Editorial
Es steht in den Sternen
Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Hellsichtige wissen deshalb: Die Wirtschaft wird trotz zeitweiser Erholung an den Börsen kaum aus dem Stottern kommen.
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Die Arbeitslosenzahlen dürften weiter steigen. Der Dollarkurs könnte schon im Frühling unter Druck geraten. Fürs Gold siehts im ersten Halbjahr günstig aus. Börsenanleger müssen sich ab April auf ein schwieriges Jahr gefasst machen.
In der Schweiz werden soziale Spannungen vermehrt thematisiert, man wird viel von Bürgerbewegungen und holzschnittartiger Politik hören. Im Bundesrat könnte es eher früher als später einen überraschenden Wechsel geben. Und
die Schweizer Fussballer dürften an der WM in Südafrika einen starken Eindruck hinterlassen.
Sie möchten wissen, woher ich das alles weiss? Kein Problem: In unserer Titelgeschichte «Seher, Schamanen, Scharlatane» erfahren Sie, was hinter der Kunst und den Methoden der Hellseher steckt, wie Sie selber mit treffsicheren Prognosen aufwarten können (siehe oben) und wie schlitzohrige Wahrsager Sie trickreich um den Finger wickeln.
Es ist ein Urwunsch des Menschen, die Zukunft zu sehen. Hellseher und Sterndeuter berieten Kaiser und Feldherren und schlossen nach dem Gesetz der Analogie vom Kaffeesatz oder dem Lauf der Planeten auf unser eigenes Schicksal. Ganz nach dem hermetischen Grundsatz: Alles zeigt sich in allem.
Heute ist das menschliche Genom entschlüsselt, doch noch immer ist unser Geist nicht erklärt. Gerade deshalb werden Bücher über parapsychologische Phänomene schneller geschrieben, als viele von uns lesen können. Gabs da nicht Propheten mit dunklen Ahnungen von Kriegswirren, Feuerstürmen, Bedrängnis und Katastrophen? Trifft das nicht exakt unsere Zeit? Doch warum lag Nostradamus dann falsch,
wo er überprüfbare Angaben lieferte wie mit jenem Vierzeiler über eine drohende Katastrophe in Paris im Juli 1999?
Wo die Wissenschaft an Grenzen stösst
Zwar hat die moderne Physik manche Sicherheit des mechanistischen Weltbildes zertrümmert und ist auf der Suche nach dem Anfang der Schöpfung in Sphären vorgestossen, in denen fast alles möglich scheint. Die Welt erklärt sie mit elf und mehr Dimensionen − und wer weiss, ob nicht irgendwann irgendwo im Gerüst von Raum und Zeit auch Zukünftiges erkennbar wird.
Noch bleibt so was Spekulation. Die CIA hatte zusammen mit dem Stanford Research Institute 24 Jahre lang Tausende Personen auf ihre hellseherischen Fähigkeiten getestet und geschult. Ziel war es, die Pläne und Anlagen möglicher Gegner via Geisteskraft auszuloten. Im 80'000 Seiten starken Schlussbericht von 1995 wurde auch bilanziert, dass «paranormale Phänomene» wie etwa die Telepathie «manchmal funktionieren».
Aber in die Zukunft hat kein Einziger gesehen. Und das ist vielleicht ganz gut so.
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© Beobachter Ausgabe 26 vom 24. Dez 2009 - Alle Rechte vorbehalten



