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Heuschnupfen

Getrübte Frühlingsfreude

Text:
  • Alan Niederer
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
Ausgabe:
7/98

Ein Wundermittel gegen Heuschnupfen gibt es nicht - aber ein paar Rezepte, die Linderung versprechen.

Heuschnupfen: Getrübte Frühlingsfreude

Heuschnupfen - in der medizinischen Fachsprache auch saisonale Rhinitis oder Pollinosis genannt - tritt in jedem Alter auf, doch die meisten Betroffenen sind zwanzig bis dreissig Jahre alt. Erste Symptome kommen bereits bei Kleinkindern vor. Die Häufigkeit dieser an sich harmlosen, aber lästigen Krankheit nimmt ständig zu.

 

Bereits im Mittelalter war Heuschnupfen als «Heufieber» bekannt. Der Name ist irreführend, denn Heuschnupfen wird weder durch Heu verursacht, noch gehört Fieber dazu. Auch mit dem «gewöhnlichen» Schnupfen, einer Virusinfektion, hat die Krankheit nichts zu tun. Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion, die durch Blütenstaubpollen von Gräsern, Getreide, Sträuchern und Bäumen hervorgerufen wird. Im Frühling, wenn alles grünt und blüht, sind unzählige dieser Pollen in der Luft. Die Pollen dringen in die Nasenschleimhaut und die Bindehaut der Augen ein und lösen eine Überempfindlichkeitsreaktion aus. Hauptverantwortlich für die Symptome ist Histamin, ein körpereigenes Hormon, das bei Allergien vermehrt ausgeschüttet wird.

 

Neben Pollen können auch Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze die typischen Beschwerden auslösen. Im Gegensatz zum klassischen Heuschnupfen treten diese Allergien aber ganzjährig auf. Meist fällt den Betroffenen der Zusammenhang ihrer Beschwerden mit einer Jahreszeit oder bestimmten Pflanze auf. Heuschnupfen ist auch stark von der Witterung und der Tageszeit abhängig. Die höchsten Pollenkonzentrationen findet man an sonnigen und windigen Tagen sowie in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag.

 

Wenn der Heuschnupfen stört, sollte man zum Arzt gehen. Spezialisten stehen verschiedene Tests zur Verfügung, um die verantwortlichen Pollen zu identifizieren. Steht die Diagnose fest, muss der Heuschnupfen behandelt werden, denn aus dem harmlosen «Frühlingspfnüsel» kann sich in seltenen Fällen ein gefährliches allergisches Asthma entwickeln. Man spricht dann von einem «Etagenwechsel»: Die allergische Reaktion beschränkt sich nicht mehr auf Nasenschleim- und Augenbindehaut, sondern spielt sich in den Bronchien ab.

 

Die moderne Medizin kennt drei Stufen der medikamentösen Heuschnupfenbehandlung:

 

  • Cromoglicinsäure: Dieses Medikament gibt es als Nasenspray, Augentropfen oder Tabletten. Es wirkt jedoch nur vorbeugend, muss also schon vor der Heuschnupfensaison regelmässig angewendet werden.

  • Antihistaminika: Sie blockieren das Ausschütten von Histamin und stoppen dadurch die allergische Reaktion. Antihistaminika gibt es auch in Tablettenform, als Spray oder Tropfen.

  • Kortison: Bringen die ersten beiden Therapiestufen keine Besserung, ist das rezeptpflichtige Kortison unerlässlich. Es unterdrückt die Abwehr- und Entzündungsreaktionen im Körper. Kortison steht als Augentropfen, Nasenspray, Tabletten und zum Inhalieren zur Verfügung. Kortisonspritzen kommen heute nur noch in Notfallsituationen zur Anwendung.

 

Neben diesen speziellen Medikamenten gibt es auch abschwellende Mittel, die eine verstopfte Nase befreien. Solche Nasentropfen oder -sprays sollte man aber nur kurzfristig verwenden. Sonst kommt es leicht zur Gewöhnung: In der Folge können Schäden an der Nasenschleimhaut auftreten.

 

Bei besonders hartnäckigem Heuschnupfen mit starken Beschwerden kann man sich heute durch eine Hypo- oder Desensibilisierung behandeln lassen. Dabei handelt es sich um eine Art «Impfung» gegen die allergische Reaktion. Wiederholt wird eine verdünnte Pollenlösung gespritzt, in der Hoffnung, dass sich der Körper mit der Zeit an die fremden Stoffe gewöhnt und nicht mehr mit einer heftigen Abwehrreaktion darauf reagiert. Die Desensibilisierung braucht Geduld. Sie dauert unter Umständen mehrere Jahre - mit siebzigprozentiger Erfolgschance.

Pollenschutz: Meiden Sie die Provokateure

So können Sie die Pollenmenge und damit die Heuschnupfenbeschwerden reduzieren:

 

  • Informieren Sie sich über die Pollensituation: Pollenprognose.

  • Nach dem Regen ist die Pollenbelastung gering. Nutzen Sie diese Zeit für Spaziergänge und sportliche Aktivitäten im Freien.

  • Schliessen Sie beim Autofahren in ländlicher Gegend die Fenster. Informieren Sie sich über einen Pollenfilter für Ihr Auto.

  • Schliessen Sie die Fenster zum Schlafen, denn in den frühen Morgenstunden besteht eine besonders hohe Pollenkonzentration in der Luft.

  • Lüften Sie Ihre Wohnung nur kurz und möglichst dann, wenn es draussen windstill ist.

  • Waschen Sie sich vor dem Schlafengehen die Haare, um die darin verfangenen Pollen zu entfernen.

  • In den Bergen und am Meer ist die Luft besonders arm an Pollen. Berücksichtigen Sie das bei Ihrer Ferienplanung.

© Beobachter Ausgabe 7 vom 24. Mär 1998 - Alle Rechte vorbehalten

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