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Alessandro Mattiola

«Das Problem ist mangelnde Routine»

Text:
  • Andrea Haefely
Bild:
  • Florian Bachmann
Ausgabe:
3/09

Kunstfehler sind programmiert: Konkurrenz und wirtschaftlicher Druck bringen Zahnärzte dazu, sich technisch zu viel zuzumuten, sagt Experte Alessandro Mattiola.

Alessandro Mattiola, 41, ist Spezialist für rekonstruktive Zahnmedizin in Wohlen AG und erstellt Schlichtungsgutachten für die Zahnärzte­gesellschaft Aargau.

Beobachter: Wo passieren in der Zahnmedizin die gröbsten Fehler?
Alessandro Mattiola: Unter anderem in der Implantologie. Wenn da etwas schiefgeht, ist es immer schmerzhaft, teuer und langwierig. Das liegt aber nicht an der Technik selbst, sondern vor allem an fehlender Auf- und Abklärung durch den behandelnden Arzt, mangelhafter Nachbetreuung und Mundhygiene und an den zu hohen Erwartungen der Patienten.

Beobachter: Wer darf in der Schweiz Implantate setzen?
Mattiola: Jeder Zahnarzt mit einer Praxis- oder Arbeitsbewilligung.

Beobachter: Aber kann es auch jeder?
Mattiola: Nein. Wie Gefässchirurgen oder Urologen sind auch Implantologen Spezialisten. Sie müssen Kenntnisse in der Kieferchirurgie wie auch in der rekonstruktiven Zahnmedizin haben. Da es aber in der Schweiz noch keinen Anforderungskatalog und keine gesonderte Ausbildung gibt, darf jeder Zahnarzt, der sich traut, auch Implantate setzen.

Beobachter: Und das geht gut?
Mattiola: Oft geht es gut, manchmal aber eben auch nicht. Hauptsächlich ist mangelnde Routine das Problem. Man geht davon aus, dass ein Zahnarzt rund 80 Implantate im Jahr setzen muss, um genügend Übung zu haben. Dann gibt es auch jene, die einfache Fälle gut ausführen, von komplexen aber besser die Hände lassen würden. Aber Konkurrenz und wirtschaftlicher Druck führen bei einzelnen dazu, dass sie sich mehr zumuten, als ihre Fähigkeiten erlauben.

Beobachter: Haben Sie selber auch schon Patienten weggeschickt?
Mattiola: Ja. Immer dann, wenn die technischen Voraussetzungen für ein Implantat nicht gegeben sind oder jemand unerfüllbare Wünsche hat.

Beobachter: Unerfüllbare Wünsche?
Mattiola
: Es gibt Patienten, die kommen mit einem Foto zu mir und sagen: «So ein Gebiss will ich.» Oft liegen da Wunsch und Machbarkeit weit auseinander.

Beobachter: Wie hoch ist die Misserfolgsquote?
Mattiola: Man rechnet mit fünf bis zehn Prozent innert zehn Jahren – bei fachmännischster Behandlung, wohlgemerkt. Jeder, der Implantate setzt, hat Misserfolge, ich auch. Wenn ein implantierter Zahn nicht hält, bedeutet das aber nicht zwingend Pfusch. Und man kann viel dazu tun, die Quote niedrig zu halten. Vor allem braucht es viel Zeit.

Beobachter: Aber die Werbung verspricht tolle neue Zähne in Wochen…
Mattiola: Wer einem Raucher mit schlechter Zahnhygiene und Zahnfleischproblemen auf die Schnelle Implantate verpasst, arbeitet unseriös. Zahnfleischprobleme müssen Sie vorgängig in den Griff kriegen, das allein kann eineinhalb Jahre dauern. Und am wichtigsten ist die Nachbetreuung. Deshalb ist es nicht empfehlenswert, Implantate von einem ausländischen Zahnarzt, der nur kurze Zeit in der Schweiz praktiziert, oder im Ausland machen zu lassen.

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© Beobachter Ausgabe 3 vom 05. Feb 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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