Editorial
Gott und die Wissenschaft
«Wenn die Hirnforschung Glaubensphänomene als biochemische Vorgänge beschreibt, entschlüsselt sie nicht das Rätsel dahinter.»
Artikel zum Thema
Spätestens seit der US-Neurologe Michael Persinger in den frühen achtziger Jahren seinen Religions- oder Gotthelm entwickelt hat, ist Gott für viele Rationalisten ins Reich der Illusionen verbannt. Denn Persinger gelang es, mittels magnetischer Stimulation der Schläfenlappen bei Versuchspersonen mystische Erfahrungen hervorzurufen. Gott, behauptete der Forscher und Atheist daraufhin, habe seinen Ursprung allein in unserem Hirn, sei quasi Randprodukt eines kleinen epileptischen Anfalls.
Ist Gott also nichts anderes als ein neuronales Wetterleuchten? Nein, diese Erklärung greift zu kurz. Wenn die Hirnforschung Glaubensphänomene als biochemische Vorgänge beschreibt, entschlüsselt sie nicht das Rätsel dahinter. Genauso gut liesse sich postulieren, bestimmte Hirnareale seien exakt darauf angelegt, in Kontakt mit dem Schöpfer zu treten. Unser Hirn hätte demnach ein Tor zum Weltgeist eingebaut. Eine These, die in Wissenschaftskreisen durchaus Unterstützung findet, wie unsere Titelgeschichte zeigt (siehe Artikel zum Thema «Religion: «Gott erscheint im Kopf». Alex Gamma, Neurobiologe an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich, vergleicht das Hirn mit einem Fernseher, der verschiedenste Programme empfangen könne. Eine Art «Gotteskanal» ermögliche es den Menschen, eine andere Dimension wahrzunehmen – eine Dimension, in der möglicherweise auch ein Gott Platz hat.
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© Beobachter Ausgabe 26 vom 23. Dez 2008 - Alle Rechte vorbehalten




