Diäten

Rezepte gegen runde Pfunde

Text:
  • Marianne Botta Diener
Ausgabe:
8/04

Profiline, Weight-Watchers, «FdH», Kohlsuppe und Ersatzmahlzeiten: fünf Schlankmacherprogramme im Vergleich – damit das Abnehmen wirklich eine runde Sache wird.

Mit Diäten hat Beatrice Ebner Gysin aus Oberdorf im Kanton Baselland schon in ihrer Jugend ihre Erfahrungen gemacht. Doch keiner der vielen Versuche brachte ihr Gewicht nachhaltig zum Schwinden. Erst als die zweifache Mutter vor drei Jahren einen Brief von der Krankenkasse erhielt, in welchem sie als «adipös», also als «fettleibig» bezeichnet wurde, wusste sie, dass dringend etwas passieren musste: «Das frustrierte mich derart, dass ich mich für einen Beitritt bei den Weight-Watchers entschied», erzählt die 33-jährige Frau.

Der Grund des Übergewichts ist in den meisten Fällen banal: Man isst mehr, als man verbraucht. Auch wenn die Gene mitentscheiden, wie gut oder schlecht jemand Fett einlagern kann – mit genügend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung lässt sich einer solchen Veranlagung ein Schnippchen schlagen. Und nur ganz selten sind Krankheitsgründe wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion oder die Einnahme von Kortison schuld an den überflüssigen Kilos.

Übergewicht kann gefährlich werden
«Niemand ist gern übergewichtig», meint die ernährungspsychologische Beraterin Heike Hinsen Isler aus Thun. Menschen mit Rundungen an den falschen Stellen leiden. Ihr Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Diabetes Typ II, Rücken- und Gelenkbeschwerden ist höher. Männer nehmen ab 30 kontinuierlich zu. Bei Frauen schnellt das Gewicht oft nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren in die Höhe.

Das Kleiderkaufen wird für Übergewichtige zum Spiessrutenlauf, und im Badekleid am Strand zu liegen bedeutet statt Erholung Stress pur. Trotzdem schaffen es nur 5 bis 15 von 100 Fettleibigen, langfristig abzunehmen.

Der Hauptgrund fürs Scheitern: Essen ist schlicht zu schön. «Wir wollen uns mit dem Essen etwas zuliebe tun», erklärt Hinsen Isler. So hilft das Essen, innere Anspannungen abzubauen. Man kompensiert damit ein Defizit an Erholung und Freizeit oder will sich einfach verwöhnen. «Wer seine Essenslust wirklich senken will, muss lernen, Defizite im Leben zu erkennen, sie zu beheben oder anders als über den Gaumen zu lindern.» Deshalb nützt eine Blitzdiät, während der man sich lediglich ein paar Wochen lang zusammenreisst, sonst aber nichts ändert im Leben, gar nichts.

Doch wie gelingt das Abnehmen und das dauerhafte Halten des Gewichts? «Das geht nur, wenn das Ernährungs- und Bewegungsverhalten langfristig und bleibend umgestellt wird», sagt Esther Infanger.

Zuerst einmal braucht es realistische Ziele. Viele Abnehmewillige erwarten zu viel vom veränderten Essverhalten. «Eine Gewichtsabnahme von einem halben bis einem ganzen Kilo pro Woche ist realisierbar», so Infanger. Wer sich zirka 7000 Kilokalorien von den Lippen abspart, verliert etwa ein Kilogramm. Das heisst zum Beispiel, eine Woche lang täglich etwa 1500 statt 2500 Kilokalorien zu sich nehmen.

Der Beobachter-Diätenvergleich (siehe Artikel zum Thema «Vergleich: Fünf Diäten und was sie bringen») zeigt, was eine nachhaltige Fastenkur erfüllen muss:

 

  • Alle Nahrungsmittelgruppen sind enthalten, also Obst, Gemüse, Salate, Kohlenhydrate in Form von Vollkornprodukten, genug Eiweiss (Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte mit wenig Fett) und wenig Fett.

  • Sie zeigt auf, wie Fett und Zucker eingespart werden können.

  • Auf den positiven Aspekt von mehr Bewegung wird hingewiesen.

  • In der Diätinformation werden Tipps zum Essverhalten gegeben – zum Beispiel wie mit Heisshungerattacken oder Hungergefühlen umzugehen ist.

  • Die Diät beschränkt sich nicht nur auf einen Einwochenplan.

  • Das Diätprogramm gibt weitere Hilfestellungen zum Halten des Gewichts nach dem Abnehmen.

 

Die Diätenwerbung lügt meistens
Andere Diäten taugen nichts. Bei «FdH», Nullfasten oder der originalen Kohlsuppendiät werden etliche der oben genannten Punkte nicht erfüllt. Solche Diäten führen zum unerwünschten Jo-Jo-Effekt. Denn während einer so gravierenden Diät drosselt der Körper den Energieverbrauch. Sobald wieder normal gegessen wird, steigt das Gewicht wieder rapide an, sogar stärker als vor der Diät. Eine zu geringe Energiezufuhr führt ausserdem zu Heisshungerattacken, Müdigkeit und zum Abbau von Muskeleiweiss statt von Körperfett.

Hände weg von teuren Diäten mit unhaltbaren Versprechungen wie «Für immer schlank mit Ananaspillen» oder «Fünf Kilos weg in einer Woche mit der neuen Wunderdiät»! Wenn eine Diät oder ein Medikament entwickelt worden wäre, die oder das garantiert zum langfristigen Schlanksein führen würde, gäbe es keine Dicken mehr – und der Erfinder wäre schon längst Milliardär.

Die Vorher-nachher-Bilder dieser Inserate sind meistens Fotomontagen und die angeführten Ärzte und Wissenschaftler so frei erfunden wie die Erfahrungsberichte Betroffener. Auch eine Geld-zurück-Garantie bei Misserfolg täuscht. Ein weiterer Misserfolg frustriert nur und steigert den Bedarf an tröstenden Kalorien.

Einige Diäten sind zwar seriös, aber dennoch nicht erfolgversprechend. Besonders grosse Probleme hatte die übergewichtige Beatrice Ebner mit Spezialgetränken, die eine Mahlzeit ersetzen: Sie sass mit ihrem fad schmeckenden Drink am Mittagstisch, schaute ihren essenden Kindern zu und vermisste nichts mehr, als selber kauen und geniessen zu dürfen.

Ersatzmahlzeiten sind keine Lösung
«Solche Schlankheitsmahlzeiten sind lediglich ‹Krücken›, die einem helfen, Kalorien zu sparen und dadurch abzunehmen», kommentiert Expertin Infanger die so genannten Formula-Diäten wie Precon, Modifast, Slimline oder Figure Control. «Es findet dabei keine Verhaltensänderung statt.» Sobald mit den Ersatzmahlzeiten wieder aufgehört werde, steige das Gewicht unweigerlich wieder an.

Beatrice Ebner hat es dank Weight-Watchers geschafft. Sie gehört zu den wenigen, die ihr Gewicht nicht nur reduzieren, sondern auch langfristig unten behalten konnten. Seit drei Jahren schleppt sie 25 Kilogramm weniger mit sich herum. Die Panik vor dem Kleiderkaufen oder vor dem Schwimmbadbesuch gehören definitiv der Vergangenheit an.

 

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© Beobachter Ausgabe 8 vom 15. Apr 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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