• Jugend & Pubertät

    Das Leben als Teenager ist nicht immer einfach - auch für die Eltern nicht.

    Dossier

  • Gesundheitsforum

    In diesem Forum dreht sich alles um Ihre Gesundheit. Finden Sie Rat und lassen Sie sich von anderen Betroffenen Tipps geben.


    zum Forum

  •  

    Newsletter

     

    Den kostenlosen Newsletter abonnieren und alle zwei Wochen informiert sein

    abonnieren

Krebsvorsorge

Wenn Liebe gefährlich wird

Text:
  • Walter Aeschimann
Bild:
  • Laboratory of Tumor Virus Biology
Ausgabe:
22/09

Das Humane Papillomavirus kann Gebärmutterhalskrebs verursachen. Gegen die sexuell übertragbare Viruserkrankung lassen sich immer mehr junge Frauen impfen. Wie weit damit das Krebsrisiko sinkt, ist nicht restlos erforscht.

Humanes Papillomavirus: Wenn Liebe gefährlich wird

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Humanen Papillomavirus.

Humanes Papillomavirus? Noch nie gehört. So geht es vielen. Das Virus ist noch kaum bekannt, obschon sehr verbreitet – und gefährlich. Infektionen mit dem HP-Virus, die zu den sexuell übertragbaren Viruserkrankungen gehören, können Gebärmutterhalskrebs auslösen. In der Schweiz erkranken jedes Jahr über 300 – meist jüngere – Frauen an dieser Krebsart. Etwa 90 sterben daran.

Nicht alle dieser Viren, die meist durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, sind gleich gefährlich. Je nach Virenart lösen HP-Viren unterschiedliche Erkrankungen aus. Von den mehr als 100 Unterarten des Virus verursachen etwa 40 eine Infektion der Haut- und Schleimhautzellen im Genitalbereich und Anus. Die meisten Infektionen lösen keine Beschwerden aus und werden deshalb auch nicht erkannt.

Durch einige Niedrigrisiko-Virentypen entstehen Warzen (Feigwarzen oder Kondylome) im Genitalbereich. Genitalwarzen sind Geschwülste, die an den äusseren Geschlechtsorganen (Vulva, Penis), im oder um den Scheiden- oder Aftereingang, in der Harnröhre, am Gebärmutterhals oder an den Oberschenkeln erscheinen. Sie können gewölbt oder flach, klein oder gross sein, und sie können einzeln oder zu mehreren auftreten. Feigwarzen heilen in vielen Fällen ohne Behandlung ab. Weil sie sich schnell ausbreiten, ist es aber wichtig, diese regelmässig kontrollieren zu lassen. Wichtig ist es auch, dass sich alle Sexualpartner behandeln lassen.

Weniger harmlos sind die HP-Viren der «Hochrisikogruppe»: Diese stehen im Verdacht, an der Entstehung von bösartigen Erkrankungen beteiligt zu sein. Bewiesen ist mittlerweile der Zusammenhang einer Infektion mit bestimmten HP-Viren und Gebärmutterhalskrebs. Wie es zu einer bösartigen Entartung infolge einer HPV-Infektion kommt, ist allerdings nicht vollständig geklärt. Bei den meisten Betroffenen bleibt die Infektion vorerst unbemerkt, verschwindet wieder oder bleibt im Körper, jedoch ohne grossen Schaden anzurichten.

Bei jeder fünften Frau hingegen, die mit einem Hochrisikotyp des Virus infiziert ist, entwickelt sich eine Krebsvorstufe oder Krebs. In der Schweiz werden jährlich 5000 Krebsvorstufen diagnostiziert. Bei Frauen unter 50 ist Gebärmutterhalskrebs nach Brust-, Darm- und Gebärmutterkrebs die vierthäufigste Krebsart. Am häufigsten erkranken Frauen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren sowie nach dem 60. Lebensjahr.

Eine Infektion mit dem Virus wird meist anhand von Hautveränderungen festgestellt. Manchmal sind diese nur sehr geringfügig und mit blossem Auge nicht wahrnehmbar. Doch mit Hilfe eines Essigsäuretests lassen sich auch unauffällige Hauterscheinungen sichtbar machen. Um bösartige Veränderungen auszuschliessen, wird zusätzlich eine Gewebeprobe entnommen. Später lassen sich die Viren nur mehr bedingt nachweisen: Ein bis zwei Jahre nach der Infektion sind die Viren bei der Mehrheit der infizierten Frauen nicht mehr belegbar. Studien zeigen, dass 64 bis 70 Prozent der männlichen Beziehungspartner von Frauen mit einer HPV-Erkrankung ihrerseits von denselben Viren verursachte kleinste Verletzungen am Penis aufweisen. Verletzungen, die oftmals nicht erkannt werden. Bei Männern verursacht HPV jedoch selten ernsthafte Gesundheitsprobleme, insbesondere bei jenen, die über ein gesundes Immunsystem verfügen.

