Erkältungen
Alte Rezepte ausgraben
Schnupfen, Husten, Heiserkeit: Lindernde Hausmittelchen aus der Vorratskammer sind oft genauso wirksam wie Medikamente – aber billiger.
Nebenartikel
Schaufelt der Bündner Liedermacher Linard Bardill nachts um zwei Uhr in seinem Garten Schnee, tut er das nicht, um sich fit zu halten. Dann schmerzt vielmehr sein Hals, die Nase trieft, und es kratzt im Rachen – Erkältungssymptome, die er als Sänger nicht gebrauchen kann. Deshalb legt er mit Muskelkraft seine winterharte Salbeipflanze frei und kocht sich aus den Blättern einen Tee.
«Notfallübung» nennt Linard Bardill das und betont, dass er das nächtliche Schuften eindeutig einem Arztbesuch vorziehe. «Mit dem konzentrierten Salbeisud gurgle ich dann regelmässig.»
Solche natürliche Methoden wirken oft nicht nur um einiges schneller als viele chemische Medikamente, sondern sind auch viel billiger. «Hausgemachte Wickel, Dämpfe, Gurgellösungen oder Tees mit Zutaten aus der eigenen Küche machen den Arztbesuch bei Erkältungen in den meisten Fällen überflüssig», erklärt die homöopathische Ärztin Heidi Geissbühler aus Schindellegi. Es gebe heute zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die die hohe Wirksamkeit solcher Hausmittel eindeutig belegten.
Wirkung der Helfer aus der Küche
Grundsätzlich unterstützt ein gutes Hausmittel den Selbstheilungsprozess des Körpers. Die kleinen Helfer aus der Küche wirken jedoch ganz unterschiedlich:
- Pflanzliche Lebensmittel wie Salbei, Thymian, Meerrettich oder Zwiebeln enthalten viele hochwirksame Substanzen – so genannte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Im Salbei etwa sind ätherische Öle enthalten, die zusammen mit Gerbstoffen Bakterien und Viren töten. Das Zusammenspiel der Pflanzenstoffe hemmt zudem Entzündungen und lindert Schmerzen. Thymian enthält ebenfalls ätherische Öle, die hochwirksam sind: Er desinfiziert, löst Schleim und lindert so den Husten. Einige Inhaltsstoffe der Zwiebel haben sogar den gleichen Effekt wie Antibiotika.
- Saure Gurgellösungen mit Apfelessig oder Zitrone lassen das Gewebe abschwellen.
- Kochsalzlösungen helfen, Viren und Bakterien aus der verstopften Nase zu spülen.
- Dämpfe befeuchten die Schleimhäute und bringen die ätherischen Öle aus den Kräutern direkt zu den erkrankten Stellen in den Atemwegen.
- Warme Wickel fördern die Durchblutung. Sie helfen, den eingedickten Schleim in den Atemwegen zu lösen, und unterstützen so die Virenausscheidung. Geschwellte Kartoffeln oder Leinsamen speichern die Wärme ausgezeichnet und sind deshalb besonders wirksam.
- Kalte Wickel mit Quark oder Zitrone lassen das Gewebe abschwellen und lindern die Schmerzen.
- Flüssigkeit unterstützt die Heilung der Schleimhäute. Und weil häufiges Trinken den zähen Schleim verflüssigt, machen Holundersirup oder Fencheltee schleimlösende Hustenmedikamente in den meisten Fällen völlig überflüssig.
Ausserdem haben Hausmittel eine Reihe positiver Nebenwirkungen. Besonders Kindern geben solche Massnahmen die Sicherheit, dass der Körper mit vielem selber fertig werden kann», sagt Heidi Geissbühler. Zudem erhalten sie von den Eltern eine Extraportion Zuwendung.
Doch auch Erwachsene sollten sich die Auszeit gönnen, die ihnen von der Krankheit «verordnet» wird. Denn mit jeder Erkrankung – und sei es «nur» ein kleiner Schnupfen oder eine Erkältung – signalisiert der Körper, dass er Schonung und Pflege braucht.
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© Beobachter Ausgabe 26 vom 24. Dez 2003 - Alle Rechte vorbehalten



