Wundermittel
Schnägg, mach d'Warze wägg!
Zaubersprüche, Schneckenschleim, Zwiebel oder Löwenzahn: Der Volksglaube hat viele Mittel gegen Warzen parat. Ob sie wirken, darf bezweifelt werden – und manchmal sind Warzen so gefährlich, dass ein Arztbesuch sein muss.
Haben Sie die Schnecke erst so weit, dass sie um Mitternacht drüberkriecht, stehen die Chancen gut, dass die Warze mit der Zeit verschwindet. Auch Kreide soll helfen oder eine Scheibe Zwiebel, der Saft des Löwenzahns, zerquetschte Erdbeeren – für nichts gibt es so viele Hausmittel wie für respektive gegen Warzen. «Die Leute versuchen etwas, die Warze verschwindet irgendwann – und schon gibt es ein Hausmittel mehr», sagt Edgar Ilg vom Haut- und Schmerzzentrum Speicher AR. «Allerdings wäre sie wahrscheinlich auch so verschwunden.» Erlaubt sei alles – ausser die Badezimmer-Chirurgie. Mit Nagelschere und Rasierklinge an den Warzen rumzuwerkeln sei nicht bloss schmerzhaft, sondern auch schädlich: Die Viren breiten sich aus.
Denn Warzen sind eine Viruskrankheit – und somit ansteckend. Bei vielen Menschen finde in jungen Jahren eine Immunisierung statt, bei den anderen bildet sich zwischen sechs Wochen und zwanzig Monaten nach der Ansteckung eine Warze – oder mehrere (siehe «Hintergrund»). Warzen sind in der Regel gutartig, und die meisten verschwinden von selbst. Gefährlich aber sind Genitalwarzen. «Diese müssen unbedingt behandelt werden. Einige Virentypen unterstützen Gebärmutterhalskrebs», sagt Edgar Ilg.
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Tinkturen, Laser oder Homöopathie
«Warzen können übertragen werden oder andere Körperstellen befallen – eine Behandlung ist also sinnvoll», sagt Erich E. Küng, Dermatologe in Zürich. Therapien gebe es viele, aber leider keine mit Erfolgsgarantie.
In Apotheken etwa sind verschiedenste Tinkturen und Pflaster erhältlich. Sie setzen allerdings eine konsequente und geduldige Anwendung voraus.
Bei der schulmedizinischen ärztlichen Behandlung wird die Hornhaut erst aufgeweicht, dann mechanisch abgetragen. Oder das Gewebe wird zerstört, etwa durch Erfrieren mit Stickstoff. Bei störenden oder schmerzenden Warzen sei der Laser eine gute Variante – die Erfolgsquote liegt laut Küng bei etwa 70 Prozent pro Sitzung. Die Wunde schmerze aber oft und brauche acht bis zehn Wochen, bis sie verheilt sei.
«Warzenviren sind intelligente Eiweisskörper mit ausgeprägtem Willen zum Überleben», so Edgar Ilg. Wenn Gefahr drohe, vervielfachen sie sich. Zudem seien sie Meister der Tarnung: Sie dringen in die Zellen ein und verstecken sich so vor den Abwehrzellen. Er empfehle eine alternativmedizinische Drei-Stufen-Therapie: Zuerst bekommt der Patient eine Pflanzentinktur, die er einnimmt und auf die Warze pinselt. Dann werden die geschwächten Viren unter Strom gesetzt; das schädige die Eiweissstruktur, sie würden absterben. Schliesslich wird homöopathisiertes Patientenblut verabreicht. «Wir setzen den Abwehrzellen quasi eine Brille auf, damit sie die Viren entdecken können.»
Kann man vorbeugen? «Nicht zu 100 Prozent», sagt Ilg. Da aber alle Warzenviren durch Schmierinfektion übertragen werden, sei Hygiene angesagt: in Schwimmbädern und Saunen Badeschlappen anziehen, sich auf fremden Toiletten nicht setzen. Beim Sexualverkehr: Präservative benutzen.
Von harmlos bis gefährlich: Die häufigsten Warzen
- Vulgäre Warzen wachsen meist an den Händen, häufig bei vorgeschädigter Haut (Risse, Verletzungen).
- Fusswarzen (Dornwarzen) wachsen oft nach innen (sehr schmerzhaft).
- Plane Warzen: kleine, flache und weiche Warzen, die in grosser Zahl auftreten können (20 bis 100 Stück): bei Kindern und Männern oft im Gesicht, bei Frauen eher an den Beinen.
- Genitalwarzen (Feigwarzen, Feuchtwarzen, Spitzwarzen): Verschiedene Formen sind möglich – von kleinen, weichen, flachen bis zu grossen blumenkohlförmigen Warzen ist fast alles zu finden. Sie treten im Genitalbereich auf, am Muttermund, am Anus, im Enddarm, aber auch im Mund. Bei Verdacht unbedingt ärztliche Hilfe suchen.
© Beobachter Ausgabe 5 vom 04. Mär 2009 - Alle Rechte vorbehalten






