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Mundgeruch

Oh Liebling, dein Atem...

Text:
  • Vera Sohmer
Bild:
  • Jupiterimages
Ausgabe:
23/09

Mundgeruch ist lästig und wird gerne totgeschwiegen. Dabei ist es meist einfach, wieder zu frischem Atem zu kommen.

Mundgeruch ist lästig und wird gerne totgeschwiegen. Dabei ist es meist einfach, wieder zufrischem Atem zu kommen.

Der Legende nach wurde Clark Gables schlechter Atem nicht vom Winde verweht – und Vivien Leigh hasste es, ihren Filmpartner zu küssen. Mundgeruch ist nicht sexy. Er wird als unangenehm bis abstossend empfunden und gilt in der Gesellschaft sowie bei der Partnersuche als Killerkriterium. Umso bemerkenswerter ist, dass Schätzungen zufolge jeder vierte Erwachsene in Europa ab und zu Mundgeruch hat. Etwa jeder fünfzehnte verströmt permanent schlechten Atem.

Es wäre also angebracht, die Übelriechenden darauf aufmerksam zu machen. Aber den meisten ist das peinlich. Warum eigentlich? «Es ist ähnlich wie beim Fuss- oder Achselschweiss: Viele sind betroffen, aber keiner spricht offen darüber», sagt Andreas Filippi, Zahnmediziner am Basler Uni-Klinikum. Lieber versuche man, die schlechten Gerüche mit allerlei Mittelchen zu übertünchen (siehe Kasten). Erschwerend kommt hinzu: Keiner kann sicher sein, ob er selber nicht auch Mundgeruch hat. Denn seinen eigenen Atem riecht man nicht, erklärt der deutsche Mundgeruch-Spezialist Benno Raddatz.

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Wer leidet, soll zum Spezialisten

Filippi übt auch Kritik an der eigenen Zunft. «Mundgeruch wurde in der Zahnmedizin lange vernachlässigt.» Erst in den letzten vier bis fünf Jahren sensibilisiere man den Nachwuchs auf das Thema. Und das sei notwendig und sinnvoll, denn in neun von zehn Fällen liege die Ursache von schlechtem Atem in der Mundhöhle. Als grossen Fortschritt wertet Filippi, dass es inzwischen in der Schweiz spezielle Mundgeruch-Sprechstunden gibt. Leider hätten viele Betroffene Hemmungen, die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deshalb habe man in Basel auch eine E-Mail-Sprechstunde eingerichtet, bei der man seinen Namen nicht nennen muss.

Ob man einen Spezialisten aufsuchen sollte, hängt vom Leidensdruck ab. Wer meint, er habe Mundgeruch, sei oft völlig verunsichert, berichtet Raddatz. Und das werde noch verstärkt durch Andeutungen oder Gesten anderer: der Arbeitskollege, der den Kopf zur Seite dreht; das Kind, das sich bei der Familienfeier die Nase zuhält.

In solchen Fällen kann eine Abklärung sinnvoll sein. Ziel der Mundgeruch-Sprechstunde ist, mit einer gründlichen Untersuchung den Ursachen auf den Grund zu gehen und Betroffene vom lästigen Leiden zu befreien. Die Erfolgsaussichten sind gut: «In den allermeisten Fällen ist es unspektakulär, Mundgeruch wegzubekommen», versichert Filippi. Und manchmal stellt sich heraus, dass alles nur eingebildet war und die Betroffenen gar keinen schlechten Atem haben.

Wenns übel riecht: Ursachen, Erkennung und Bekämpfung


Woher kommt Mundgeruch?

Neben schlecht gepflegten Zähnen und entzündetem Zahnfleisch ist Zungenbelag die häufigste Ursache für schlechten Atem. Auf der Zunge können sich Bakterien ansiedeln, die schlechte Gerüche verbreiten. Wer die Zunge mit Schaber oder Zungenbürste säubert, riecht wieder gut. Auch Stress kann Mundgeruch verursachen, er hemmt den Speichelfluss. Und in einem trockenen Mund fühlen sich geruchsbildende Bakterien wohl. Viele Businessleute sind im Mund top gepflegt, haben aber übel riechenden Atem. Der Grund: Sie stehen unter Druck und trinken zu viel Kaffee, was den Mund austrocknet. Das Mittel dagegen ist einfach: viel Wasser trinken und wasserhaltige Früchte essen.

Gibt es zuverlässige Selbsttests?
Jein, sagt Zahnmediziner Andreas Filippi. Am ehesten funktioniert die «Airbag-Methode»: Man nehme eine geruchsneutrale Plastiktüte und atme sie voll. Dabei durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Dann den Sack verschliessen. Um den Geruchssinn zu schärfen, an die frische Luft gehen, an frisch gemahlenem Kaffee oder einem Espresso riechen. Danach den Airbag vor der Nase ausdrücken. Oft empfohlen wird die «Wrist-Licking-Methode», bei der man mit der Zunge kräftig die Rückseite des Handgelenks ableckt und daran riecht. Das kann nur Hinweise auf Mundgeruch geben, wenn die Ursache dafür auf der Zunge liegt. Was definitiv nichts bringt: in die hohle Hand atmen und schnuppern. Die einzige echt zuverlässige Methode: eine Vertrauensperson fragen: «Habe ich eigentlich Mundgeruch?»

Was taugen Pastillen und Wässerchen?
An Mitteln mangelt es nicht: Sprays, Wässerchen zum Gurgeln, Chlorophylltabletten, Pfefferminzblättchen, die man auf der Zunge platziert. Andreas Filippi hält nichts davon: «Sie übertünchen den Geruch für kurze Zeit, beseitigen aber nicht die Ursache.» Wer unter Mundtrockenheit leidet, kann aber zu zuckerfreien Kaugummis oder Bonbons greifen. Auch sie beseitigen die Ursachen nicht, regen aber die Speichelproduktion an.

 

Anlaufstellen

Basel: Mundgeruch-Sprechstunde der Universität Basel, Telefon 061 267 26 10, www.andreas-filippi.ch
Zürich: Mundgeruch-Praxis in Zürich-Oerlikon, Telefon 044 311 99 82, www.mundgeruch.ch
Bern: Mundgeruch-Sprechstunde Zahnmedizinische Kliniken der Universität Bern, Telefon 031 632 25 45/66

© Beobachter Ausgabe 23 vom 12. Nov 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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