Schmerztherapie Nicht jede Hand behandelt gleich gut

Ob Rückenschmerzen, Migräne oder Schleudertrauma: Das Angebot an manuellen Therapien zur Behandlung von chronischen Schmerzen ist unübersichtlich. Nicht jede Methode ist immer geeignet.

Bei Gartenarbeiten verspürte Christina M. zum ersten Mal den stechenden Schmerz in der linken Schulter. Mit wärmenden Salben und Umschlägen brachte sie das Leiden zum Verschwinden. Später meldete sich der Schmerz zurück – und blieb. «Ich konnte den ganzen Arm nicht mehr gebrauchen», erzählt die 41-Jährige.

Was folgte, war eine Odyssee vom Akupunkteur über den Rheumatologen in eine Klinik für Sportverletzungen und schliesslich zu einem Physiotherapeuten. Als auch das nichts nützte, steckte sie ein weiterer Spezialist in einen Magnetresonanztomografen: Die Gelenkkapsel sei zu lang, sie müsse unters Messer. Christina M. holte eine zweite Meinung ein: Operieren sei nicht nötig, hiess es da.

In ihrer Apotheke erfuhr Christina M. von der Osteopathie: «Ich wusste nicht einmal, was das ist.» Jetzt ist die Schulter wieder funktionstüchtig. Christina M. kann wieder schwimmen. Beim Autofahren verspürt sie keine Stiche mehr. Nötig waren weder Operation noch Medikamente.

Die Palette der manuellen Behandlungen bei Körperschmerzen wird immer breiter. Sie reicht von klassischen Anwendungen wie Physiotherapie oder Chiropraktik bis zu ganzheitlichen Konzepten wie Osteopathie, Cranio-Sacral-Therapie oder Tuina-Massage. Viele sind von östlichen Lehren geprägt und zielen darauf ab, energetische Blockaden zu lindern.

Ausbildung und Qualität der Therapierenden sind verschieden. Am klarsten geregelt sind die Lehrgänge für Physiotherapie, Chiropraktik und Osteopathie.

Oft viel Erfolg für wenig Geld

Physiotherapeut, Chiropraktor und Osteopath arbeiten zwar alle mit den Händen, doch gibt es Unterschiede. Der Chiropraktor kommt bei akuten Schmerzen zum Einsatz: Er kann mit einem gezielten Griff ein Gelenk rasch wieder zurechtrücken. Der Osteopath arbeitet mit langsamen, abtastenden Bewegungen. Er widmet sich nicht nur den Knochen und Muskeln, sondern Funktionsstörungen im ganzen Körper inklusive der inneren Organe. Die Physiotherapie ist eine geeignete Rehabilitationsmassnahme. Wichtig ist die Mitarbeit des Patienten, etwa im Training zum Muskelaufbau. Oft weisen Vertreter der drei Disziplinen einander Patienten zu. Vor allem bei der Behandlung von chronisch Kranken ist das Zusammenspiel von Ärzten, Therapeuten und Psychologen wichtig.

Osteopathie-Patientin Christina M. hat vor allem die Untersuchung beeindruckt: «Im Gegensatz zu den anderen Spezialisten interessierte sich der Osteopath nicht nur für die Schulter, sondern für den ganzen Körper.» Resultat: Die Schulter schmerzte nicht, weil die Gelenkkapsel zu lang ist, sondern weil drei Rippen verschoben waren. Sie nahm aus diesem Grund eine Fehlhaltung ein, die wiederum den Gelenkkopf der Schulter verdrehte. Nur vier Behandlungen waren nötig, damit sie ihren Arm wieder heben konnte – viel Geld lässt sich sparen, wenn Spezialisten über ihr Spezialgebiet hinausschauen.

Schmerztherapien unter der Lupe

Methode

Chiropraktik
Behandlungsprinzip Manuelle und im Allgemeinen schmerzfreie Einwirkung auf das Gelenk, das in seiner Funktion gestört ist. Dabei wird das Gelenk leicht über die normale Beweglichkeit hinaus bewegt. Besondere Beachtung der Wirbelsäule.
Einsatzbereich Bei Störungen als Folge von Fehlbelastungen oder durch Abnützung sowie nach Anfällen und Krankheiten wie Arthrose, Diskushernie, Hüftgelenkschmerzen, Ischias, von der Halswirbelsäule herrührende Kopfschmerzen, Kreuzschmerzen, Schleudertrauma.
Nicht geeignet für Infektionen, ausgeprägte Hirndurchblutungsstörungen, Tumorerkrankungen.
   
Methode Osteopathie
Behandlungsprinzip Mit Händen, Fingern und exakten anatomischen und physiologischen Kenntnissen wird versucht, die verminderte Bewegungsfreiheit von Organen, Gelenken, Muskeln oder Sehnen zu ertasten und Impulse zur Wiederherstellung der Mobilität zu geben.
Einsatzbereich Bei funktionellen Störungen oder chronischen Schmerzen wie Verdauungsstörungen und Migräne (auch nach traumatischen Ereignissen wie Unfällen oder Operationen, für Säuglinge und Kleinkinder nach einer schwierigen Geburt sowie bei Lern- und Schlafstörungen)
Nicht geeignet für akute Entzündungen, schwere Erkrankungen, etwa Tumore.
 
Methode Physiotherapie
Behandlungsprinzip Befasst sich hauptsächlich mit Funktionsstörungen des Bewegungsapparats. Legt Wert auf die Eigenaktivität des Patienten. Neben der manuellen Behandlung kommen auch technische Einrichtungen für Thermo-, Elektrotherapie oder Ultraschall zum Einsatz.
Einsatzbereich Zur Rehabilitation nach (Sport-)Unfällen, bei Erkrankungen und Schmerzen am Bewegungsapparat (Schultern, Rücken, Knie), bei Schmerzen als Folge von schädlichen Bewegungsgewohnheiten.
Nicht geeignet für akute Entzündungen, schwere Erkrankungen, etwa Tumore.
Autor:
  • Denise Battaglia
Bild:
  • Thinkstock Kollektion