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    Koni Rohner
    Redaktion Beobachter
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Kindstod

Mit der Trauer leben lernen

Text:
  • Esther Haas
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
Ausgabe:
14/03

Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 700 Kinder vor, während oder kurz nach der Geburt. Für die Eltern ist dies ein aufwühlendes Schicksal.

Kindstod: Mit der Trauer leben lernen

«Nach den ersten drei Monaten Schwangerschaft sorgte ich mich nicht mehr», erinnert sich Monika Rothen. Warum auch. Ihre beiden Buben waren ja gesund zur Welt gekommen. Doch in einer Nacht Ende des sechsten Monats wachte sie plötzlich auf. «Eine unerklärliche Angst hatte mich gepackt.»

 

Rang die kleine Noa, wie Monika und Daniel Rothen ihr tot geborenes Töchterchen später tauften, damals um ihr Leben? Die Ultraschalluntersuchung am folgenden Tag brachte die erschütternde Gewissheit. «Meine Bauchmitte war leer. Noa lag ganz unten, unnatürlich verrenkt wie ein abgestürztes Engelchen. Mir war sofort klar, dass mein Baby tot war.»

 

In der Schweiz kommt jeden Tag ein Kind tot zur Welt. Ebenso viele Neugeborene sterben im ersten Lebensmonat. Zudem schätzen Fachleute, dass jede vierte Schwangerschaft vor der 24. Woche durch Fehlgeburt oder Abort endet. Die kleine Noa starb wohl wegen verminderter Blutzufuhr: Die Nabelschnur hatte sich zweimal um ihren Hals geschlungen. In mehr als der Hälfte der Fälle ist die Todesursache aber unklar. «Vor allem beim Kindstod am Ende der Schwangerschaft ergeben auch Obduktionen häufig keinen krankhaften Befund», sagt der Berner Gynäkologe Alois Deplazes. «Im letzten Schwangerschaftsdrittel können vor allem Nabelschnurprobleme, ungenügende Leistung des Mutterkuchens, Infektionen oder Bluthochdruck der Mutter für den Tod des Kindes verantwortlich sein.»

 

Viele sind überfordert

15 Stunden nach Spitaleintritt kam die leblose Noa zur Welt. Den Eltern blieb gerade genug Zeit, um sich von ihrer Tochter zu verabschieden. Zu Hause waren Monika und Daniel Rothen auf sich selber gestellt. «Ich zog mich zurück und kam mir vor wie in einem Schneckenhaus», sagt der Vater.

 

«Der Umgang mit einer solchen Situation ist für alle sehr schwierig», sagt Elisabeth Wenk, Präsidentin des «Vereins zur Förderung einer professionellen Beratung und Begleitung bei Fehlgeburt und perinatalem Kindstod». Noch ist man sich in vielen Spitälern der Problematik zu wenig bewusst. «Nicht überall ist die Betreuung optimal», sagt Wenk vorsichtig. Vor allem wenn die Todesursache nicht klar sei, könne es zu «eigenartigen Interpretationen» auch durch Fachleute kommen. Dabei bräuchten Eltern «konkrete Angebote für die Bewältigung des Unglücks».

 

«In meinem Zustand war ich nicht fähig, mir Hilfe zu organisieren», sagt Monika Rothen. Oft helfen sich die Eheleute gegenseitig. Manchmal belastet die Trauer jedoch auch die Partnerschaft. «Man kann nicht alles gemeinsam bewältigen», sagt Daniel Rothen. «Wir mussten lernen, dass ich als Mann und Vater andere Bedürfnisse habe als Monika als Frau und Mutter.»

 

So bewältigen Sie die Katastrophe

  • Geben Sie Ihren Gefühlen Raum. Auch wenn das Kind noch nicht «bewusst» gelebt hat, ist es Teil der Familie.

  • Beziehen Sie die älteren Kinder in den Trauerprozess ein.

  • Sprechen Sie mit Ihren Mitmenschen über Ihre Trauer. Verwandte und Freunde sind froh, wenn Sie ihnen signalisieren, was Sie brauchen.

  • Informieren Sie auch Ihr weiteres Umfeld über den Tod Ihres Kindes, zum Beispiel mit einer Anzeige. Sie vermeiden damit, dass Nichtsahnende Ihnen zur Geburt gratulieren.

  • Suchen Sie professionelle Unterstützung: Haushaltshilfe, Rückbildungskurse, Massagen und psychologische Betreuung helfen, den Alltag zu bewältigen.

  • Lassen Sie sich Zeit mit einer weiteren Schwangerschaft. Ein «neues» Kind kann das verstorbene nicht ersetzen.

Hilfe und Beratung

© Beobachter Ausgabe 14 vom 11. Jul 2003 - Alle Rechte vorbehalten

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