Umwelteinflüsse

Die unsichtbaren Feinde des Schlafs

Text:
  • Michel Ecklin
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
Ausgabe:
18/02

Wohngifte, Elektrosmog, Wasseradern, Allergenträger: Das Bett und seine Umgebung müssen frei von störenden Faktoren sein, damit man zu gesundem Schlaf findet

Umwelteinflüsse: Die unsichtbaren Feinde des Schlafs

Im Schlafzimmer verbringen wir rund einen Drittel unseres Lebens – Grund genug, einen vertieften Blick hineinzuwerfen. Wer gut schlafen will, sollte zuallererst darauf achten, dass sich der Schlafraum gegen Lärm und Licht abschotten lässt. Auch Wärme und Feuchtigkeit spielen eine Rolle: Ideal sind eine Temperatur von 18 bis 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent.

 

Schwieriger wird es bei Einflüssen, die sich nicht per Thermostat oder mit dem Schliessen eines Fensters beeinflussen lassen: Strahlungen jeglicher Wellenlänge, Elektrosmog, Wasseradern, Gifte aus Möbeln, Allergenträger wie Tierhaare, Textilien oder Pflanzen und manches mehr.

 

Gut feststellbar ist die elektromagnetische Strahlung, von der wir ständig umgeben sind. Sie entsteht überall, wo Strom fliesst. Schon ein Kabel, in dem Spannung besteht, erzeugt ein elektrisches Feld. Wissenschaftlich erwiesen ist: Sehr starke elektromagnetische Wellen reizen die menschlichen Zellen. Solchen Wellen ist man aber höchst selten ausgesetzt, denn für Elektrogeräte, die im Haushalt üblich sind, gelten verbindliche Grenzwerte.

 

Noch kaum bekannt ist hingegen, wie schwache, aber dauerhafte elektromagnetische Strahlung auf Körper und Psyche einwirken. Christoph Schierz hat am Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie der ETH Zürich das Schlafverhalten unter dem Einfluss von elektromagnetischen Strahlen untersucht. «Es gibt offenbar Menschen, die auf elektromagnetische Felder empfindlich reagieren», so seine Zusammenfassung der Ergebnisse. Wie sie aber darauf reagieren, darüber will er sich nicht äussern. Zumal es Testpersonen gab, «die sich nach einer Nacht mit Strahlung erholter fühlten als sonst». Dass man in der Nacht, wenn sonstige Störfaktoren wegfallen, sensibler auf elektromagnetische Wellen reagiere als den Tag durch, erachtet der Forscher zwar als wahrscheinlich, wissenschaftlich erhärtet sei das allerdings nicht.

 

Wer schlecht schläft und als Ursache elektromagnetische Strahlen vermutet, dem rät Schierz, elektrische Geräte wie Radiowecker und Lampen sowie Leitungen möglichst weit vom Bett entfernt zu installieren. Strahlung aus elektrischen Kabeln lässt sich mit Metall recht wirkungsvoll abschirmen. Helfen kann auch ein Netzfreischalter, der die Spannung in den Leitungen auf ein Minimum reduziert.

 

Schutz durch Edelsteine

Wenig hält der Wissenschaftler von Geräten, die Schutz vor magnetischen Feldern aus Elektrogeräten oder vor Handysmog versprechen. «Technisch ist das zwar möglich, aber nur mit riesigem Aufwand. Meist steckt nur Geldmacherei dahinter.»

 

Anders sehen das zahlreiche Experten, die sich auf die Abschirmung und Sanierung von Wohnungen spezialisiert haben. Für viele von ihnen gelten gewisse Edelsteine, in einer bestimmten Konstellation um das Bett angeordnet, als Voraussetzung für einen bestrahlungsfreien Schlaf. So weit, so gut, wäre da nicht noch der Einfluss von Wasseradern. Laut Romi Clémençon, geobiologische Beraterin im bernischen Worblaufen, sind drei von vier Wohnungen in der Schweiz dadurch belastet: «Alles hat eine Schwingung: Farben, Bäume, Töne und auch wir Menschen; unterirdische Wasserläufe bringen aber unsere Schwingungsharmonie durcheinander.»

 

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Erstes Symptom dafür sei ein unruhiger Schlaf. Oft reicht es laut Clémençon bereits, das Bett in eine andere Ecke des Schlafzimmers zu stellen. In hartnäckigen Fällen stellt sie einen Rosenquarz auf, der die «negativen Schwingungen umlenken soll». Die Rutengängerin empfiehlt, jeden Schlafplatz einer ganzheitlichen Raumanalyse zu unterwerfen. Wie seriös ein Rutengänger arbeitet, kann ihrer Meinung nach ein Laie kaum beurteilen: «Letztlich zeigt sich der Erfolg erst langfristig, wenn man besser schläft.»

 

Marianne Martinelli, seit über 20 Jahren Spezialistin für Wohnraumenergie, sieht das anders: «Die Wirkung einer Strahlenschutzmassnahme muss sofort spürbar sein, sonst ist sie Humbug.»

 

Bei der europäisierten Version der chinesischen Feng-Shui-Lehre, die sie bei Wohnungsanalysen anwendet, ist viel von Energie die Rede: «Wer einen meiner Edelsteine, die Energie umleiten, in der Hand hält, spürt die Wärme, die davon ausgeht.»

 

Gift in Möbeln und Wänden

Kurz gefasst lautet ihre Theorie: In Europa haben die Menschen verlernt, mit Energieflüssen umzugehen. Der Körper müsse Energiedefizite oder -überschüsse ausgleichen; schaffe er das nicht, werde der Schlaf gestört: «In energetisch ausbalancierten Räumen ist die Luft besser, man muss weniger lüften und heizen. Das Entscheidende aber: Man schläft besser.»

 

Martinelli weiss, dass sich auf dem Esoterikmarkt viele unseriöse Wohnraumanalysten tummeln, die von der Arglosigkeit gutgläubiger Schlechtschläfer leben. Letztlich bleibt es dem gesunden Menschenverstand jedes Einzelnen überlassen, wie weit man sich auf diese Theorien einlassen will, um besser zu träumen.

 

Vielleicht aber liegt die Ursache für Schlafstörungen auch bei den Möbeln, Wänden oder Textilien rund um das Bett. Dort kann sich eine breite Palette von chemischen Stoffen verbergen, denen man jede Nacht ausgesetzt ist. «Wohngifte rauben zwar nicht direkt den Schlaf», sagt Charlotte Braun-Fahrländer, Leiterin der Abteilung Umwelt und Gesundheit im Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel. «Sie können aber bei empfindlichen Personen die Schleimhäute reizen und Unwohlsein hervorrufen, was zweifelsfrei nicht schlafförderlich ist.»

 

Mögliche Reizquellen sind das Formaldehyd in Spanholzmöbeln, der Leim von Spannteppichen, Lösemittel in Farben, Schutzmittel auf Naturholz und gewisse Kunststoffe. Wer seine Wohnung neu einrichtet, sollte Möbelhändler und Handwerker nach giftfreien Produkten fragen. «Es gibt meistens eine Lösung ohne Gift», so Braun-Fahrländer, «und die muss nicht teurer oder schlechter sein.»

 

Wer das Schlafzimmer auf Wohngifte untersuchen lassen will, sollte einen Spezialisten beauftragen. Doch wie bei den «Strahlen- und Schwingungsexperten» ist es auch hier nicht einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Manche kantonalen Laboratorien führen Listen der Spezialisten, mit denen sie zusammenarbeiten.

 

© Beobachter Ausgabe 18 vom 06. Sep 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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