Scheidenentzündungen
Brennende Fragen
Scheidenentzündungen sind weitverbreitet. Wie verhindert frau sie? Wie wird frau sie los? Und: Ist der Mann schuld?
Juckreiz, Brennen, Rötung, Ausfluss und Schmerzen beim Sex: Mehr als die Hälfte aller Frauen haben mindestens einmal im Leben eine Scheideninfektion. Bei jeder zehnten Frau kommt es immer wieder dazu. Stress oder psychische Belastung, geschwächte Immunabwehr oder Behandlungen mit Antibiotika können die Gründe sein. In den letzten Jahren aber zunehmend eine übertriebene Hygiene: «Wir waschen uns eher zu viel», sagt die Solothurner Frauenärztin Regina Widmer. Warum zu viel? Wasser trocknet die Haut im äusseren Genitalbereich aus. Seife und Duschmittel greifen den schützenden Säuremantel der Intimhaut noch zusätzlich an. Die Folge: Sie reagiert empfindlicher auf mechanische Reize wie enge Jeans, Velofahren oder Sex.
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Pilze und Bakterien
Manchmal reicht auch der Besuch im Wellnessbad: «Weniger wegen möglicher Keime im Wasser, sondern weil Chlor oder Ozon die Haut noch zusätzlich irritieren und austrocknen», sagt der Zürcher Frauenarzt Peter Diego Hagmann. Geschädigte Haut ist die ideale Angriffsfläche für krank machende Keime, etwa für den im Enddarm vorkommenden Hefepilz Candida albicans. Er kann die äussere Intimzone befallen, aber auch in die Scheide gelangen – das Ergebnis ist eine Pilzinfektion.
Doch nicht jede Irritation hat mit Pilzen zu tun. Sie kann auch von einer veränderten Bakterienbesiedelung in der Scheide herrühren. Solange die Milchsäurebakterien überwiegen, ist alles im Lot. Sie sorgen für ein gesundes, saures Scheidenmilieu. Ändert sich das Verhältnis, können aber krank machende Bakterien überhandnehmen – etwa Gardnerella vaginalis. Riechender Ausfluss ist oft ein Anzeichen dafür.
Warum das Bakterienverhältnis aus dem Gleichgewicht gerät, weiss man noch nicht in allen Details. Aufgrund seiner Beobachtungen glaubt Hagmann aber, dass beispielsweise eine neue Partnerschaft für Irritationen sorgen kann: Die «Ökosysteme» von Mann und Frau müssen sich einspielen. Bei einer langjährigen Beziehung hingegen hat sich die Keimflora von Mann und Frau meist aufeinander eingestellt. «Treten dennoch regelmässig Beschwerden auf, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass etwas mit der Sexualität oder in der Beziehung nicht stimmt», sagt Regina Widmer.
Gegen Scheideninfektionen vorbeugen können Frauen leicht, indem sie die Intimzone so sorgsam behandeln wie ihre Gesichtshaut. Dazu nur alkalifreie und rückfettende Waschlotionen verwenden. Danach die ganze Region möglichst jeden Tag einfetten – am besten sind Fettcremen ohne Zusätze oder reines Jojoba-, Mandel- oder Olivenöl. Gründlich eincremen sei auch ein guter Tipp gegen chronischen Juckreiz bei älteren Frauen, sagt Hagmann.
Bei Juckreiz und Rötungen helfen oft Babypflegeprodukte. Ein gutes Hausmittel sind mit Naturejoghurt getränkte Tampons. Frauenärztin Regina Widmer empfiehlt auch Essigwasser- und Zitronenspülungen oder Spülungen mit Lavendel- oder Teebaumöl. Für eine Essigspülung zwei, drei Esslöffel Obstessig mit einem halben Liter warmem Wasser mischen und damit auf der Toilette sitzend die Scheide ausspülen.
Werden die Beschwerden nicht besser, sollten Sie den Arzt oder die Ärztin aufsuchen. Schwangere sollten sofort zum Arzt gehen, denn Scheideninfektionen erhöhen das Risiko einer Frühgeburt.
Scheideninfektion: Die häufigsten Irrtümer
Pingpong-Effekt
«Pilzsporen verstecken sich unter der Vorhaut des Mannes und werden beim Geschlechtsverkehr wieder zurück an die Frau gegeben. Deswegen müssen immer Mann und Frau behandelt werden.»
Falsch. Männer müssen sich nur behandeln lassen, wenn auch bei ihnen Symptome auftauchen, etwa rote Pünktchen auf der Eichel.
Mangelhafte Männerhygiene
«Gesundes Scheidenmilieu hängt in erster Linie von der Hygiene des Mannes ab.»
Falsch. Das heisst aber keinesfalls, dass sich nicht auch Männer pflegen müssen: am besten mit einer milden, rückfettenden Waschlotion.
Gefährliche Keimherde
«Auf fremden Toiletten lauern überall Keime. Wenn Frauen sich hinsetzen, ist es schon passiert. Und wenn sie nach dem Stuhlgang falsch wischen, erst recht.»
Falsch. Das sei «Panikmache», sagt Frauenärztin Regina Widmer. Bakterien und Pilze richten nicht grundsätzlich Unheil an. Einer gesunden Intimhaut können Keime nichts anhaben.
Anti-Pilz-Diät
«Am besten verzichten Sie auf Kohlenhydrate oder machen eine rigorose Anti-Pilz-Diät, da ein Reservoir an Pilzen im Darm steckt.»
Falsch. Das ist übertrieben und verunsichert unnötig. «Viele Frauen denken, da helfe nur noch eine Radikalkur», sagt Regina Widmer. Eine Anti-Pilz-Diät sei in der Regel aber nicht nötig.
© Beobachter Ausgabe 16 vom 06. Aug 2009 - Alle Rechte vorbehalten








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