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Oralchirurgie
Weisheitszähne weg?
Raus oder nicht raus? Das ist die seit Jahren kontrovers diskutierte Frage bei den Weisheitszähnen. Eins ist klar: Müssen sie entfernt werden, sollte das so früh wie möglich geschehen.

Der Weisheitszahn (Bildmitte) beim durchbrechen zur Kauebene
Was sollen Weisheitszähne überhaupt? Die sind doch überflüssig! Heute ja. Weil die Menschen im Laufe der Jahrtausende immer weniger schwer zu beissen hatten, bildeten sich die Kiefer mit der Zeit zurück. Grösse und Anzahl der Zähne jedoch blieben gleich. Die Folge: Für die letzten in der Reihe fehlt oft der Platz, die Weisheitszähne brechen nicht oder nur teilweise durch. Das kann zu Karies führen, zu Entzündungen des Zahnfleisches, Beschädigung der Nachbarzähne oder gar zu Zysten und Tumoren. Die Fachleute sind sich weitgehend einig: In diesen Fällen sollten die Weisheitszähne entfernt werden. Noch nicht einig ist man sich, ob das vorsorgliche Ziehen – auch ohne Symptome – der Weisheit letzter Schluss sei.
Laut einer kürzlich in Deutschland erschienenen Übersicht zum aktuellen Wissensstand wird die «therapeutische» Entfernung von Weisheitszähnen überwiegend befürwortet. Die «prophylaktische» hingegen wird unter Wissenschaftlern noch immer intensiv diskutiert. Ein Grund dafür: Sowohl das Entfernen als auch das Belassen kann zu Komplikationen führen. Zudem sei die wissenschaftliche Datenbasis spärlich. Mit anderen Worten: Es gibt noch keine allgemeingültige Antwort auf die Frage «Raus oder nicht raus?».
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Zahnarzt Remo Koch aus Zürich empfiehlt: «Wenn die Zähne Platz haben, würde ich sie belassen, ansonsten ist die Entfernung vernünftiger.» Michael Locher, Leiter der Poliklinik für Orale Chirurgie an der Uni Zürich erklärt: «Sollen die Weisheitszähne entfernt werden, braucht es zuerst umfassende Untersuchungen.» Dazu gehöre auch der Befund des ganzen Gebisses, denn ein gesunder Weisheitszahn könne in seltenen Fällen als Ersatz für einen schadhaften Backenzahn transplantiert oder kieferorthopädisch zum Schliessen einer Zahnlücke verwendet werden.
«Kritisch ist die Beziehung der Zahnwurzeln zum Nerv, der die Unterlippe mit Gefühl versorgt», warnt Locher. Hier sei unter Umständen eine Computertomographie oder digitale Volumentomographie (DVT) erforderlich. Denn mit zunehmendem Alter bilden sich manchmal dünne, um den Nerv gekrümmte Wurzelspitzen. Diese können beim Entfernen des Weisheitszahns den Nerv verletzen. Das wiederum kann zu einer Gefühlsstörung führen – zu einer tauben Unterlippe. Deshalb seien Nutzen und Risiken des Eingriffs sorgfältig abzuwägen, betont Zahnarzt Remo Koch.
Das gilt beim Zahnarzt
Ab dem zehnten Lebensjahr sollten die Weisheitszähne regelmässig zahnärztlich kontrolliert werden. Lassen Sie sich erklären: Was kann passieren, wenn die Zähne drinbleiben? Welche Risiken birgt das Entfernen? Bleiben dennoch Zweifel, holen Sie eine zweite Meinung ein.
Müssen die Zähne entfernt werden, warten Sie nicht zu lange: Zwischen dem 17. und dem 20. Lebensjahr ist das Wurzelwachstum abgeschlossen, der Eingriff wird damit risikoreicher.
Sprechen Sie vorab mit Ihrer Krankenkasse: In den meisten Fällen werden die Kosten jedoch nicht übernommen.
© Beobachter Ausgabe 11 vom 27. Mai 2009 - Alle Rechte vorbehalten






