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Gesundheit

Kampf den Krampfadern

Text:
  • Vera Sohmer
Bild:
  • Jupiterimages
Ausgabe:
10/09

Krampfadern können Schmerzen verursachen und zur ernsthaften Gefahr werden. Doch selbst wer die Veranlagung hat, kann etwas für gesunde Beine tun.

Die Venen in den Beinen leisten Erstaunliches – sie transportieren Blut in Gegenrichtung zur allmächtigen Schwerkraft. Für gesunde Venen ist das kein Problem. «Die Wadenmuskulatur und Venenklappen sorgen dafür, dass Blut nur in eine Richtung fliesst, nämlich nach oben», erläutert der Zürcher Gefässchirurg Christoph Thalmann. Anders bei kranken Venen: Ihre Klappen sind defekt, das Blut fliesst in die Beine zurück, staut sich und versackt. Das unschöne Ergebnis sind ­geschlängelte, hervorquellende Venen – Krampfadern eben. Jeder fünfte Erwach­sene leidet darunter, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Krampfadern sind weit mehr als ein kosmetisches Problem. Sie können Beschwerden verursachen – «schwere Beine» und Wassereinlagerungen (Ödeme) an den Knöcheln. Mit der Zeit kann sich die Haut bräunlich oder weisslich verfärben. In schweren Fällen werden Haut- und Unterhautgewebe so schlecht durchblutet, dass sich nässende, schlecht oder gar nicht heilende Wunden bilden, im Volksmund auch «offenes Bein» genannt. Weitere Gefahren sind Venenentzündungen oder in seltenen Fällen Blutgerinnsel in den Krampfadern: Thrombosen. Sie können unter Umständen eine Lungenembolie verursachen – und die kann tödlich sein.

Wann wird eine Behandlung notwendig?

Muss man Krampfadern in jedem Fall behandeln lassen? «Viele Menschen mit kranken Venen haben ein Leben lang keine Beschwerden; es gibt also keinen Grund, sie zu therapieren», sagt Hilde Berwarth Blum vom Zürcher Venenzentrum am See. Behandeln lassen sollte sich, wer Beschwerden oder Schmerzen hat. Oder bei wem sich die Haut am Unterschenkel verfärbt oder verhärtet. Gründe für eine Therapie sind darüber hinaus Venenentzündungen oder Thrombosen, ergänzt Christoph Thalmann. Für viele Patientinnen und Patienten spiele zudem die kosmetische Komponente eine grosse Rolle; sie halten ihre Krampfadern schlicht für unansehnlich. Thalmanns Rat: mit dem Arzt besprechen, ob ein Eingriff die gewünschte Verbesserung auch wirklich bringt.

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Hände weg von Hausmittelchen

Jürg Traber, ärztlicher Direktor in der Capio Venenklinik in Kreuzlingen, warnt vor Anwendungen auf eigene Faust: Auf keinen Fall sollte man mit Hausmittelchen experimentieren, beispielsweise die Unterschenkel mit Alkohol einreiben. Damit trockne man die meist schon lädierte Haut aus und verursache im schlimmsten Fall ein «offe­nes Bein». Deshalb: sich beraten und eine saubere Diagnose stellen lassen. Damit könne man schwere Komplikationen oder chronische Venenschwäche vermeiden.

Guter Rat von Venenspezialisten ist auch bei der Behandlung gefragt, denn es gibt zahlreiche Techniken. Welche in Frage kommen, hängt davon ab, wie schwer das Leiden ist: Sind nur Seitenäste betroffen, reicht es oft, diese zu veröden, mit Ultraschall beispielsweise. Kranke Stammvenenhingegen werden mit einem Laser verschlossen. Beim operativen Stripping wird die Stammvene mit einem Draht (Stripper) aufgefädelt und herausgezogen. Danach fliesst das Blut durch gesunde Venen, von denen es genug gibt. Unabhängig von der Methode müssen nach jeder Behandlung Kompressionsstrümpfe getragen werden. Was man wissen sollte: Nach den Eingriffen können sich neue Krampfadern bilden.

So bleiben Ihre Beine gut im Strumpf

Krampfadern werden meist vererbt, ihre Auswirkungen können jedoch durch un­gesunde Lebensweise schlimmer werden. Tipps, damit die Beine gesund bleiben:

  • Bewegen Sie sich. Aquajogging, Schwimmen, Skilanglauf, Wandern oder Velofahren sind geeignete Sportarten.

  • Kneippen Sie. Taulaufen, Wassertreten, kalte Fussbäder oder Schenkelgüsse tun den Beinen und den Venen gut. Tipps unter www.kneipp.ch.

  • Vermeiden Sie langes Sitzen und langes Stehen. Wer im Beruf dauernd stehen muss, sollte Stützstrümpfe tragen.

  • Vermeiden Sie übermässige Wärme an den Beinen und verzichten Sie auf heisse Bäder oder exzessive Sonnen­bestrahlung.

  • Übergewicht belastet Herz, Kreislauf und Venen. Deshalb: Halten Sie das Normalgewicht und ernähren Sie sich gesund.

© Beobachter Ausgabe 10 vom 14. Mai 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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