Abszess Ein Störenfried, der unter die Haut geht

Sie können klein sein wie Erdnüsschen oder gross wie ein Apfel: Abszesse. Alle sind unangenehm, manche sind schmerzhaft – und einige können gefährlich werden.

Was ist ein Abszess?

Eine Eiteransammlung, die praktisch überall am und im Körper vorkommen kann: Im Gewebe entsteht ein Hohlraum, der sich mit Eiter füllt. Um diesen Hohlraum herum kann eine Kapsel entstehen – diese Reaktion soll verhindern, dass sich der Abszess weiter ausbreitet. Am häufigsten bildet sich ein Abszess in den Schichten der Haut.

Die gesunde Haut gliedert sich in drei Schichten: Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut.

Wie entsteht ein Abszess?

Durch eine Entzündung oder einen Infekt durch Bakterien oder Pilze. Ursache ist oft das Bakterium Staphylococcus aureus. Sind Haut und Schleimhäute gesund, richtet es kaum Schaden an – sehr wohl aber bei Verletzungen oder wenn die Haut ohnehin angegriffen ist, etwa durch Schuppenflechte. Auch Allergiker mit Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen neigen häufig zu Hautinfekten. Der Körper wehrt sich mit einer Entzündung gegen die Eindringlinge. Es entsteht Eiter, ein Gemisch aus weissen Blutkörperchen, zertrümmerten Zellen und verflüssigtem Gewebe.

Ist die Haut angegriffen, können Bakterien leichter eindringen. Bei Abszessen ist oft das Bakterium Staphylococcus aureus die Ursache.

Wie macht sich ein Abszess bemerkbar?

Ähnlich wie ein grosser Pickel: Auf der Haut bildet sich eine rote, geschwollene, sich warm anfühlende und manchmal pochende Stelle. Sie spannt und tut weh, wenn man sie berührt. Sind die Abszesse grösser oder betreffen sie innere Organe, können Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Schüttelfrost hinzukommen. Von einem «kalten Abszess» sprechen Ärzte, wenn Anzeichen wie Schmerzen oder Rötungen fehlen.

Der Körper wehrt sich und löst eine Entzündung aus. Dabei entsteht Eiter in einem neuen Gewebe-Hohlraum. Ein Haarbalg-Abszess heisst Furunkel.
 

Sind Abszesse eine häufig beobachtete Krankheit?

Sie machen zwei Prozent der Spitalnotfälle aus. Stark betroffen sind Drogenabhängige, die Spritzen teilen.

Furunkel und Karbunkel – was ist der Unterschied?

Die schmerzhafte, eitrige Entzündung eines Haarbalgs nennt man Furunkel. Vereinen sich mehrere Furunkel, also Haarbalg-Abszesse, nennt man das einen Karbunkel.

Deutet das mehrmalige Auftreten von Abszessen auf andere Krankheiten hin?

Es kann auf ein geschwächtes Immunsystem oder Diabetes hindeuten. Verheilt der Abszess schlecht, kann das auf ein schwerwiegenderes Leiden hinweisen.

Kann man Abszessen vorbeugen?

Nur bedingt. Man kann kleine Hautverletzungen sauber halten. Und allgemein auf eine gute Körperpflege achten; Abszesse bilden sich oft an Stellen, an denen man stark schwitzt. Analabszesse tauchen unter anderem bei Verdauungsproblemen wie Verstopfung auf. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung helfen dagegen. Auch ständiges Reiben und Scheuern ist schlecht für die Haut: Deshalb sollte man besser auf knalleng sitzende Kleidung verzichten.

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Kann man einen Abszess selbst behandeln?

Besser nicht, empfiehlt Marco Stieger, Dermatologe im Inselspital Bern. Vorsichtig sollte man bei Abszessen im Gesicht sein, vor allem dann, wenn sie nahe der Nase oder der Augen auftauchen. Wer daran herumquetscht, riskiert, dass Krankheitserreger ins Gehirn gelangen. Hirnabszesse sind zwar selten, können aber lebensgefährlich sein. Ein weiteres Alarmzeichen: ein vom Abszess ausgehender rötlicher Streifen auf der Haut. Das deutet auf eine Blutvergiftung hin. Man muss dann umgehend zum Arzt oder ins Spital.

Sind alle Abszesse gefährlich?

Nein. Dennoch sollte man sie vom Hausarzt oder von der Hautärztin begutachten lassen. In manchen Fällen kann der Eiterherd so gross werden wie eine Handfläche und starke Schmerzen verursachen. Dann hilft nur eine Operation: Der Abszess wird mit dem Skalpell geöffnet, um den Eiter über eine Drainage abfliessen zu lassen. Die Wunde wird nicht vernäht: «Das ist wichtig, damit sich keine neue Abszesshöhle bilden kann», sagt Dermatologe Marco Stieger. Ist der Abszess noch nicht reif, wird oft ein Zugsalbenverband aufgelegt, um den Prozess zu beschleunigen. Auch hier gilt: nicht selbst Hand anlegen, auch wenn man die Salben ohne Rezept kaufen kann. Wichtig nach der fachmännischen Behandlung: die Wunde täglich abduschen und den Verband wechseln. Bis die Wunde vollständig verheilt ist, können Wochen vergehen.

Text:
  • Vera Sohmer
Bild:
  • Anne Seeger
31. Mai 2013, Beobachter 11/2013