Anzeige:

Die effektivste Massnahme, um sich vor einer HPV-Infektion zu schützen, wäre Enthaltsamkeit. Denn «Safer Sex» und Kondome reichen bei HP-Viren nicht immer aus. Der Erreger ist hochansteckend und sehr verbreitet. Daher ist es kaum möglich, sich beim Geschlechtsverkehr hundertprozentig vor einer Infektion zu schützen. Das Virus kann mehrere Jahre lang «still» sein, bevor es durch einen Test entdeckt wird. Eine Möglichkeit, sicher festzustellen, wann und von wem man angesteckt worden ist, gibt es nicht.

Behandelt werden kann eine HPV-Infektion auf verschiedene Arten. Der Erfolg hängt vom Schweregrad und vom Stadium der Krankheit ab. In leichten Fällen helfen beispielsweise Salben, das Wachstum der Viren zu hemmen. Die Patientin kann diese Salben selber auftragen. Beim Arzt wird die Erkrankung unter anderem mit hochkonzentrierter Trichloressigsäure oder Lasertherapie behandelt. In schweren Fällen müssen Hautveränderungen operativ entfernt werden. Da es zu einem weiteren Auftreten der HPV-Infektion kommen kann, sind Nachkontrollen nötig.

Die prophylaktische HPV-Impfung mit den gentechnisch hergestellten Stoffen Gardasil und Cervarix ist seit September 2006 von der europäischen Arzneimittelagentur zugelassen. In der Schweiz ist derzeit Gardasil freigegeben.

Das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen empfehlen eine generelle Impfung für alle Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren. 15- bis 19-jährigen Frauen, die noch nicht geimpft worden sind, wird eine Nachholimpfung empfohlen. Die Kosten werden von den Krankenkassen im Rahmen von kantonalen Impfprogrammen übernommen. Am besten fragt man in der Apotheke, beim Haus- oder Kantonsarzt nach dem aktuellen Programm.

Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs umfasst drei Injektionen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Mit dieser Impfung kann man sich nach heutigen Erkenntnissen vor vier HP-Viren schützen, die an der Entstehung von 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs (HPV-Typen 16, 18) sowie bei 90 Prozent aller Genitalwarzen (HPV-Typen 6, 11) beteiligt sind.

Es gibt etwa 15 Typen des HP-Virus, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Cervarix und Gardasil wurden zum Schutz vor zwei respektive vier Virentypen entwickelt. Sie können Frauen aber nicht vollständig gegen die übrigen 30 Prozent der Gebärmutterhalskrebserkrankungen schützen, die von anderen Hochrisiko-Virentypen verursacht werden. Gynäkologische Kontrollen zur Früherkennung von HPV-Infektionen sind aus diesem Grund auch bei geimpften Frauen eine Notwendigkeit.

Die Impfstoffe wirken vorbeugend. Eine bereits bestehende HPV-Infektion kann demzufolge weder behandelt noch beseitigt werden. Ebenso wenig können die bereits existierenden Folgen einer solchen Infektion, wie etwa Gebärmutterhalskrebs oder dessen Vorstufen, mittels einer Impfung behandelt werden. Unbekannt ist auch, ob später im Leben Auffrischimpfungen nötig sind, um den Fortbestand des Impfschutzes zu gewährleisten. Bisher zeigen Studien, dass der Impfstoff mindestens fünf Jahre anhält. Obwohl sich mittlerweile in rund 80 Ländern Millionen von jungen Frauen gegen das Virus haben impfen lassen, ist die Impfung noch nicht ganz etabliert. Umstritten ist sie vor allem, weil noch keine Langzeitdaten bezüglich ihrer Wirksamkeit gegen Krebs vorliegen und die Nebenwirkungen nicht restlos erforscht sind.

Neuste Studien geben nun aber tendenziell Entwarnung: Die Schwere und Häufigkeit der Nebenwirkungen lag in der im Fachmagazin «JAMA» jüngst veröffentlichten Studie im Bereich der etablierten Impfungen. In sechs Prozent traten schwere Nebenwirkungen wie Ohnmachtsanfälle, Blutgerinnsel, allergische Reaktionen oder Autoimmunstörungen auf. Trotzdem blieben viele Fragen offen, heisst es im Kommentar zur Studie. Zwar habe sich die Impfung als effektiv gegen eine Infektion mit dem Virus erwiesen. Inwieweit sie das spätere Krebsrisiko der geimpften jungen Frauen wirklich senke, könnten jedoch erst Langzeitstudien zeigen.

Weitere Infos

Bundesamt für Gesundheit: Richtlinien, Empfehlungen, Factsheets; Infos zur Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenversicherung: www.bag.admin.ch/...

Impf-Infoline: Telefon 0844 448 448 (Beratung gratis, Telefongebühren Fernbereich Schweiz)

www.tellsomeone.ch: Informationsseite über Gebärmutterhalskrebs und Humane Papillomaviren

www.sprechzimmer.ch: Informationen zu Gebärmutterhalskrebs

© Beobachter Ausgabe 22 vom 29. Okt 2009 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh