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Wissenschaft

Die Familie, das Forschungsobjekt

Text:
  • Annette Bischof-Campbell
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
12/06

Was hat Stillen mit Stress zu tun? Sind Frauen tatsächlich von Natur aus treuer als Männer? Wie machen sich Jugendliche bei Mitschülern beliebt? - Wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Familie.




Natürlicher Schutz gegen Stress


Stillen beruhigt nicht nur das Baby, sondern auch die Mutter. Die Psychologen Ulrike Ehlert und Markus Heinrichs von der Universität Zürich wiesen nach, dass Mütter nach dem Stillen stressresistenter sind. Grund ist das Hormon Oxytocin, das beim Stillen verstärkt ausgeschüttet wird. Die Zürcher Forscher sprayten Männern Oxytocin in die Nase und stellten die gleiche Wirkung fest. Heisst das nun, dass die nicht stillende Mehrheit der Bevölkerung benachteiligt ist? Nein: Bei angenehmen Berührungen wie Massagen und nach einem Orgasmus steigt der Oxytocinspiegel ebenfalls an.




Der Mythos der weiblichen Treue


In der Evolutionspsychologie herrscht die Ansicht, Frauen seien von Natur aus treuer als Männer: Das Männchen will seine Spermien breit streuen, das Weibchen will den Nachwuchs pflegen - darum bindet es den Partner mit Treue an sich, auf dass er seinen Ernährerpflichten nachkomme. Untersuchungen diverser Anthropologen bei Naturvölkern widerlegen diese These: In vielen Stammesgesellschaften pflegen Frauen regen Partnerwechsel, wodurch sie den Halt in der Gemeinschaft festigen und dafür sorgen, dass sich nicht nur einer, sondern viele mögliche Väter um ihren Nachwuchs kümmern. Das Ideal weiblicher Treue, so die Anthropologen, beruhe demnach vor allem auf sozialen Normen.




Babytalk bringt nichts


«Muttu Dada machen?» Reizvoll ist es ja schon, auf die ersten Redeversuche des Nachwuchses mit ähnlicher Wortwahl zu antworten. Sinnvoll ist es aber nicht, erklärt die Chicagoer Entwicklungspsychologin Janellen Huttenlocher. Sie fand heraus, dass Kleinkinder grössere sprachliche Fortschritte machen, wenn sie ganze Sätze und echte Wörter hören.




Dürfen Kinder zu den Eltern ins Bett?


40 Prozent der Vierjährigen kriechen mindestens einmal pro Woche für eine Nacht zu Mama und Papa ins Bett. Das ergab eine Langzeitstudie der Zürcher Kinderärzte Remo Largo und Oskar Jenni. Sie sind der Ansicht, dass Eltern dieses Bedürfnis der Kleinkinder nach Nähe und Bindung akzeptieren sollten. Psychologinnen an der University of California in Irvine beobachteten gar, dass Kleinkinder, die von Geburt an im Elternbett schliefen, besonders viel Eigenständigkeit und soziale Unabhängigkeit aufwiesen.




Warum Mütter ihr Baby im linken Arm halten


Die meisten Frauen halten ihr Baby lieber auf der linken als auf der rechten Seite. Damit sie die rechte Hand zum Hantieren frei haben? Englische Psychologinnen der Uni Sussex fanden heraus, dass die Gründe tiefer liegen: Bei den meisten Menschen kontrolliert die rechte Gehirnhälfte die linke Körperseite. Sie ist massgeblich an der Wahrnehmung der Emotionen anderer beteiligt. Frauen halten ihre Babys also instinktiv so, dass sie Signale über deren Wohlbefinden besonders gut erkennen und eine bessere Bindung zu ihnen aufbauen können.




Wie sich Jugendliche beliebt machen


Nicht Markenjeans und das neuste High-Tech-Spielzeug erhöhen die Beliebtheit unter Jugendlichen, sondern Freundlichkeit. Das haben Psychologinnen vom Berliner Max-Planck-Institut mit Befragungen von Dritt- und Fünftklässlern herausgefunden. Wenn Kinder bei anderen etwas erreichen wollen, sind sie freundlich. Am besten vermögen sich jene durchzusetzen, die viele Ideen haben und ihre Absichten erklären können. Hingegen interessieren die Höhe des Taschengelds und das Äussere fast gar nicht.


© Beobachter Ausgabe 12 vom 07. Jun 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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