ist Schnupfenzeit. Es gibt wohl niemanden, der im Winter nicht irgendwann einmal eine Erkältung oder eine Grippe hat. «Im Winter ist der Körper aufgrund von Licht- und Vitaminmangel geschwächt», erklärt Marcel Mesnil, Generalsekretär des Schweizerischen Apothekerverbands. Ausserdem fühlten sich viele Viren in der kühlen Luft wohl. «Und im Winter trocknen in den überheizten Räumen die Nasenschleimhäute aus», sagt Mesnil. «Deshalb können sich dort Viren festsetzen.»

Als vorbeugende Massnahme gegen Winterkrankheiten empfehlen Fachleute, in den Innenräumen einen Wasserverdampfer aufzustellen, regelmässig zu lüften und die Nase ab und zu mit einem Salzwasserspray zu spülen – das befeuchtet die Schleimhäute. Auch eine gesunde Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und regelmässige Saunabesuche machen den Körper robuster.

Wenn sich die Viren dann doch im Körper eingenistet haben, suchen viele Betroffene den Arzt oder die Apotheke auf. Über 200 Millionen Franken geben die Menschen in der Schweiz jedes Jahr für Erkältungs- und Grippemittel aus – oft überflüssigerweise. Der Zürcher Hausarzt Thomas Walser sagt: «Noch immer gilt der alte Spruch, dass eine Erkältung mit Medikamenten behandelt sieben Tage dauert und ohne Behandlung eine Woche.»

Wann muss man zum Arzt?

Wer ungeduldig ist, schädigt sich oft nachhaltig. Viele Medikamente haben Nebenwirkungen. So warnt Walser vor Nasentropfen mit abschwellender Wirkung: «Die sind zwar hoch effektiv, wenn man sie aber zu lange einnimmt, kommt es zu einer Abhängigkeit. Im schlimmsten Fall kann gar die Nasenschleimhaut zerstört werden.» Maximal eine Woche darf man die Tropfen anwenden. Zudem können auch vermeintlich harmlose Erkrankungen bei einer Fehlbehandlung verheerend enden – nämlich dann, wenn über längere Zeit Symptome unterdrückt werden. Walser: «Die Betroffenen denken, sie seien wieder gesund, und merken nicht, dass sich die Krankheit verschlimmert.» Im schlimmsten Fall kann sogar eine Lungenentzündung die Folge sein.

Es ist also besser, wenn man das Frühwarnsystem des Körpers ernst nimmt. Thomas Walser: «Ein bis zwei Tage Bettruhe und gleichmässige Wärme können Wunder bewirken.» Gut sei eine abendliche Schwitzkur, um Schadstoffe aus dem Körper auszuscheiden: «Trinken Sie ein bis zwei Liter schweisstreibenden Tee. Dann gehts dick eingepackt ins Bett.» Schwarztee ist nicht geeignet, da er dem Körper mehr Flüssigkeit entzieht, als man aufnimmt. Besser wirken da Lindenblüten-, Holunderblüten- oder Hagebuttentee.

«Ein Arztbesuch ist nur angezeigt bei Fieber über 39 Grad, bei grosser Schwäche oder wenn die Krankheit nach einer Woche noch nicht überstanden ist», meint Walser. «Ausserdem sollte man sich ärztlich behandeln lassen, wenn sonstige Grundkrankheiten bestehen, der Auswurf beim Husten gelbgrün verfärbt oder blutig ist sowie bei Atemnot, bei starken Kopf- oder Gesichtsschmerzen oder bei seltsamen Hautausschlägen.» Kinder unter sechs Jahren und ältere Leute seien jedoch körperlich weniger widerstandsfähig. Bei ihnen empfehle sich ein frühzeitiger Arztbesuch.

Der fatale Griff zur Pille

Für normale Winterkrankheiten empfiehlt sogar Marcel Mesnil die guten alten Hausmittel, auch wenn Apotheker an Zwiebelwickeln nichts verdienen. Seine Erfahrung ist allerdings, dass Kunden oft uneinsichtig sind: «Die Leute wollen bei einem Gesundheitsproblem eine Tablette nehmen und fertig. Sie haben keine Zeit, Wickel zu machen.» Dabei hilft der Wickel nicht nur dem Körper, sondern auch dem Konto: Die Kosten sind im Vergleich zu Pharmaprodukten minimal. Nebenwirkungen können bei Hausmitteln also nur positiv sein.

 

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© Beobachter Ausgabe 1 vom 05. Jan 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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